Welle der Hilfsbereitschaft nach Aufruf über Facebook Zirkus Renz sitzt in Pegnitz fest

Das Leben der Zirkusleute ist nicht einfach: heute da, morgen dort. Das war schon immer so und das wird auch immer so bleiben. Allerdings wurde es für die Zirkusleute immer schwerer. So schwer, dass sie, wie jetzt der Zirkus Renz in Pegnitz, fest sitzen und wegen Geldmangels überhaupt nicht mehr weiterkommen – direkt an der Bundesstraße. Der Zirkus ist in einer echten Notlage. Und das hat eine Hilfsaktion der außergewöhnlichen Art bewirkt.

Der Zirkus Renz schlug bereits im vergangenen Jahr seine Zelte in Pegnitz auf. Am 25. Dezember war die erste Vorstellung, am 8. Januar laut Plan die letzte. Mit weniger als nur mäßigem Besucherandrang. „Wir hatten an manchen Tagen mal acht, mal zehn, mal zwölf Besucher. Und es sind auch sieben Vorstellungen ausgefallen, weil niemand gekommen ist“, sagt Dunja Renz, während sie im Wohnwagen sitzt und Tränen in den Augen hat.

Tränen in den Augen

Nicht nur wegen der Besucherzahlen, sondern auch wegen der Schicksalsschläge, die sie im vergangenen Jahr erlitten hat: Im Januar ist ihre Schwester gestorben, der Schwiegersohn am 1. November. „Das sind die Erinnerungen, die wenigstens noch bleiben“, sagt sie und legt ein Foto des Schwiegersohns auf den Tisch. Was ihr und den reisenden Zirkusleuten von ihrem Schwiegersohn noch geblieben ist, ist Allesio – das Baby des Schwiegersohns, das jetzt immer mitreist.

Es war mal einfacher

Früher, etwa vor zehn Jahren, sagt die Besitzerin des Zirkus, sei das Leben als Artist einfacher gewesen. Da konnte man noch Leute in die Manege bekommen. Leute, die sich für Akrobatik noch begeistern konnten. Das hat sich geändert: „Ich denke, dass die Kinder einfach lieber vor dem Fernseher oder dem Videospiel sitzen.“ Die Zeit hat sich so sehr geändert, das man beim Zirkus Renz gar nicht mehr weiß, wie man über die Runden kommen soll. Und das im wahrsten Sinne des Wortes: Denn ein Transporter hat einen Motorschaden und muss repariert werden.

Es fehlt nur an Geld

Eine Sache, die eigentlich schnell gemacht wäre, wenn denn das Geld dafür da wäre. Ohne Besucher kein Geld, ohne Geld kein Transporter, ohne Transporter keine Möglichkeit, um überhaupt in eine andere Ortschaft fahren zu können, um dort Besucher zu unterhalten. Renz: „Wir haben momentan keine Ahnung, wie es weitergehen soll. Wie lange wir hier stehen. Wir müssten erst einmal den Transporter reparieren lassen können.“

Es ist nicht das erste Mal, dass der Zirkus Renz in der Region Hilfe benötigt:

26. Januar 2016: Mini-Zirkus, Riesen-Not

28. Januar 2016: Hilfe für den Zirkus Renz

2. Februar 2016: Zirkus Renz kann auf Rettung hoffen

Wurst, Brötchen und mehr

Allerdings ist nicht nur sie von der Hilfsbereitschaft der Pegnitzer gerührt, sondern auch die restlichen 14 Zirkusleute. Futter für die Pferde, den kleinen Hund Milo und für die Lamas und den Esel wurde abgegeben. Heu, Rüben, Hunde- und Kraftfutter hatten die Bürger bereits gebracht. Und das Baby Allesio hat jetzt auch einen hellblauen Schneeanzug, den jemand vorbei gebracht hat. „Die Pegnitzer Bürger sind sehr spendabel. Sie haben uns sogar auch schon Wurst und Brötchen hieher gebracht“, so Dunja Renz und fügt hinzu: „Wir sind ja auch schon öfter in Kindergärten und Seniorenheimen aufgetreten. Mit Jonglage, Clownerie, Handstandakrobatik. Das könnten wir alles machen. Es wäre toll, wenn man in Pegnitz Interesse daran hätte.“

Tierschützer melden sich zu Wort

Wegen der akuten Notsituation des Zirkus wurde auf der Facebookgruppe „Ich bin ein echter Pegnitzer“ inzwischen ein Hilfeaufruf für den Zirkus gestartet. Die Facebook-Nachricht löste über Nacht eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Das überraschte auch Renate Schneider, Administratorin der FB-Gruppe. Damit habe sie dann doch nicht gerechnet, sagt sie. Und auch, wenn sich eine Reihe von Tierschützern zu Wort gemeldet haben, die eine derartige Unterstützung für einen Zirkus infrage stellen: „Mehr als 80 Prozent der Stimmen waren positiv.“

Bäcker spenden Brot

Und es sei ja nicht bei schnell in die Tastatur geklopften Beifallsbekundungen geblieben. Sondern es folgte rasch ganz praktische Hilfe. Etwa durch Spenden von Kleidung und Babynahrung. Oder durch Brotspenden hiesiger Bäckereien.

Sie brachte den Stein ins Rollen

Den Stein ins Rollen brachte Sara Meier aus Neudorf. Ihr Mann ist beim Bund Naturschutz aktiv, erhielt aus diesem Kreis eine Mail, in der auf die schlimme Lage der Zirkusleute hingewiesen wurde. „Er fragte mich, wie man da tätig werden könnte und da fielen mir Renate Schneider und ihre Facebookgruppe ein.“ Sie suchte den Kontakt und wenig später war das Thema im sozialen Nerzwerk präsent.

Zwiespältige Meinung

Und das Thema löste dort ein enormes Echo aus - auch bei Christina Kugler, die sich in das virtuelle Organisationsteam einschaltete. „Wir drei sind sozusagen die Grundpfeiler dieser Aktion, über uns läuft das meiste“, sagt Renate Schneider. Wie Kugler haben auch sie und Sara Meier wenig Verständnis für die Einwände der Tierschützer, die sich zum Teil in sehr rustikaler Form über die Hilfsaktion äußerten: „Auch ich habe eine zwiespältige Meinung zum Thema Zirkus und Tiere - aber wer jetzt diesen Menschen hilft, hilft doch auch ihren Tieren.“

Sehr sauber und warm

Sara Meier, Mutter von drei Kindern, war vor Ort, hat sich selbst eine Meinung gebildet, als sie drei Tüten mit Kindersachen und Obst vorbeibrachte: „Es ist alles sehr sauber, es ist warm, und diese Menschen geben eher ihren Tieren einen Apfel, bevor sie ihn selbst essen.“

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