Weil der Gutachter, ein Toxikologe aus dem Universitätsklinikum Erlangen, erst jetzt diese Tatsache dem Gericht und den Prozessbeteiligten bekannt machte, stellten die Verteidiger des Chefarztes einen Befangenheitsantrag.
Überraschung im Chefarzt-Prozess vor dem Bamberger Landgericht: Die Hauptzeugin Romana S. (28) soll laut einem Gutachter zur angeblichen Tatzeit Methadon im Blut gehabt haben, das unter anderem bei Heroinabhängigen zum Einsatz kommt.
Weil der Gutachter, ein Toxikologe aus dem Universitätsklinikum Erlangen, erst jetzt diese Tatsache dem Gericht und den Prozessbeteiligten bekannt machte, stellten die Verteidiger des Chefarztes einen Befangenheitsantrag.
Nach der Werbung weiterlesen
Bei der jungen Frau Romana S. ist als einziger von zwölf möglichen Opfern ein Betäubungsmittel nachgewiesen worden. Der ehemalige Bamberger Chefarzt Heinz W. (50) steht vor Gericht, weil er die Frauen zuerst betäubt haben soll um sich danach an ihnen sexuell zu vergehen. Er streitet die Taten ab und sagt, er habe sie nur zu Studienzwecken untersucht.
Klaus Bernsmann, einer der Verteidiger von W., sprach von einer „möglichen Wende“ im Prozess. Denn sollte S. wirklich Methadon im Blut gehabt haben, könnte das für Drogenkonsum bei der jungen Frau sprechen. Und es könnte ein Indiz dafür sein, warum andere Blutwerte bei ihr erhöht waren, auch diejenigen, die auf das Betäubungsmittel hinweisen, mit dem sie der Chefarzt betäubt haben soll. Die Blutprobe „S2“ mit Methadon stammt vom 28. Juli 2014, 23.45 Uhr – also wenige Stunden nach der angeblichen Tat: Als der Chefarzt Romana S. betäubt haben soll und ihr anschließend Sexspielzeug eingeführt haben soll. Der Wert des in ihrem Blut gefundenen Methadons liegt laut Anwälten des Chefarztes „deutlich über der Nachweisgrenze“, sei also relativ hoch. Bernsmann wies darauf hin, dass allein schon Methadon zu „Ausfallerscheinungen“ führen könnte. Der Anwalt von Romana S., der das Verlesen der Zahlen in der Öffentlichkeit verhindern wollte, erklärte gegenüber dem Fränkischen Tag, dass sich dieser Wert sicher erklären lasse, wollte sich allerdings am Dienstag nicht dazu äußern.