Wege durch die Krise gesucht Können Online-Konzerte die Zukunft sein?

Ernst Sieber veranstaltet mit seiner Firma In Phase Event Online-Konzerte – aus der Not heraus geboren, weil Corona seit einem Jahr alles andere unmöglich gemacht habe. Foto: Jürgen Masching

Das Folk- und Mittelalterensemble Faun aus Sachsen, das jedes Jahr viele Konzerte im In- und Ausland spielt, musste sich wegen Corona etwas einfallen lassen. Und so kam es, dass die Gruppe in Auerbach ein exklusives Konzert gab. Ein Konzert aber nicht vor Live-Publikum, sondern als exklusives Online-Konzert. Die Streamingveranstaltung wurde in den Räumen der Auerbacher In Phase Event GmbH produziert und aufgezeichnet. Dafür wurde extra ein komplettes Studio eingerichtet, das auch für alle anderen Streamingveranstaltungen verwendet werden kann.

Auerbach - Geschäftsführer Ernst Sieber, der die Firma 1989 gegründet hat, bezeichnet dieses Konzert als Konzept, dass man sich in den Zeiten der Pandemie auch längerfristig vorstellen könne. Der 54-jährige gebürtige Neuhauser begann mit Vulkan Veranstaltungstechnik und gründete 2006 In Phase Event GmbH. Im Jahr 2000 wurde auf der Leonie das neue Firmengebäude bezogen.

Angeboten werden jährlich zahlreiche nationale und internationale Projekte (Tourneen, Konzerte, Messen, Firmenevents), aber auch Kamerateams, Regisseure für Liveübertragungen, Image- und Produktfilme sind im umfangreichen Portfolio enthalten. Bis zum Frühjahr 2020 hatte die Firma 15 Festangestellte und, wie in der Branche üblich, viele Subunternehmer, auf die man zugreifen konnte. „Bei größeren, zeitgleichen Produktionen und Events arbeiten bis zu 65 Leute für uns“, erklärt Sieber. Er betont, dass die Firma bis März 2020 auf absolut soliden Füßen gestanden habe und durch Rücklagen auch noch solide sei.

„Ich weiß es noch genau, es war der 13. März“, so der Unternehmer. „Plötzlich stand im Hof alles voller LKW’s, die aus ganz Deutschland zurückkamen. Es ging sozusagen innerhalb eines Tages von 100 auf 0 runter“. Es wurde zurückgepackt, die Inventur vorgezogen, Elektronik- und UVV-Prüfungen des umfangreichen Geräteparks durchgeführt. „Alles wurde erst einmal in den September verlegt“. Die Mitarbeiter wurden in Kurzarbeit geschickt.

Dann habe man alles auf das Frühjahr 2021 verschoben und nun seien viele Veranstaltungen in den Herbst oder gleich auf 2022 verschoben worden. Sieber glaubt nicht daran, dass es heuer noch Veranstaltungen mit tausend Zuschauern gibt. Es sei auch schwierig, freie Mitarbeiter zu finden, sollte es wieder aufwärts gehen. „Viele unserer Freien sind nicht mehr in dieser Branche tätig und gehen nun einer anderen Arbeit nach.“ Viele seien auch durch das Raster für die staatlichen Hilfen gefallen.

Nachdem es im Jahr 2020 „völlig desolat“ war, hoffte Sieber nun auf das Frühjahr 2021. „Doch auch jetzt sehen wir, dass es nicht besser wird.“ So hat er mit der Gruppe Faun das Online-Konzert in Auerbach veranstaltet, das sehr gut angenommen worden sei. „Wir haben über 2000 Tickets verkauft.“ Interessenten konnten verschiedene Online-Tickets erwerben und mit einem Code wurde das Konzert freigeschaltet.

Das nächste Konzert findet bereits am kommenden Wochenende in Halle/Saale statt, ebenfalls online. „Es gab schon weitere Gespräche mit verschiedenen Kunden, um so etwas aufzubauen, aber die Kunden benötigen eine gewisse Internetpräsenz, um das durchzuführen“, weiß Ernst Sieber. Auch solche Konzepte wie beim eventpark.one in Pegnitz sehe er als gute Möglichkeit. „Vielleicht werden solche Veranstaltungen im Sommer im Freien mehr zu hören sein.“

Die Zukunft der Branche sieht er mit gemischten Gefühlen entgegen: „Man wird sehen, sollte es wieder los gehen, welche Firmen noch mitmischen.“ Auch sieht er die Personalproblematik als schwierigen Punkt an. „Es kann sein, dass wir mehr tun könnten, als wir tatsächlich machen können.“ Auch den Preiskampf sieht Sieber als Probleme. Die staatlichen Hilfen wurden auch von ihm und seiner Firma genutzt, aber wie es am Ende aussieht, werde sich dann zeigen.

„Die Welt wird nach der Pandemie eine komplett andere sein“, glaubt Ernst Sieber. „Sollte es im Herbst eine Aussicht auf Veranstaltungen geben, wird es vielleicht schneller zu einer Normalität kommen. Im Moment denke ich immer noch positiv, doch sollte es auch Ende des Jahres nicht besser werden, wird man sich im Frühjahr 2022 die Frage stellen müssen, macht es noch Sinn, überhaupt weiterzumachen?“

 

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