Was Weihnachtspost mit Glück zu tun hat

Von Renate Allwicher

Was für ein Glück…. Die Psychoanalytikerin Dr. Christa Pawlofsky ist dazu bereit, mit dem Kurier über Glück zu sprechen. Glück. Das Thema unserer Adventsserie. Glück. Was ist das überhaupt? Meinen wir nicht eher Zufriedenheit, wenn wir über langfristiges Glück sprechen? Woran erkenne ich glückliche Menschen? Bin ich tatsächlich selbst meines Glückes Schmied? Machen (Weihnachts-) Geschenke glücklich? Oder wenigstens das Schenken? Fragen über Fragen – zum Glück entwickeln sich im Gespräch Antworten, die uns die Weihnachtszeit vielleicht ein Stück weit zufriedener erleben lassen.

Das ganze Jahr nicht gemeldet und dann zu Weihnachten eine Karte? Was unsinnig klingt, ist für die Bayreuther Psychoanalytikerin Christa Pawlofsky durchaus eine Tradition mit Sinn. Selbst wenn der Text auf der Karte nicht tiefgehend ist, so denkt der Sender beim Schreiben (oder Tippen) doch über den Adressaten nach. Und er wird dabei kaum denken, was er an ihm blöd findet, sondern an die guten Seiten, an die Gemeinsamkeiten, an das, was beide miteinander verbindet – und beim nächsten Treffen sind diese Gedanken näher als alles andere. Foto: Ronald Wittek Foto: red

Glück, Glück und Glück: Manches wirkt nur kurz, anderes hält länger

Geschenke können glücklich machen. Wenn damit eine Beziehung gelebt und gestärkt wird, der Mensch die Erfahrung macht, vom anderen wahrgenommen zu werden und für den anderen wichtig zu sein. Wer dem anderen eine Freude machen kann, ist dabei meist langfristig der Glücklichere. In diesem Kontext verweist Pawlofsky auf die Bibel: „Geben ist seliger denn nehmen“. Wer Freude schenkt, wird mit Glück belohnt – weshalb zum Beispiel Ehrenamtliche ihre Arbeit meist als bereichernd empfinden. 

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Glück kann hingegen nicht dadurch erhalten werden, dass man etwas dauerhaft besitzt. Was uns die Werbung verspricht, Glück durch Konsum, ist ein leeres Versprechen. Erfahrungsgemäß währen Glücksmomente, die durch materiellen Zugewinn entstanden sind, nicht lange. Denn alleine dadurch, dass ich etwas habe, kann das Glück nicht erhalten werden. Es nutzt sich ab. Die Jagd nach immer Neuem ist keine Lösung, denn auch die neuen Sachen verlieren mit der Zeit ihren Reiz.

Das Glücksgefühl durch positive Erlebnisse und Erfahrungen ist dagegen intensiver und wirkt länger nach. Wir können uns ja manchmal noch an solche Glücksgefühle aus der Kinderzeit erinnern, das Skifahren mit dem Papa, den Kinobesuch mit der Tante. Das ist Glück, das wieder lebendig wird in der Gegenwart.

Vom Umgang mit Weihnachtsgeschenken

Geschenke werden oft als Verpflichtung wahrgenommen. Um Geschäftsbeziehungen zu pflegen, zum Beispiel. Geschenke können zwiespältig und doppelbödig sein. Auf der anderen Seite fühlen sich Beschenkte oft beschämt. Meinen, etwas nicht annehmen zu können, vielleicht weil sie selber kein entsprechendes Gegengeschenk haben. Ein unerwartetes  Geschenk annehmen zu können, die Freude zu zeigen, mag nicht einfach sein. Danken zu können, gehört zum Glück.

Ich schenk dir was – aber was willst du?

Schenken und beschenkt werden ist sehr komplex, betont Pawlofsky: Oft glauben Menschen, ein Geschenk verliere an Wert, wenn sie zuvor den Wunsch danach geäußert haben. Statt aber endlos darauf zu warten, dass der Partner (endlich!)das Gedankenlesen erlernt, ist es oft leichter einfach zu sagen, was man sich wünscht. Wichtig ist aber, Wünsche und Bedürfnisse, selbst langgehegte, nicht als Angriff oder Vorwurf zu äußern. Und dem anderen auch nicht zu misstrauen mit der Unterstellung: „Selbst wenn ich sage, was ich mir wünsche, kapierst du doch eh nichts von mir.“ Oder: „darauf hättest du schon lange mal kommen können“. Hingegen könnte ein „darf ich mir von dir diesmal etwas wünschen?“ ermöglichen, sich etwas näher zu kommen, sich Wünsche und Bedürfnisse zu zeigen. Zum Beispiel so: „ich hätte echt gerne von dir…“  Und dabei ist es egal, ob es sich um materielle Dinge wie eine Halskette handelt oder dass der andere den Tisch abwischt.

