Warum die von Markgraf Friedrich in Bayreuth gegründete Uni nach 471 Tagen nach Erlangen verlegt wurde Das unerwünschte Studentenvolk

Von Norbert Heimbeck
Markgraf Friedrich gründete 1742 die erste Universität Bayreuths. Nach 472 Tagen wurde die Akademie nach Erlangen verlegt. Foto: red Foto: red

Bayreuth und seine Studenten – das ist 40 Jahre nach Gründung der Universität eine komplizierte Beziehung. Fast 13.000 junge Menschen, die hier studieren, wohnen und feiern wollen. Dem gegenüber stehen Wohnungssuchende, die hohe Mietpreise beklagen und Hoteliers, die nachts ihre Ruhe haben wollen. Dieser Zwist hat Geschichte. Er begann im Jahr 1742.

Die Universität Bayreuth feiert 2015 ihr 40-jähriges Bestehen. Unter den jungen Unis in Deutschland genießt sie einen hervorragenden Ruf; Ingenieure und Sportökonomen haben beste Karrierechancen, der „Jurist Bayreuther Prägung“ ist gar zum geflügelten Wort geworden. Ein bisschen Wehmut kommt angesichts dieser Erfolge auf, wenn man sich vorstellt, dass die akademische Tradition Bayreuths deutlich älter als vier Jahrzehnte sein könnte: Vor mehr als 270 Jahren hat nämlich schon einmal eine Universität in Bayreuth existiert – für genau 471 Tage.

Markgraf Friedrich (1711-1763) hatte ein Problem, das auch heute wieder aktuell ist: Er suchte Wege, die jungen Leute in der Region zu halten. Er brauchte dringend Nachwuchs für den gewaltigen Verwaltungsapparat seiner Residenzstadt. Eine Akademie mit wissenschaftlichen Vorlesungen erschien ihm zu diesem Zweck das passende Mittel. Am 15. Dezember 1741 verkündete er zusammen mit seiner Ehefrau Wilhelmine (1709-1758) den Beschluss, aus dem damals bereits bestehenden Gymnasium Christian Ernestinum ein Gymnasium Academicum machen zu wollen. Die Gründungsfeier fand am 21. März 1742 in der Aula des Gymnasiums statt. Im selben Jahr kaufte der Markgraf dann das Gebäude mit der Nummer 15 in der Friedrichstraße – heute erinnert eine goldgerahmte Tafel an der Hauswand an die erste Universität Bayreuths. Hier sollten die Professoren unter Leitung des französischen Leibarztes und Vertrauten der Wilhelmine, Daniel de Superville (1696 – 1773) ihre Lehrtätigkeit aufnehmen. De Superville hatte gemeinsam mit der Markgräfin die Gründung vorangetrieben.

31 junge Männer sollen es gewesen sein, die ihr Studium in den Fächern Theologie, Jurisprudenz, Medizin und Philosophie aufnahmen. Sie scheinen sich aber nicht nur mit ihren Büchern beschäftigt zu haben. Karsten Kühnel, Archivar der Universität, sagt: „Man hatte damals den Fehler gemacht, den Studenten das Tragen eines Degens erlaubt zu haben.“ Die Herren Studiosi waren allesamt Adelige aus der ehemaligen Ritterakademie. Und offensichtlich auf Ärger aus. Kühnel: „Es gab drei Parteien in der Stadt, die Studenten, das Militär und die Bürger. Alle hatten ihren Anteil daran, dass die Universität aufgelöst wurde.“

Die Studenten legten sich offenbar nicht nur mit den Soldaten an, sondern auch mit den Bürgern der Stadt. Es gab tätliche Auseinandersetzungen, dazu kam der Ärger über lautstarke Feiern der jungen Männer. Auch dass sich die Studiosi zu politischen Fragen äußerten, kam nicht überall gut an. Die Lage eskalierte, am 4. Juli 1743 war bereits wieder Schluss mit der universitären Lehre in Bayreuth. So schnell, wie er die Akademie gegründet hatte, so schnell schloss der Markgraf sie und verlegte die Universität nach Erlangen. Archivar Kühnel dazu: „Ich habe die Geschichte zunächst für eine Legende gehalten. Aber offensichtlich waren die Streitigkeiten doch nicht nur oberflächlich, sondern schwer genug, dass sie tatsächlich zur Schließung der Universität führten.“

Die Verlegung der Friedrichs-Akademie von Bayreuth nach Erlangen ist historisch belegt. Die „Academia Fridericiana“ sollte aber nicht als Vorläufer der heutigen Uni Bayreuth betrachtet werden, meint Karsten Kühnel: „Wenn schon, dann ist sie Ursprung der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen. Aber es hätte eine viel längere akademische Tradition in Bayreuth geben können.“

 

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