Wenn die Feuerwehr ins Einsatzauto springt, dann brennt’s buchstäblich. Klar, dass die Technik zuverlässig sein sollte, wenn es schnellgehen muss. Doch gegen Ende seiner Karriere ging es dem tapferen Feuerwehrfahrzeug Florian Weidenberg 10/1 nicht mehr gut. Das Alter nagte an dem BMW 5er, die Wehwehchen wurden von Tag zu Tag mehr. Die Weidenberger Wehr beschloss deshalb, das Einsatzleiterfahrzeug aufs Altenteil zu schicken. Doch statt auf dem Schrottplatz ist das Auto jetzt bei Ausstellungen und Messen zu sehen.

Ein bewegtes Autoleben

„Bei der Feuerwehr ist es tragisch, wenn ein Auto nicht fährt“, sagt Kommandant Heinrich Schmidt. Das alte Einsatzleiterfahrzeug sei zum Schluss öfter nicht angesprungen. Einmal hatte sich die Bremse festgesetzt. Und das, obwohl die Weidenberger ständig in das Auto investiert haben. Aber nach über 20 Jahren und rund 220.000 Kilometern ging ein Teil nach dem anderen kaputt. Wundern dürfte das keinen, schließlich hatte der BMW aus der Baureihe E34 ein bewegtes Autoleben hinter sich.

Praktisch von Geburt an war der 520i bei der Feuerwehr, zunächst an der Feuerwehrschule in Würzburg, wo er Übungszwecken diente. Nach knapp 150.000 Kilometern wechselte er den Besitzer und arbeitete künftig für die Weidenberger Wehr. Dort erlebte das Auto einige große Einsätze mit, wie einen Katastrophenalarm in Weidenberg, bei dem 100 Menschen evakuiert werden mussten, das Hochwasser im Raum Bamberg/Forchheim, den Flugzeugabsturz in Speichersdorf sowie den Thermenbrand in Fichtelberg. Die Feuerwehr hat inzwischen einen Nachfolger gefunden – und sich wieder für einen BMW 5er entschieden, der allerdings etwas jünger ist.

Als Erster am Einsatzort

Schmidt erklärt, was die Aufgabe eines Einsatzleiterfahrzeuges ist: „Der Einsatzleiter fährt mit dem Auto voraus. Er muss als Erster am Einsatzort sein, um die Lage zu peilen und die nachrückenden Kräfte zu koordinieren.“ Deshalb ist der Kofferraum auch voller Ausrüstung. Dazu gehört unter anderem ein Register, in dem steht, wie viele Personen sich in bestimmten Gebäuden aufhalten. Doch das ist längst nicht alles. Die Ausrüstung beinhaltet Leitkegel zur Verkehrssicherung, einen Defibrillator, Atemschutzmasken mit Filter, Funkgeräte, Warn- und Funktionswesten und Feuerlöscher.

Nachdem der BMW ausgemustert war, stand er zunächst in der Garage von Kommandant Schmidt. Bei ihm klingelte eines Tages ein Schrotthändler, der das Auto kaufte, mitnahm und es wenig später an einen Autohändler weitergab. Dort stand es nur kurze Zeit auf dem Hof, ehe es einen neuen Besitzer fand: Maximilian Heubeck aus Kammerstein im Landkreis Roth. Er ist im Vorstand der BMW 5er E34 Interessengemeinschaft, die sich den Erhalt und die Pflege der dritten Generation des Modells auf die Fahnen geschrieben hat. Er war seit Jahren auf der Suche nach einem Feuerwehrauto dieses Typs. Also schlug er zu.

In Eigenregie restauriert

Heubeck restaurierte den in die Jahre gekommenen BMW in Eigenregie: Er überholte die Technik komplett, schweißte die Schweller, entfernte Roststellen, lackierte neu und beklebte das Fahrzeug mit Dekorstreifen, die nun wieder neongelb leuchten. Auch den Schriftzug des Marktes Weidenberg hat Heubeck erneuert. Zudem kaufte er die komplette technische Ausrüstung – hauptsächlich für die Optik. „Einsatzfahrzeuge dieses Typs sind recht selten“, sagt Heubeck. Deswegen freute er sich umso gefreut, als er Florian Weidenberg 10/1 auf dem Hof des Händler sah.

Heubeck interessierte sich für die Geschichte des Fahrzeugs und nahm Kontakt mit Schmidt und der Feuerwehr in Weidenberg auf, um mehr darüber zu erfahren. So bekam er wichtige Informationen darüber, wie das Auto im Originalzustand ausgesehen hatte. Anfang Dezember war das Fahrzeug dann bei der Retro-Classics Bavaria, einer Oldtimer-Messe in Nürnberg zu sehen. Doch das war nur sein erster Auftritt. „Ich werde damit künftig weiter zu Messen, Oldtimer-Ausfahrten und Klubtreffen fahren“, sagt Heubeck. Das Einsatzleiterfahrzeug Florian Weidenberg 10/1 kommt also auch im Ruhestand nicht zur Ruhe.