Wagner für Alle? Diskussion um Public Viewing der Festspiele

In Corona-Zeiten undenkbar: Impression von der Siemens-Festspielnacht auf dem Volksfestplatz. Foto: Archiv

Das waren noch Zeiten: Als tausende neugierige Besucher zum Volksfestplatz strömten, um sich unter freiem Himmel Übertragungen aus dem Festspielhaus anzuschauen. Viele Bayreuther haben die Siemens-Festspielnächte in bester Erinnerung. Ein SPD-Antrag lässt Erinnerungen wach werden.

Bayreuth -

Wie berichtet, hatte jüngst die SPD-Fraktion im Bayreuther Stadtrat angeregt, die Idee von „Wagner für Alle“ auch in diesem speziellen Corona-Jahr zu prüfen. Hintergrund sind die teilweise sehr aggressiv vorgetragenen Argumente gegen die Entscheidung, die Richard-Wagner-Festspiele stattfinden zu lassen. Mit der Idee, die Aufführungen vom Grünen Hügel einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, hoffen die Sozialdemokraten auf eine höhere Akzeptanz in der Bevölkerung für die Festspiele und die in diesem Jahr besonders hohen Zuschüsse.

Zustimmung

In der jüngsten Sitzung des Stadtrats zeigte sich, dass sehr viele Mitglieder des Gremiums den SPD-Antrag als sinnvoll erachten.

CSU-Fraktionsvorsitzender Stefan Specht sprach von einem „lobenswerten Antrag der SPD“, verwies allerdings auf die offenen finanziellen Fragen und den enormen technischen Aufwand. Die einstigen Festspielnächte seien ja selbst dem Sponsor Siemens zu teuer gewesen. Hingegen regte Specht an, die Möglichkeit zu prüfen, ob Aufführungen mit Hilfe einer Kabelverbindung auf den Wolfgang-Wagner-Platz beim Festspielhaus übertragen werden können. Dort müsste dann eine LED-Wand aufgebaut werden.

SPD-Fraktionsvorsitzender Thomas Bauske betonte, dass man mit einem Public Viewing zusätzlich Gäste nach Bayreuth locken könnte. Auf die bestmögliche Tonqualität komme es bei der Übertragung nicht an. „Entscheidend ist, dass wir überhaupt etwas anbieten“, sagte Bauske. Stefan Schlags (Die Grünen) forderte eine verbindliche Erklärung der Festspielleitung, die Übertragung zu ermöglichen, ohne dass Lizenzgebühren fällig würden.

Entgegenkommen der Festspielleitung gefordert

Auch Christoph Rabenstein (SPD) forderte: „Es muss ein Entgegenkommen der Festspielleitung vorhanden sein.“ Die Übertragungen bei der Siemens-Festspielnacht habe man sich auf dem Grünen Hügel teuer bezahlen lassen. „Das sollte jetzt nicht der Fall sein“, betonte Rabenstein. Er habe den Eindruck, dass in der Festspielleitung bisweilen die Haltung vorherrsche: Die Zuschüsse nehmen wir gerne, aber ansonsten machen wir, was wir wollen. „Das geht in dieser Situation nicht“, stellte Rabenstein klar.

Unterdessen will der Bund die Wagner-Festspiele in Bayreuth bei coronabedingten Mehrkosten weiter stützen. In diesem Jahr seien 4,1 Millionen Euro an Bundesmitteln eingeplant, hieß es am Freitag in Berlin. Darin enthalten sei neben dem regulären Zuschuss zusätzlich eine Million Euro für coronabedingte Mehrkosten. Darüber hinaus habe Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) den Festspielen weitere Mittel aus dem Programm „Neustart Kultur“ in Aussicht ge­stellt.

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