Wenn die Kuh Strom macht

Von Harald Judas und Andreas Gewinner

Biogas gehört zu den Verlierern, seit vor zwei Jahren das Gesetz zur Vergütung von Biostrom, das EEG, geändert wurde. Seither wurden kaum noch neue Anlagen gebaut. Ein Landwirt aus Metzlersreuth tut es dennoch. Wie geht diese Rechnung auf? Die Antwort liegt – im Kuhstall.

Dort, hinter den schon bestehenden Bauten am Ortsende von Metzlersreuth soll sie errichtet werden, die neue Biogasanlage von Gerd Ruckdeschel. Foto: Harald Judas Foto: red

Um den ständigen Anstieg der Umlage und damit des Strompreises zu bremsen, wurde 2014 das EEG geändert. Und auch um die „Vermaisung“ der Landschaft und die Anbaukonkurrenz zwischen Lebensmittel- und Energiepflanzen zu entschärfen. Doch der Gesetzgeber hat bei Biogas eine Hintertür offengelassen. Eine kleine.

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Eine Kuh macht 1000 Kilowatt Strom

„1000 Kilowattstunden Strom können in etwa aus der jährlich anfallenden Gülle einer einzigen Kuh gewonnen werden“, rechnete das Bundeslandwirtschaftsministerium vor. Das möchte der Metzlersreuther Milchbauer Gerd Ruckdeschel für seinen Betrieb nutzen. In Metzlersreuth am Ortseingang Richtung Schamlesberg befindet sich schon eine Güllegrube. Daneben soll nun eine Biogasanlage mit einer Leistung von 75 Kilowatt (kW) entstehen. Denn 75 kW sind die magische Grenze für eine sogenannte Gülle-Klein-Anlage. Sie erhält mit 23,73 Cent/kWh die relativ höchste Einspeisevergütung, nach der Faustregel: je größer die Anlage, desto geringer die Vergütung. Damit erhält Gerd Ruckdeschel zu seiner Einspeisevergütung, genau wie Besitzer von Photovoltaikanlagen oder Betreiber von Windrädern, noch einen Bonus obendrauf. „Es gibt keinen Zuschuss, aber auf 20 Jahre einen garantierten Einspeisepreis“, erklärt Senior Helmut Ruckdeschel. Die Investitionskosten wollen die Ruckdeschels nicht nennen, außer dass sie im sechsstelligen Bereich liegen.

Mit 90 Prozent Gülle und Mist

Die Vergütung von 23,73 Cent gibt es, wenn Gülle und Abfallstoffe in der Anlage landen. Und nicht Mais, Zuckerrüben oder Getreide. Und an Gülle ist kein Mangel im Milchviehbetrieb Ruckdeschel. „Und die wollen wir ausnützen“, sagt Gerd Ruckdeschel. Damit entsteht ein Verwertungskreislauf, was der Gesetzgeber eben mit einem Bonus zusätzlich unterstützt. „Unsere Anlage soll mit 90 Prozent Gülle und Mist betrieben werden“, betont Gerd Ruckdeschel. Und vor allem: „Es ist in Zeiten schlechter Milchpreise ein zusätzliches, gesichertes Standbein für den Betrieb.“

Auch die Abwärme wird genutzt

Und als zweiter positiver Effekt steht Familie Ruckdeschel Abwärme für das Wohnhaus und die Nebengebäude zur Verfügung. „Und eventuell ein Nachbarhaus“, so Gerd Ruckdeschel. Dazu fehlen allerdings noch Erfahrungswerte. Geruchsbelästigung? „Die wird für das Dorf sogar geringer, weil die Güllegruben künftig mit einer Folienkuppel abgedeckt sind“, verspricht Gerd Ruckdeschel.

Die erste Hürde hat die Anlage schon genommen. Der Bauausschuss der Stadt Gefrees stimmte unlängst zu. Ein Vorhaben, das auch das Dorf unterstützt. Gerd Ruckdeschel spricht von „positiven Rückmeldungen“. Zumal die Anlage einiges an Sicherheitsauflagen erfüllen muss. Der nahe Köhlersgrundbach wird durch einen Wall geschützt. „Eine gute Sache“, stellt sich auch der Metzlersreuther Stadtrat Bernd Jahreis hinter das Vorhaben. „Ich habe noch keine negativen Stimmen gehört“, gibt er aus eigener Erfahrung weiter. „Und es ist ja auch fast außerhalb der Ortsgrenzen.“

Als nächster Gang ist nun das Landratsamt an der Reihe, wo sich beispielsweise die Wasserwirtschaft, der Naturschutz und das Landwirtschaftsamt mit der Anlage befassen werden.

Wenn alle Genehmigungen vorliegen, wird mit dem Bau begonnen, bei einer Bauzeit von drei Monaten. „Wir wollen gerne bis September ans Netz gehen“