Warum keine Zeugen? „Wenn ich dort uriniere, fotografieren vier bis fünf Leute“

Trauriges Bild: Der angesägte Baum am Tag nach dem Andreasmarkt. Foto: Archiv/Peter Rauscher

Der Christbaumfrevel von Weidenberg ist weiter ungeklärt. Warum melden sich eigentlich keine Zeugen? Den Bürgermeister Hans Wittauer wundert das – an dem Ort.

Ein schöner Christbaum. Jahrelang gewachsen, und vor der Sparkasse an der Bahnhofstraße nahe der Neuen Mitte aufgestellt. Er sollte die Menschen erfreuen, wurde stattdessen mutwillig und ohne erkennbaren Grund umgesägt – und das auch noch während des Weidenberger Andreasmarkts.

Dieser Christbaumfrevel war in den Tagen nach dem Tattag am ersten Adventssonntag, 27. November 2022, der Aufreger in Weidenberg und der Region. Zumal es vorher große Diskussionen darüber gab, ob er überhaupt aufgestellt werden soll. Wie berichtet, hatte der Weidenberger Bürgermeister Hans Wittauer (FWG) vorgeschlagen, die beiden Christbäume am Rathausplatz und an der Neuen Mitte in diesem Jahr nicht aufzustellen, um Kosten zu sparen. Dagegen hatte sich vor allem aus Reihen der CSU-Gemeinderatsfraktion Widerstand gebildet. Es kam zum Kompromiss: Pünktlich zum Andreasmarkt, der großen Winterveranstaltung in Weidenberg, wurden zwei Bäume aufgestellt, jedoch etwas kleinere Exemplare als in den vergangenen Jahren.

Glatte Schnittstelle deutet auf Absicht hin

Dann der Schock: Als unter dem Baum am Rathausplatz am Obermarkt der Andreasmarkt gefeiert wurde, wurde der Baum im unteren Ortsbereich umgesägt. Das fiel Besuchern des Andreasmarkts auf, als sie gegen 18.30 Uhr auf dem Heimweg waren. Sie informierten die Feuerwehr, die die Stelle zunächst provisorisch absicherte. Dass der Baum mutwillig zum Einstürzen gebracht wurde, ist aufgrund der glatten Schnittstelle sehr wahrscheinlich. Die Marktgemeinde erstattete Anzeige wegen Sachbeschädigung bei der Polizei Bayreuth-Land. Und es gab auch einen Zeugenaufruf.

Der Christbaum ist seit Tagen ersetzt. Dass dort keiner steht, wollten sich die Weidenberger nicht gefallen lassen. Nur zwei Tage später stellten Feuerwehrleute eine sechs Meter hohe Tanne auf, die von der Baumschule Vogel in Sickenreuth gespendet wurde. Die Suche nach dem oder den Tätern des Christbaumfrevels ist aber weiter offen. Bislang hat sich noch kein Zeuge gemeldet, wie Bürgermeister Wittauer am Montagabend (5. Dezember 2022) bei der Sitzung des Marktgemeinderats auf Nachfrage von Gemeinderat Erwin Wutschka (Bürgerforum) mitteilte. Wittauer, der schon in der Kurier-Berichterstattung direkt nach dem Christbaumfrevel von einem „Anschlag auf den Advent“ sprach, verurteilte die Aktion im Gemeinderat erneut: „In der Adventszeit macht man das nicht. Wir haben keinen 1. Mai. Da sind wohl einige Sicherungen durchgeknallt.“

Warum hat keiner etwas gesehen?

Am meisten verwundere es ihn aber, sagte Wittauer weiter, „dass keiner etwas gesehen hat“. Immerhin handele es sich um einen zentralen Ort. „Wenn ich abends um 18.15 Uhr in die Neue Mitte uriniere , fotografieren mich vier bis fünf Leute mit dem Handy und knallen mir eine Ordnungswidrigkeit um die Ohren“, sagte Wittauer – und deutete damit an, dass der Standort des Christbaums eigentlich ideal für Beobachtungen sei. Gut ausgeleuchtet, übersichtlich, einsehbar, nahe einiger bewohnter Häuser und direkt an der Hauptstraße durch den Ort. Wittauer wundert sich. „Wenn aber einer dort einen Baum umsägt, will keiner etwas gesehen haben.“

Eine offizielle Bestätigung über den Stand der Ermittlungen bekam der Kurier am Mittwoch (7. Dezember 2022) nicht. Der dafür zuständige Mann bei der Polizeiinspektion (PI) Bayreuth-Land war wegen eines dringenden Einsatzes nicht erreichbar; und ein anderer konnte auch auf Nachfrage keine Auskunft geben. Und die Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberfranken teilte mit. Kenntnis über den Vorgang habe nur die PI Land.

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