 Die hilfreiche Draufsicht auf die Dinge

Die tendenziell glücklicheren Menschen beherrschen es meist, immer mal wieder von sich selbst einen kleinen Moment abzusehen und mit wohlwollendem Interesse zu prüfen, in was für einer Situation sie gerade stecken  und wie diese Situation auf einen Außenstehenden wirken würde. Im Idealfall kommt dann noch ein bisschen Humor dazu, und schon lässt sich vieles aushalten. Zum Beispiel sogar…

Traditionen als weihnachtliche Überlebensstrategie

… ein Weihnachtsabend mit der ganzen Familie, obwohl man mit der einen oder dem anderen gar nicht gerne am Tisch sitzt. Diese Abende, an denen, gerade wenn die eigene Familie keine heile Welt ist, vordergründige Anpassung und Harmonie tiefe Gräben verdecken soll. Wer sich aber vorher darauf einstellt, einen Abend friedlich beisammen zu sein und kritische Themen ruhen zu lassen, der kann mit etwas Neugier aufeinander und Wohlwollen füreinander interessante Erfahrungen machen. Solche Traditionen wie eine Familienweihnachtsfeier sind daher keineswegs überholt, sagt Pawlofsky. Es ist eine alte Tradition unseres Kulturkreises, und Traditionen helfen, durchs Leben zu gehen und miteinander in Verbindung zu bleiben - ohne dass wir Weihnachten und die Familie deshalb ganz toll finden müssen.

Besinnung auf Gemeinsamkeiten – wie Weihnachtsgrußkarten Beziehungen verändern

Das ganze Jahr denkt sie nicht an mich, aber an Weihnachten kommt eine Karte? Christa Pawlofsky sieht auch in dem Brauch Weihnachtsgrüße zu versenden, durchaus Sinn. Selbst wenn der Text auf der Karte nicht tiefgehend ist, so hat der Absender doch an den Adressaten gedacht. Auch durch diese Tradition können wir Beziehungen pflegen, das Bessere, das Wertvolle, das Verbindende mit dem Adressaten in unserer Erinnerung an erste Stelle rücken. Das kann ein wenig glücklicher machen, vor allem, wenn man die Karte schreibt.

Sich vor schwierigen Situationen wappnen

Wer weiß, dass eine belastende Situation auf ihn zukommt, sollte innehalten und sich vor Augen führen: Was ist wichtig und wertvoll in meinem Leben, was trägt mich, wo geht es mir richtig gut, durch wen erfahre ich Wertschätzung, wen liebe ich. Mit diesen Bildern im Kopf ist es leichter, Verletzungen zu verkraften.

Glaube an das Gute

Misstrauen wird uns auf der Suche nach Glück und auf dem Weg zu Zufriedenheit  nicht nützlich sein. Die Welt, in der wir leben, ist nicht heil. Die Suche nach den Quellen der eigenen Kraft und dem Guten, an das wir glauben können, ist oft eine Herausforderung. Vor allem, wenn Menschen schwere Verletzungen, Angst und Depression erfahren. Vielleicht ist die Fähigkeit (trotz allem) lieben zu können, die größte Gabe.

 Keine Angst! Es zählt der Augenblick

Das Überwinden von Angst führt zu Glücksgefühlen. Intensive Glücksgefühle sind immer Momenterfahrungen, erklärt Pawlofsky. Ein klassisches Beispiel ist der Bungee-Jump. Wenn wir ängstlich oder misstrauisch sind, sollten wir uns also immer klar machen, dass Angst erst einmal nur Angst ist – und nur, weil ich Angst habe, heißt es noch lange nicht, dass etwas schiefgeht und dass ich es nicht schaffen werde. Im Gegenteil: Die Glückserfahrung hängt gerade mit der Überwindung von Angst zusammen. Das Glücksgefühl, die eigene Angst im Zaum zu halten, hält über den Moment hinaus an und führt zu einem gesteigerten, befreiten Lebensgefühl.