Waldkindergarten Auch im Wald gibt es Regeln

Es werden keine Äste abgebrochen, sondern nur welche vom Boden aufgehoben das ist eine der Regeln im Waldkindergarten. Foto: red/red

Ab September dieses Jahres soll am Veldensteiner Forst der Waldtierkindergarten in Betrieb gehen. Hier werden die Buben und Mädchen fit für die Schule gemacht.

Pegnitz - „Sind die Kinder wirklich den ganzen Tag draußen? Machen die da auch ihr Geschäft hin?“ – das sind die Fragen, mit denen Andreas Waidosch, Initiator des Waldtierkindergartens, der ab kommenden September am Veldensteiner Forst in Betrieb gehen soll, konfrontiert wird. „Ja, klar“, sagt er dann, die Kinder sind den ganzen Tag draußen. So wie wir früher auch. Und sie machen draußen auch ihr Geschäft. So wie wir früher auch.“

Es ist ein Herzensprojekt

Eigentlich ist es wie ein „Zurück zu den Wurzeln“, sagt der 42-Jährige, selber Vater von drei Jungs (4,5 und 11 Jahre). Bei dem Waldtierkindergarten wird es in einem Waldbauwagen eine Kompostiertoilette geben für die großen Angelegenheiten. Und dann noch im Wald eine Pinkelecke, die nicht bespielt wird, abgegrenzt durch einen Weidezaun. Das Personal kann die neue Toilettenanlage direkt am Wildgehege nutzen. Und wie ist es mit dem Händewaschen? „Es wird Edelstahlbecken geben, oben mit einem Frischwasserkanister, unten mit einem Abwasserkanister, der dann geleert wird“, sagt Waidosch. Für ihn ist dieser Waldtierkindergarten ein Herzensprojekt. Er liebt die Natur, das Draußensein, war als Schüler in einer reformpädagogischen Schule, sieht es als idealen Ausgleich seines Jobs als Marketingleiter in einem IT-Unternehmen. Seine Frau ist studierte Germanistin, hat als Altenpflegerin gearbeitet und macht jetzt eine Ausbildung zur Kinderpflegerin und ist von dem Waldkindergarten-Konzept überzeugt.

Ausgeprägtes Immunsystem

„Waldkindergartenkinder sind seltener krank, haben ein ausgeprägteres Immunsystem, weniger Unfälle, weil ihre motorischen Fähigkeiten besser sind, ebenso ist ihre Sinneswahrnehmung sehr gut“, zählt Waidosch auf. Sie können klettern, rennen und rummatschen, es wird einfach nicht langweilig, jeder Tag ist anders. Die Buben und Mädchen sind ausgeglichener und ausgelasteter, weniger durch Lärm gestresst, beschäftigen sich daheim gerne mit ihren Spielsachen, weil sie die ja den ganzen Tag nicht hatten. Und sie sind müder und gehen gerne ins Bett. „Familien mit kleineren Kindern empfehlen wir erst mal kürzere Buchungszeiten, weil es sonst zu anstrengend für sie werden kann.“ Ältere Kinder haben auch im Waldkindergarten die Möglichkeit zum Mittagsschlaf im Waldbauwagen oder einer Hängematte draußen.

Regeln werden wiederholt

Und die Kinder lernen im Waldkindergarten aus Regeln. Was man in den Wald mit rein nimmt, nimmt man auch wieder mit raus. Äste werden vom Boden aufgehoben und nicht vom Baum oder Busch abgebrochen. Es werden keine Beeren gepflückt, weil man nicht alle essen kann, manche auch giftig sind. Es wird nicht mit Stöcken gekämpft. „Daraus entwickelt sich eine Gruppendynamik und die Regeln müssen nur zu gegebenem Anlass wiederholt werden“, sagt Waidosch. Die Vorschulkinder bekommen Patenkinder und lernen so, Verantwortung für andere und die Natur zu übernehmen.

Fingerspiele und Lieder

Wie ist die Vorschularbeit im Waldkindergarten überhaupt, sind die Kinder dann fit für die Schule? „Ja“, sagt Waidosch, „auf jeden Fall. Es gibt halt nicht die sonst übliche Papierarbeit.“ Sie lernen die Formen in der Natur, zum Beispiel an Hand einer Astgabel oder durch Steine. Sie lernen das Nachbilden und Malen im Sand oder auf dem Waldboden. Die Sprache wird durch Fingerspiele und Lieder gefördert. „Der Waldkindergarten lässt nichts vermissen, was die Kinder in dem Alter brauchen“, so Waidosch weiter. Es werde viel über Tiere und Natur direkt vermittelt. „Und das ist besser, als eine indirekte Vermittlung, in dem nur von etwas erzählt wird.“ Es greife kognitiv wesentlich besser.

Materialien und Spielzeuge

Die unmittelbare Nähe zum Tiergehege ermögliche Tierbeobachtungen, das Lesen von Spuren und Fährten, das Erfahren von Geburt und Vergänglichkeit, Leben und Tod in den Familienverbänden. „Der Wald bietet fast alles, um Kompetenzen und Wissen in Musik, Mathematik, Ästhetik, Kunst und Kultur, Gesundheit, Sprache, Werteorientierung, aber auch Emotionalität und Konfliktbehandlung zu vermitteln, er bietet dafür Raum, Materialien und Spielzeuge“, erklärt Waidosch.

Essen mitbringen

Bei unvorhergesagtem Unwetter gibt es Unterstellmöglichkeiten direkt am Wildgehege, ansonsten sind alle bei jedem Wetter draußen. „Das einzig ‚Negative‘, was man nennen könnte, ist, dass die Eltern einen etwas höhere Aufwand haben“, sagt er. Essen muss mitgebracht werden, Warmes in Thermoboxen, denn es wird nicht gekocht oder Essen geliefert. Und die Kinder müssen witterungsgemäß angezogen sein. Betreut werden sie von einem dreiköpfigen Personal – Leitung, Erzieher und Kinderpfleger. Und es besteht die Möglichkeit der Elternbeteiligung, die aber nicht verpflichtend ist. Das kann Beteiligung bei den pädagogischen Angeboten oder eine Unterstützung in den Randzeiten sein. Aber auch Beteiligung bei separaten Aktionen ist möglich.

Info: Weitere Informationen sowie Anmeldung für einen der 20 Plätze im Waldkindergarten für Kinder ab drei Jahren gibt es unter der Telefonnummer 015161181622 oder unter waldkindergartenpegnitz.de.

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