Wahlkreis Kulmbach Emmi Zeulner wünscht sich „Jamaica“

Eine Zitterpartie war es für die bisherige Inhaberin des Direktmandats nicht gerade. Von Anfang an hat die 34-jährige Abgeordnete mit weitem Abstand geführt.

Blumen und Glückwünsche für den Wahlsieg von Emmi Zeulner (Mitte) kamen von Europaabgeordneter Monika Hohlmeier und dem Lichtenfelser CSU-Kreisvorsitzenden und Landrat Christian Meißner. Foto: Roger Martin

Kulmbach/Lichtenfels - Sorgen, dass sie ihr Direktmandat für den Bundestag möglicherweise verlieren könnte, musste sich Emmi Zeulner (CSU) nicht machen. Dass sie den Sitz im Parlament als die Direktkandidatin des Wahlkreises 240 Kulmbach auch diesmal verteidigen wird, war allgemein erwartet worden. Allerdings musste auch Emmi Zeulner, die bei ihrer ersten Wahl in den Bundestag im Jahr 2013 mit 56,91 Prozent das beste Erststimmenergebnis in ganz Oberfranken geholt hatte, diesmal Federn lassen. 47,78 Prozent sind es geworden. Es gab aber trotz der Einbrüche Grund zur Freude für die 34-Jährige. Mit weitem Abstand hat sie sich vor alle Herausforderer gesetzt. Emmi Zeulner wird den Wahlkreis Kulmbach auch in den kommenden vier Jahren wieder im Bundestag vertreten. Und sie konnte auch für sich persönlich noch etwas Freude dazugewinnen: Ihr Erststimmenergebnis lag mit deutlich mehr als zehn Prozentpunkten merklich über dem Zweitstimmenergebnis für ihre Partei (36,18 Prozent). Das zeigt, dass viele der gelernten Krankenschwester aus Lichtenfels ihr persönliches Vertrauen aussprachen, sich aber bei der Zweitstimme für eine andere Partei entschieden haben.

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In der Karolinenhöhe in Trieb im Landkreis Lichtenfels hatte Emmi Zeulner am Sonntagabend zur Wahlparty eingeladen. Rund 100 Anhänger hatten sich dort bereits versammelt, als sie kurz vor 19 Uhr zur Feier erschien. Noch längst war zu dieser Zeit nicht klar, wie die Union abschneiden wird und vor allem, wer in den kommenden vier Jahren den Kanzler stellt. Emmi Zeulner nahm es trotz aller Spannung spontan erst einmal gelassen. Sollte es für die Union nicht für eine Mehrheit reichen, müsse man deshalb nicht verzweifeln, sagte sie. „Man kann auch aus der Opposition als Angeordnete viel für seine Region erreichen.“ Doch dazu wollte sie am Abend noch kein abschließendes Urteil abgeben. Ihr wäre, wie sie sagt, „Jamaica“, unionsgeführt natürlich, am liebsten. Ob daraus etwas wird, müsse man nun erst sehen. Das werde dauern.

Dass sie von Anfang an mit Abstand vor allen Mitbewerbern lag, nahm Zeulner erfreut zur Kenntnis. „Ich freue mich natürlich, dass es ich so deutlich in Front liege.“ Das Ergebnis führt sie zum einen auf ihre engagierte Arbeit für die Region zurück, zum anderen habe sie im Wahlkampf mit ihrem Bus 80 Stationen angesteuert und so viel Basisarbeit betrieben. Zeulner gab sich trotz des Siegs bescheiden. Es sei ihr bewusst, dass ein solches Mandat nur eines auf Zeit ist. „Deswegen bin ich sehr dankbar für das Vertrauen und die Würdigung meiner Arbeit für die Heimat. Dass meine Arbeit bemerkt wurde, ist nicht selbstverständlich Deshalb bin ich unendlich dankbar.“ Die zehn Prozent Verlust im Vergleich zu ihren bisherigen Resultaten hätten sie nicht überrascht: „Der Bundestrend ist klar. Da kann ich mich nicht komplett abkoppeln.“

Was die herben Verluste der CSU angeht, übt Zeulner Kritik. Die Lehre müsse sein, dass Parteien sich ständig erneuern müssen, wenn sie bestehen wollen. „Das geht eben nicht, dass beispielsweise ein Politiker wie Wolfgang Schäuble oder andere Politiker seiner Generation die Union so dominant beeinflussen, dass Entscheidungen so fallen, wie sie vielleicht vor 50 Jahren gemacht wurden.“ So dürfe es nicht weitergehen. „Die Hinterzimmerpolitik zahlt sich nicht aus“, ist Emmi Zeulner überzeugt. Und sie ist sich auch sicher: „Mit einem Markus Söder hätten wir auf jeden Fall den Kanzler gestellt.“

Und noch eins wünscht sich die CSU-Politikerin: Mehr Tempo in der Politik. Es dauere viel zu lang, bis erkannte Probleme gelöst werden. Das sehe man auch beim Thema Pflege. Die Reformen, das gilt auch für die Rente, gehen ihr nicht weit genug.

CSU-Kreisvorsitzender Henry Schramm machte aus seiner Enttäuschung über das Wahlergebnis seiner Partei kein Geheimnis. Bei diesem Ergebnis könne man nicht zufrieden sein. Da helfe es auch nicht, wenn die CSU im deutschlandweiten Trend acht Prozent besser liege als ihre Schwesterpartei. Dass Rot-Rot-Grün verhindert werden konnte, sieht Schramm als Erfolg. Den Sozialdemokraten zollt er Respekt: „Die Strategie der SPD, nur noch Olaf Scholz prominent auftreten zu lassen, ist aufgegangen.“ Er hoffe, dass Armin Laschet zeigen kann, dass er ein guter Kanzler ist, sagte Schramm. „Dafür müssten aber die Koalitionsverhandlungen erfolgreich verlaufen. Das gilt es nun abzuwarten.“ Der erneut souverän gewählten Abgeordneten Emmi Zeulner gratuliert Schramm. „Sie hat einen vorbildlichen Wahlkampf gemacht und kann in ihrer Arbeit im Parlament auf tolle Erfolge verweisen.“