Bekommt Weiden ein neues Gesicht? Diskussionen um ein 100 Millionen Euro teures Einkaufszentrum in Weiden

Udo Fürst

WEIDEN. Es ist zweifellos eines der ambitioniertesten Vorhaben in der jüngeren Geschichte der Max-Reger-Stadt: Der portugiesische Konzern Sonae Sierra plant den Bau eines mehr als 100 Millionen Euro teuren Einkaufszentrums inmitten der Stadt.

 Foto: red

Die Weidener Innenstadt ist seit drei Jahren unterversorgt, was die Zahl und Qualität der Geschäfte betrifft. 2008 musste das Kaufhaus Hertie in bester Lage seine Pforten schließen, obwohl es schwarze Zahlen schrieb. Grund dafür war die Pleite des Mutterkonzerns Arcandor. Ein schmerzlicher Verlust sowohl für die Weidener Geschäftswelt als auch für die Kunden. Unmittelbar neben dem Kaufhaus stand bereits seit Jahren das mittlerweile abgerissene Modehaus Dänner leer.

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Einzelhandel zeigt Widerstand

Das Shopping-Center soll nun die Lösung bringen, soll nicht nur Hertie- und Dänner-Areal verbinden, sondern der Fußgängerzone nach Westen folgen, eine zerklüftete Hinterhoflandschaft hinter der Geschäftsfassade auflösen und das Modehaus Müller, das City Center und das Kaufhaus Witt einbinden. Weil dann auch ringsum Straßen verkehrsberuhigt werden, würde sich das Gesicht der Weidener Innenstadt grundlegend ändern.

Doch wie so oft bei derart großen Projekten herrscht nicht nur Begeisterung. Vor allem vom Einzelhandel nahestehenden Kreisen regte sich Widerstand. Sogar eine Bürgerinitiative namens „Weiden – unsere Stadt“ gründete sich, um gegen das ursprünglich 19.000 Quadratmeter großen Center, das sie „Monstermarkt“ nannten, zu protestieren.

Was verträgt die Stadt?

Die Frage war und ist, wie viel Einkaufszentrum, wie viele dadurch entstehende neue Geschäfte verträgt die Stadt? Um dies zu klären und eine für alle Seiten befriedigende Lösung zu erreichen, gründete sich im Sommer auf Initiative von Oberbürgermeister Kurt Seggewiß (SPD) ein runder Tisch. Mit dabei: Investoren, Bürgerinitiative, Vertreter der Stadt, Gutachter, Händler und Architekten. Eines der wichtigsten Ergebnisse der Beratungen war, dass der Betreiber vom beabsichtigten 19 000-Quadratmeter-Komplex abrückte und sich nun mit 12 440 Quadratmeter Verkaufsfläche zufrieden gibt. Sogar Obergrenzen für die Sortimentsflächen wurden festgelegt: Bekleidung 4900, Elektro/Computer 2580, Sportartikel/Fahrräder 1000 Quadratmeter.

Betreiber Sonae Sierra, der erklärte sich auch einverstanden, die Centergestaltung in einem Architektenwettbewerb ermitteln zu lassen. Das überzeugte auch härteste Kritiker dieser Einkaufszentren amerikanischer Prägung. Einer davon ist Dr. Holger Pump-Uhlmann, der in seinen Publikationen dem Gros solcher Centerschädliche Auswirkungen auf die Innenstädte attestiert hatte. Dagegen hält der Experte das Weidener Modell für bundesweit mustergültig. Sein Urteil nach den harten Runden am Runden Tisch: „Die Voraussetzungen für eine innenstadtverträgliche Lösung sind jetzt gegeben.“

Bürgerinitiative fordert Begrenzung der Ladenanzahl

Unterdessen widersprechen Professor Fritz-Dieter Doenitz und Dr. Herbert Klein von der Bürgerinitiative der Darstellung, dass man sich geeinigt habe am Runden Tisch und „nun alles gut sei“. Man könne bestenfalls von einem Halbzeitergebnis sprechen. So sei nach wie vor die Zahl der Geschäfte ungeklärt. In der 1 a-Lage der Innenstadt gibt es derzeit rund 60. Das geplante Einkaufszentrum soll weitere 63 beherbergen. „Das ist deutlich zu viel“, betont Dr. Klein. Die Bürgerinitiative fordert eine Begrenzung auf 30 bis 40 Läden. „Ein gesundes Verhältnis zwischen alten und neuen Geschäften wäre 2:1.“

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