Weg der Ex-Bayreuther Von Zweiter Liga bis ans Tor zur NBA

Nicht lange warten mussten die Medi-Leistungsträger der vergangenen Saison, bis sie neue Engagements fanden. Für Gregor Hrovat, David Stockton, Adonis Thomas, Hassan Martin und De’Mon Brooks (von links) ging die Reise aber in ganz verschiedene Richtungen. Foto: Peter Kolb

BASKETBALL. Runderneuert wurde der Kader von Medi Bayreuth nach der vergangenen Bundesligasaison. Acht Ausländer und ein Deutsch-Amerikaner verabschiedeten sich in die unterschiedlichsten Richtungen von Japan über die Türkei bis nach Mexiko, von der Zweiten Liga bis ans Tor zur NBA. Unterschiedlich waren auch ihre Erfolge bei den neuen Klubs. Aber eines ist allen gemeinsam: Der Corona-Pandemie konnten sie nicht entgehen.

Kyan Anderson

Der starke Bayreuther Spielmacher der Saison 2016/17 war als Ablösung für David Stockton aus Pristina geholt worden, konnte aber nicht mehr an die Leistungen des ersten Bayreuth-Gastspiels anknüpfen. Im folgenden Wechsel zur BG Göttingen sah mancher Beobachter dann fast so einen Rückschritt wie ein Jahr zuvor im Kosovo, doch inzwischen hat Anderson alle Skeptiker überzeugt. Nach viel kritisiertem Start wurde der 27-jährige US-Pointguard mit beständig starken Leistungen zum Hauptverantwortlichen für den Göttinger Höhenflug vom Abstiegskandidaten zum Playoff-Anwärter, der sich nun sogar an der geplanten Saisonfortsetzung der Spitzenteams beteiligen will. In den bisherigen 21 Saisonspielen sammelte Anderson in gar nicht so üppiger Einsatzzeit starke 15,7 Punkte pro Spiel, wobei ihm offenbar die Freiheit für viele Würfe mit nicht immer glanzvoller Trefferquote gewährt wird (94/245 = 38,4 Prozent). Gegen den Vorwurf des Eigensinns sprechen aber 5,1 Assists.

Saisonbilanz 2018/19 bei Medi Bayreuth: 15 Spiele / 19:42 Min. Einsatzzeit / 6,7 Punkte (44,4 Prozent Zweier; 38,1 Prozent Dreier) / 4,2 Assists / Effektivität: 8,9.

DUNK.FM - Alle medi Bayreuth Basketball Spiele live im Audiostream

De’Mon Brooks

Nach drei starken Jahren in Bayreuth hatte man erwartet, dass der Power Forward bei einem finanzkräftigen Klub in Europa auftauchen würde. Statt dessen wechselte er in die hierzulande allenfalls am Rande beachtete japanische Liga zu den Ryukyu Golden Knights Okinawa. Dort bildet der 27-jährige Amerikaner ein dominierendes Duo auf den großen Positionen mit dem früher für Ludwigsburg spielenden Jack Cooley, der aus Sassari (Italien) kam. Brooks’ 29 Einsatzminuten, 16,7 Punkte und 5,3 Rebounds pro Spiel werden lediglich von seinem US-Landsmann noch übertroffen, und zwar mit 31 Minuten, 17,9 Punkten und besonders eindrucksvollen 12,9 Rebounds. Zusammen nehmen die beiden Innenspieler im Schnitt mehr als 25 Würfe, wobei Brooks sich zu einem Drittel an der Dreierlinie versucht. Zum Zeitpunkt des mittlerweile endgültigen Abbruchs nach zwei Dritteln der sehr langen Punkterunde mit 60 Spielen lagen die Golden Knights mit 27:14 Siegen an der Spitze ihrer Division West. Für die vergleichsweise kurzen Playoffs nach dem Modus Best-of-3 hätten sich die beiden Erstplatzierten jeder Gruppe mit jeweils sechs Mannschaften qualifiziert sowie die zwei punktbesten unter den übrigen Teams.

Saisonbilanz 2018/19 bei Medi Bayreuth: 34 Spiele / 26:35 Min. Einsatzzeit / 12,2 Punkte (56,9 Prozent Zweier; 37,6 Prozent Dreier) / 5,0 Rebounds / Effektivität: 13,8.

