Vorwürfe gegen die Cabriosol-Badegäste

Von Luisa Degenhardt

Ein Kind ertrinkt beinahe im Erlebnisbecken des Cabriosols. Es ist viel los an diesem Donnerstag der vergangenen Woche – doch keiner der Badegäste reagiert. Ein Bademeister ist nicht in Sicht. Als Franzi Kerling die Kleine im Wasser treiben sieht, zieht sie sie aus dem Wasser. Nun erhebt die 29-Jährige Vorwürfe, vor allem gegen die anderen Badbesucher.

Ein Kind ist beinahe im Erlebnisbecken des Cabriosol in Pegnitz ertrunken. Archivfoto: red Foto: red

„Es hat keiner reagiert. Das ist, was mich so maßlos geärgert hat. Man ruft um Hilfe und keiner hilft“, sagt Franzi Kerling. Als sie das vierjährige Mädchen – ihre eigene Tochter kennt das Mädchen aus dem Kindergarten – bewusstlos auf dem Wasser zieht, ist die Kleine kreideweiß, die Lippen dunkelblau.

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Stabile Seitenlage

Die 29-Jährige legte das Kind in die stabile Seitenlage, klopfte ihm auf Bauch und Rücken. „Dann hat sie schon angefangen zu husten und Wasser auszuspucken. Wenn ich ein paar Sekunden später gekommen wäre, wäre sie ersoffen.“ Franzi Kerling schätzt, dass 25 bis 30 Leute herumstanden, aber niemand hat reagiert. Vielleicht dachten sie, die Kleine taucht, so Kerling. „Doch spätestens nach ein paar Sekunden merkt man doch, dass da was nicht passt“, sagt sie. Der Vater des Mädchens war mit seiner Tochter im Schwimmbad.

Beim Schwimmerbecken

Als der Unfall passierte, war Franzi Kerling mit ihrem Sohn beim Schwimmerbecken. Eine Freundin beaufsichtigte Kerlings Tochter, die mit dem Mädchen spielte. Als Kerling wieder kam, waren die Mädchen verschwunden. Laut Kerlings Freundin waren sie kurz vorher noch da. Die beiden Frauen gingen zum Vater des Mädchens. Auch er wusste nicht, wo die Kinder sind. Dann sah Kerling ihre Tochter am Rand des Erlebnisbeckens stehen. Darin trieb das vierjährige Mädchen. Irgendjemand hat dann den Rettungsdienst gerufen, ein Bademeister war zu dem Zeitpunkt immer noch nicht da. Erst als der Notarzt eintraf, kam einer dazu.

Drei Bademeister

Dieser meinte zu Kerling, dass es ihm leid tue, man sei total unterbesetzt. Stimmt nicht, hieß es später bei der Polizei. Es waren drei Bademeister da. Nur war jeder mit etwas anderem beschäftigt. Roland Schmitt, Leiter der Polizeiinspektion Pegnitz, sagt, dass die Ermittlungen laufen. „Es wird wohl in die Richtung gehen, dass wir mit Anzeigen gegen die Verantwortlichen vorgehen.“ Das kann zum einen gegen den Vater des Kindes sein, der als Aufsichtsperson dabei war, und zum anderen gegen die Bademeister.

Aufsicht am Erlebnisbecken

Die sind nämlich auch verantwortlich, weil es sich um eine öffentliche Badeanstalt handelt. „Körperverletzung durch Unterlassen ist der Tatvorwurf, der am Ende der Ermittlungen stehen könnte“, so Schmitt. Er kann sich an keinen so schlimmen Badeunfall im Gebiet der Pegnitzer Polizei erinnern. „Glücklicherweise“. Franzi Kerling hält es für wichtig, dass ständig eine Aufsicht am Erlebnisbecken ist. Es müsse ja nur mal einer vom Gummihai auf ein Kind draufspringen. „Da kann wahnsinnig viel passieren.“

Zwar liegt die Aufsicht bei den Eltern, doch hier gehe es ums Prinzip. Ihrer Tochter hat Kerling erzählt, dass die Vierjährige auf die gelbe Rutsche klettern wollte, auf die man vom Beckenrand aus gelangt. Dann muss wohl jemand gegen sie gerutscht sein. Sie landete im Wasser und muss immer wieder versucht haben, aufzutauchen. Schwimmflügel hatte die Kleine nicht. Bleibende Schäden trägt es von dem Unglück offenbar nicht davon. Bürgermeister Uwe Raab nimmt auf Anfrage ebenfalls Stellung zu dem Badeunfall: „Ich darf aber auch meiner Freude darüber Ausdruck verleihen, dass das betreffende Kind wohlauf und unverletzt ist.“ Nun gehe es darum, den Vorfall zu rekonstruieren „und vor dem Hintergrund der elterlichen und der Aufsichtspflicht der Bademeister zu bewerten“. Die Stadt will darüber noch ausführlich mit dem Badepersonal, das an dem Tag im Einsatz war, sprechen. Laut Bürgermeister Raab gab es einen solchen Unfall im Cabriosol bisher noch nicht.