Hopfe mag Spinnen. So sehr, dass eine ganze Galerie von Spinnenbildern rings um ihren Schreibtisch im TAO-Gebäude hängt. Zusammen mit einer Freundin beschäftigt sie sich schon länger mit den Tieren, findet sie nicht nur interessant, sondern auch liebenswert. Besonders haben es ihr die Gesichter angetan: „Die sind schon putzig“, sagt sie und zeigt auf eine Nahaufnahme eines Spinnenkopfes. Nach ihrem Masterstudium in Leipzig ist für sie klar, dass sie zu Spinnen und Spinnenseide weiterforschen möchte. Sie entscheidet sich dafür, an der Uni Bayreuth zu promovieren, wo am Lehrstuhl Biomaterialien unter anderem das Thema Spinnenseide im Fokus steht.

Bis Oktober 2019 ist Hopfe für ihre Promotion auf Forschungsreise in Kolumbien: „Mein Thema ist Spinnenseide und welche Umweltbedingungen bestimmte Seideneigenschaften hervorbringen.“ Denn bisher sei noch nichts darüber bekannt, ob Temperaturen, Niederschläge und andere klimatische Faktoren die Evolution von Spinnenarten und ihrer Seideneigenschaften beeinflussen. Für ihre Forschungsarbeit ist sie unter anderem im Departamento Valle del Cauca, einer kolumbianischen Provinz unterwegs. „Kolumbien bietet sich an, weil die Biodiversität sehr groß ist und das Land sehr vielfältig. Es gibt Regenwälder, Wüste und die Anden“, sagt die 30-jährige Biologin.

Zusammen mit Forschern der kolumbianischen Universidad del Valle in Cali, ist die Doktorandin einige Zeit lang im Gebirge auf 3500 bis 3700 Metern Höhe, um dort Spinnen zu sammeln, die später in einem Labor der kolumbianischen Universität bestimmt werden. Unter dem Mikroskop schaut sich Hopfe die Tiere genauer an, vor allem die Geschlechtsteile liegen bei so einer Bestimmung im Fokus. Nur über diese lassen sich die verschiedenen Arten überhaupt unterscheiden. Zum Abgleich benutzen die Biologen unter anderem Zeichnungen der unterschiedlichen Spinnenarten.

Als Hopfe ein Tier aus der Gattung Ocrepeira genauer untersucht, wird ihr klar, dass sie es mit einer neuen Art zu tun hat, die bisher nicht genauer beschrieben ist. „Es gibt rund 48 000 Spinnenarten, es ist keine Seltenheit, dass Forscher neue entdecken. Aber für mich ging damit ein kleiner Traum in Erfüllung“, sagt Hopfe. Als Entdeckerin der neuen Art ist es auch sie, die den Namen bestimmen darf. Sie entscheidet sich für „Klamt“, dem Nachnamen ihrer ehemaligen Deutschlehrerin Ulrike Klamt. „Weil sie für mich ein Vorbild ist“, sagt die Forscherin. „Ich habe ihr vor kurzem Bescheid gegeben und sie hat sich sehr darüber gefreut.“ Übrigens gibt es auch für die Benennung neuer Arten Regeln: Nach sich selbst benennen darf man die Tiere nicht.

Die Exemplare der Art Ocrepeira klamt sind wandelbar, es gibt sie mit Rot-, Grün- und Türkisfärbung, die vor allem bei den männlichen Tieren gut zu sehen ist. Und sie hält einen Rekord: Sie ist die Art in der Gattung Ocrepeira, die bisher auf der höchsten Lage gefunden wurde.

Für Untersuchungen mit nach Deutschland reisen durften keine Spinnen der neuen Art, lediglich genetisches Material. Dafür gibt es Fotos der 15 Ocrepeira klamt-Spinnen, die Hopfe bei ihrem Kolumbien-Aufenthalt gesammelt hat.

Aber auch in Deutschland muss Charlotte Hopfe nicht auf ihre Lieblingstiere verzichten: Am Lehrstuhl für Biomaterialien gibt es einen ganzen Raum, in dem Spinnen verschiedenster Arten leben. Und auch die wollen versorgt werden. Von Spinnen als Haustiere hält sie aber nichts: „Spinnen leben am besten in ihrer natürlichen Umgebung, dort sollten sie auch bleiben.“