Gregor Hrovat

Bei Afyon Belediye in der Türkei hat der slowenische Flügelspieler dieselbe Vielseitigkeit bewiesen, die ihn in Bayreuth ausgezeichnet hatte: Neben 4,7 Assists, 3,8 Rebounds und 1,8 Ballgewinnen sammelte er 12,6 Punkte pro Spiel, womit er unter den Korbschützen seines Teams an dritter Stelle liegt. Angeführt wird die Liste vom 1,68 m kleinen Spielmacher Jordon Crawford, der aus Ludwigsburg gekommen ist. Das muss noch nicht der Endstand sein, denn im letzten Land in Europa, das sich Mitte März zu einer Unterbrechung der Saison durchgerungen hatte, wurde die Hoffnung auf eine Fortsetzung noch nicht aufgegeben. Playoff-Chancen für Afyon erscheinen allerdings gering, denn die bisherigen 7:16 Siege reichten in der starken türkischen Liga nur für Platz 13.

Saisonbilanz 2018/19 bei Medi Bayreuth: 33 Spiele / 20:59 Min. Einsatzzeit / 9,9 Punkte (57,1 Prozent Zweier; 34,6 Prozent Dreier) / 2,9 Assists / 2,4 Rebounds / Effektivität: 10,6.

Hassan Martin

Für den bulligen US-Center, dessen glänzende Saison in Bayreuth durch eine Verletzung beeinträchtigt wurde, bedeutete der Wechsel zu Budocnost Podgorica den persönlichen Aufstieg in den Eurocup. Dort scheiterten die Montenegriner zwar in der ersten Runde als Gruppenletzter mit 3:7 Siegen, aber Martin hat sich mit seinem Schnitt von 13,6 Punkten und 8,0 Rebounds in 26 Einsatzminuten für weitere Aufgaben auf diesem Niveau empfohlen haben. Dafür sprechen die Meldungen, dass sich der griechische Euroleague-Vertreter Olympiakos Piräus für den Ex-Bayreuther interessiert. In der länderübergreifenden Liga ABA trug der 24-Jährige mit 10,2 Punkten pro Spiel und als wiederum erfolgreichster Rebounder im Team (5,8) zum zweiten Tabellenplatz bei (15:6 Siege), und innerhalb Montenegros feierte er mit dem Meister der Vorsaison den Pokalsieg. Erfolgreichster Werfer bei Budocnost ist der früher für München und Frankfurt spielende US-Guard Justin Cobbs, der im Eurocup und in der ABA den genau gleichen Punkteschnitt von 15,4 vorweisen kann. Noch ist die Saison für die Montenegriner nicht offiziell beendet. Noch vor gut zwei Wochen hat sich Budocnost mit Hinweis auf die relativ wenigen Corona-Fälle im Land sogar als Ausrichter eines Final-Turniers in der ABA angeboten.

Saisonbilanz 2018/19 bei Medi Bayreuth: 18 Spiele / 22:15 Min. Einsatzzeit / 13,8 Punkte (nur Zweier: 67,6 Prozent) / 6,3 Rebounds / 2,1 Blocks / Effektivität: 17,6.

Eric Mika

Im Januar 2019 kam der US-Center aus Italien nach Bayreuth und erwies sich zumindest in der Offensive als überzeugender Ersatz für den verletzten Hassan Martin. Seither kämpft er darum, in der NBA Fuß zu fassen. Vor Saisonbeginn nahmen ihn die Sacramento Kings unter Vertrag, reichten ihn aber weiter an ihr Farmteam Stockton Kings (G-League). Drei Wochen verbrachte Mika zudem in China, ehe sich sein Traum vom NBA-Debüt doch erfüllte: Am 1. Februar spielte der Ex-Bayreuther für die Sacramento Kings bei der 113:129-Niederlage gegen die Los Angeles Lakers. Mit sechs Punkten und sieben Rebounds hinterließ er dabei einen respektablen Eindruck, aber trotzdem blieb das bis heute sein einziger Einsatz in der stärksten Liga der Welt.

Saisonbilanz 2018/19 bei Medi Bayreuth: 15 Spiele / 20:42 Min. Einsatzzeit / 12,0 Punkte (nur Zweier: 66,4 Prozent) / 5,0 Rebounds / Effektivität: 15,0.

Nik Raivio

Nach einer durchwachsenen Saison in Bayreuth (mit aufsteigender Tendenz gegen Ende) kehrte der in Belgien geborene Deutsch-Amerikaner in die 2. Liga Italiens zurück (Serie A2) und avancierte dort zum Hauptleistungsträger bei Urania Mailand. Beim frühen Abbruch (schon im Februar) der inzwischen endgültig beendeten Saison im besonders stark von Covid-19 betroffenen Italien lag der 34-jährige Flügelspieler sowohl mit der Einsatzzeit von fast 36 Minuten pro Spiel, als auch bei der Punktausbeute (18,2) und den Rebounds (8,5) klar an der Spitze der internen Statistiken. Daneben verteilte er auch noch 4,3 Assists. Raivios Team lag auf dem siebten Platz der Gruppe Ost mit 12:13 Siegen gut im Rennen um die Playoffs, für die sich die jeweils ersten Acht der beiden Staffeln mit je 14 Teams qualifizieren.

