Fünf Jahre hat das Opernhaus die Stadien der Sanierung und Restaurierung durchlaufen. War innen über einen langen Zeitraum eingerüstet, damit die Restauratoren in dem weltweit einzigartigen hölzernen Innenraum ihrer Arbeit nachgehen konnten, die Markus Söder am Donnerstagvormittag "Kunst in höchster Vollendung" nennt. Seit Anfang des Jahres war das Haus, das Besucher über ein provisorisches Informationszentrum bis zu dem Zeitpunkt noch besuchen konnten, komplett für die Öffentlichkeit geschlossen.

So gut wie fertiggestellt

Jetzt präsentiert sich das Haus in seinem wichtigsten Teil, dem Logenhaus, so gut wie fertiggestellt. In einer Farbigkeit, wie Markgräfin Wilhelmine und Markgraf Friedrich sie 1748 bei der Eröffnung und der prachtvollen Hochzeit der Tochter Elisabeth Friederike Sophie erlebt haben müssten. Das Opernhaus in Bayreuth habe, sagt Söder "kulturell gesehen eine Wende in der Opernhaus-Architektur eingeleitet". Das fast vollständig erhaltene hölzerne Logenhaus sei "zu recht mit Brief und Siegel" zum Weltkulturerbe ernannt worden, weil es weltweit Bedeutung habe. Bei der Restaurierung habe das Land Bayern "fast 30 Millionen Euro in diesem einzigartigen Kulturschatz" investiert, sagt Söder. Die Restauratoren hätten in den vergangenen fünf Jahren den faszinierenden "Raumeindruck wieder hervorgeholt", der in Teilen durch Überfassungen von Restaurierungen der vergangenen Jahrhunderte verloren schien.

Bühnenöffnung in originaler Größe

Ein ganz wichtiger Punkt dabei: "Die Bühnenöffnung ist in originaler Größe wiederhergestellt worden", sagt Söder. Von neuneinhalb Metern Breite und sechs Metern Höhe, wie der Präsident der Schlösserverwaltung, Bernd Schreiber, im Gespräch mit unserer Zeitung sagt, auf die ursprünglichen 14 Meter in der Breite und zehneinhalb Meter in der Höhe. Allein dieser Eingriff zurück zur historischen Größe bedurfte eines weiteren Kunstwerks: dem neuen Bühnenvorhang. 150 Quadratmeter Leinwand, wie einst der originale Bühnenvorhang auch.

Der Vorhang wie einst aus Leinwand

Thomas Rainer, Museumsreferent der Schlösserverwaltung, sagt auf Anfrage des Kuriers: "Der bemalte Vorhang ist in den späten 90er Jahren des 18. Jahrhunderts verloren gegangen." Und damit auch nicht, wie die Mär besagt, von Napoleon geraubt worden. "Es war eine relativ große Herausforderung, herauszufinden, wie man die Malerei an das historische Vorbild anlehnen kann." Zum Glück, sagt Rainer, fand man einen Vorhang-Entwurf von Francesco Galli Bibiena, dem Onkel des Opernhaus-Architekten Giuseppe Galli Bibiena, für das Kaiserliche Hoftheater in Wien, "das in gewisser Weise Vorbildcharakter für das Opernhaus hatte". Für die gemalten Vorhänge rings um die Bühnenöffnung, "die Schabracke oben und die Wasserfälle an den Seiten", sagt Rainer, habe man sich einer Vorlage von Giuseppe Galli Bibiena bedienen können: "Er hat für Dresden ein kleines Theater entworfen direkt nach dem Bau des Opernhauses, das aber nicht umgesetzt wurde".

Rund 93.000 Stunden allein der Restauratoren

Details einer Restaurierung, die neben dem Logenhaus die gesamte Technik des Opernhauses, das Dachtragwerk, die Statik umfasste und in die allein rund 93.000 Arbeitsstunden der Restauratoren geflossen sind, sagt Markus Söder. "Ein, zwei Mal ist uns die Luft stecken geblieben", erinnert Söder an Schreckens-Momente wie den Wasserschaden, der die komplette Klimatechnik des Hauses zerstörte.

Eine Zier für Bayern, eine Ehre für ganz Deutschland

Das Ergebnis, das Gesamterlebnis, sei "dem Niveau Bayreuths angemessen". Das Welterbe Opernhaus sei "kein regionale Ort" mehr, sondern "eine Zier für Bayern und eine Ehre für ganz Deutschland". Mithin eine Ermunterung für die sonst eher zurückhaltenden Oberfranken, stolz auf den Kulturschatz zu sein. "Das ist besser als gedacht, ich bin begeistert, angetan und angerührt", sagt Söder. Was Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe unterstreicht: Der Glanz des Hauses sei "von einer Dimension, die vielleicht sogar größer als zu Zeiten Wilhelmines ist".

Erste Besucher dürfen am 17. April rein

Mit der Einweihung des Opernhauses am 12. April - die ersten Besucher können am 17. April hinein - sei die Restaurierung aber noch nicht abgeschlossen. Im Anschluss wird das benachbarte Redoutenhaus zum Welterbezentrum umgebaut, für weitere rund fünf Millionen Euro. Etwa ab 2020 soll das Haus fertig sein. Für das Museum ist jetzt ein wichtiges Exponat angeschafft worden: eine seltene silberne Hochzeitsmedaille von 1748, die im Museum an die Hochzeit von Elisabeth Friederike Sophie von Brandenburg Bayreuth und Herzog Carl Eugen von Württemberg erinnern soll.