Während die halbe Stadt Fußball guckt, sind andere am Arbeiten Voller Einsatz statt Fußball-WM: Nicht jeder in Bayreuth sah Deutschland im Viertelfinale

Von Amelie Wollny

Ganz Bayreuth hat Freitagabend ab 18 Uhr bei der WM mitgefiebert! Ganz Bayreuth? 
Nein. Einige wenige haben – zum Großteil unfreiwillig, zum Teil ganz freiwillig – das Spiel verpasst. 
Was abseits des Public Viewings in der Stadt so los war.

 Foto: red

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Polizist Harald Stadter muss arbeiten. Er sorgte mit seinen Kollegen vor, während und nach dem Spiel dafür, dass in der Stadt alles reibungslos über die Bühne ging. Aber wenn er ganz ehrlich ist: Eigentlich hätte er natürlich lieber das Spiel in Ruhe mit Freunden geschaut. Von den fünf bisherigen Begegnungen mit deutscher Beteiligung hat der 37-Jährige zwei bei seinem Bekannten mitverfolgen können, die gegen Ghana und die USA. Bei den anderen war er im Einsatz, auch am Freitag, im Viertelfinale gegen die Franzosen. Vier Stunden vor Anpfiff sitzt Stadter in seinem Büro in der Polizeiinspektion Bayreuth-Stadt. Um 12 Uhr hat er seine Uniform angezogen, da fing sein Dienst an. Wie lange er arbeiten muss, weiß er auch zwei Stunden später noch nicht. „Heute werden wir nicht mehr fertig“, sagt er und lacht.

„Ich hätte weniger erwartet“, sagt Martina Hütter, Studentin und Bademeisterin im Kreuzsteinbad. Es ist 18.10 Uhr, und sowohl im Schwimmer- als auch im Wellenbecken tummeln sich Besucher. „Erstaunlich viele“, sagt Hütter. Hauptsächlich sind es Kinder und Mütter.

Normalerweise arbeiten freitags um 19.10 Uhr bis zu acht Kassiererinnen im Real im Industriegebiet.Normalerweise. Gestern waren es vier. „Es ist schon extrem wenig los“, sagt Sabine Nüssel (links). Sie hat sich extra auf die Kasse eins setzen lassen, „da hab’ ich einen guten Blick auf die Fernseher“. Eigentlich hätte sie lieber das Spiel richtig geschaut – ging aber nicht. Vor den Real-Fernsehern standen in Halbzeit eins die meisten Kunden. Nüssel und Kollegin Jutta Hacker kassieren derweil immer mal wieder ab – in aller Ruhe.


Gähnende Leere herrscht um 18.40 Uhr im Rotmain-Center zwar nicht – „im H&M aber schon“, sagt Tanja Dressel (links) und lacht. Mit Freundin Petra Ternes ist sie gezielt während des Spiels einkaufen gegangen, um in Ruhe nach einer Fliege für ihren Hund zu schauen. Die braucht er für eine Hochzeit.

Wenn keiner Hilfe braucht, linst Christiane Ring auf ihr Tablet, um das Spiel zu schauen. Hilfe braucht in der Stadtbibliothek gerade wirklich keiner. „Seit 16 Uhr hatte ich keine einzige Anfrage“, sagt die Mitarbeiterin. „Sonst melden sich in der Zeit mindestens zehn Leute bei mir.“

Fußball? Interessiert Samuel (3 Jahre), Bruder Simon (4 Jahre) und Cousine Leonie (10 Jahre, von links) so gar nicht. Papa Stefan (rechts) zum Glück auch nicht. Bis kurz vor sechs war auf dem Spielplatz am Röhrensee noch richtig was los – dann waren alle plötzlich weg. Ist das nicht langweilig, so ganz ohne andere Kinder? „Gar nicht“, sagt Leonie. Und spielt gleich weiter.

Freitagabend, 18 Uhr. Im Ehrenhof ist die Hölle los. So viele Menschen gab es dort schon lange nicht mehr. Wie die Bayreuther das Public Viewing zum Bürgerfeststart erlebt haben, lesen Sie hier.

Fussball WM 2014 - Thema - Nordbayerischer Kurier