Saisonbilanz 2018/19 bei Medi Bayreuth: 30 Spiele / 13:31 Min. Einsatzzeit / 4,8 Punkte (57,8 Prozent Zweier; 42,9 Prozent Dreier) / 2,4 Rebounds / Effektivität: 6,6.

Kassius Robertson

Noch länger als Raivio pausiert der kanadische Scharfschütze mit Fortitudo Bologna, denn Italiens höchste Spielklasse (Serie A) hat seit dem 9. Februar keine Spiele mehr ausgetragen. Damals hatte der Tabellensiebte unter den 17 Mannschaften (11:10 Siege) eine reelle Playoff-Chance. Robertson trug maßgeblich dazu bei mit seinen 14,1 Punkten pro Spiel bei einer durchschnittlichen Einsatzzeit von 30 Minuten. Wie schon in Bayreuth nahm der 25-jährige dabei wesentlich mehr Würfe von der Dreierlinie als aus dem Zweierbereich und kam von dort auf eine Trefferquote von 41,4 Prozent (55/133).

Saisonbilanz 2018/19 bei Medi Bayreuth: 34 Spiele / 26:10 Min. Einsatzzeit / 12,3 Punkte (41 Prozent Zweier; 46,3 Prozent Dreier) / 2,7 Assists / Effektivität: 10,8.

David Stockton

Mit der Empfehlung von sechs Einsätzen in der NBA war der Sohn der amerikanischen Basketball-Ikone John Stockton vor der vergangenen Saison nach Bayreuth gekommen – je drei für die Sacramento Kings in der Saison 2014/15 und für die Utah Jazz 2017/18. Seit dem BBL-Gastspiel, das die hohen Erwartungen kaum erfüllte, bemüht sich der 28-Jährige nun um die Rückkehr in die Liga der Weltbesten. Die Los Angeles Lakers gaben ihm einen Vertrag, ließen ihn bislang aber nur beim Farmteam South Bay Lakers in der G-League spielen. In 27 Partien mit durchschnittlich gut 26 Einsatzminuten sammelte Stockton dort 15,3 Punkte und 6,8 Assists pro Spiel. Seine Trefferquoten sind allerdings nicht glanzvoll: 45,6 Prozent bei den Zweiern und 29,8 Prozent bei den Dreiern.

Saisonbilanz 2018/19 bei Medi Bayreuth: 20 Spiele / 20:05 Min. Einsatzzeit / 9,8 Punkte (50,7 Prozent Zweier; 46,1 Prozent Dreier) / 4,1 Assists / Effektivität: 10,6.

Adonis Thomas

Viel mehr erwartet hatte man in Bayreuth von dem körperlich starken US-Flügelspieler, und sehr erfolgreich war er auch bei seiner nächsten Station nicht. Bei BCM Gravelines-Dunkurque in Frankreich absolvierte er 13 Spiele, in denen er im Schnitt 8,1 Punkte und 2,4 Rebounds verzeichnete. Damit stand er im Schatten seines Teamkollegen Trey Lewis, der in der Saison 2016/17 in Bayreuth einen nachhaltigeren Eindruck hinterlassen hatte und in 18 Einsätzen für Gravelines mit 14,0 Punkten pro Spiel der zweitbeste Korbjäger im Team war. Auch das reichte aber nicht, um mit der Mannschaft mehr zu erreichen als den vorletzten Platz unter den 18 Erstliga-Klubs (7:18 Siege). Thomas zog im Januar weiter nach Mexiko, um mit den Mineros de Zacatecas die Playoffs zu bestreiten. Nach sieben Spielen, in denen der Ex-Bayreuther durchschnittlich 7,0 Punkte beitrug, scheiterte der Spitzenreiter der Hauptrundengruppe Ost jedoch im Halbfinale.

Saisonbilanz 2018/19 bei Medi Bayreuth: 32 Spiele / 24:32 Min. Einsatzzeit / 9,5 Punkte (45,0 Prozent Zweier; 33,3 Prozent Dreier) / 3,2 Rebounds / Effektivität: 8,2.