Vortrag in Selb Von Raunächten und Apfelbaumschütteln

red.
Mit lustigen Anekdoten unterhielt Adrian Roßner seine Zuhörer. Foto: pr.

Über Irrlehren und die „Schwarze Kunst“ erzählte Adrian Roßner kürzlich in Selb. Auch mit den vielen Bräuchen aus der Region kennt er sich aus.

Warum soll man zwischen Weihnachten und Neujahr keine Wäsche aufhängen? Diese und noch viele weitere Fragen zur „Schwarzen Kunst“ beantwortete Adrian Roßner den Gästen beim Verein SelbKultur. Über 50 Besucher erlebten dort am Freitagabend einen Vortrag in bester fränkischer Mundart. Adrian Roßner ist nach seinem Studium der fränkischen Landesgeschichte vielseitig tätig und versteht es, das Fichtelgebirge und die umliegenden Regionen nach außen zu präsentieren. Bereits über 50 „Gschichtla“ wurden in der BR-Mediathek veröffentlicht und führen den Zuschauern die geschichtliche Vielfalt und Schönheit der Region vor Augen.

Roßner nahm seine Zuhörer zunächst mit in das elfte Jahrhundert, die Zeit der Besiedlung des Fichtelgebirges, um tiefgründige Wurzeln des Aberglaubens zu erläutern. Seine These zum Ursprung dieser „Irrlehren“ sei der Widerspruch zwischen der Jagd des Menschen nach Wissensgewinn und der Angst vor dem Unbekannten. Sobald die Angst überwiege, suche der Mensch nach Erklärungen oder lege sich Regeln für unsichere Situationen zurecht . Diese Bräuche konnten früher Halt und Sicherheit geben oder beschworen Unheil herauf.

Anschaulich beschrieb er die Zeit des frühen 20. Jahrhunderts, als es noch viele Situationen gab, die Menschen ängstigten. Die dunklen ausgedehnten Wälder und monumentalen Steinformationen ließen die Menschen im Fichtelgebirge an weit über 100 Sagengestalten glauben, wogegen die städtische Bevölkerung einen viel geringeren Sagenschatz aufzuweisen hatte.

Anhand vieler Anekdoten konnte Adrian Roßner dann die Bräuche und Regeln im Leben eines Menschen von der Geburt bis zum Tod aufzählen. Dass die Verantwortung eines Taufpaten sogar sein Verhalten am Tag der Taufe beträfe, war vermutlich für die meisten Zuhörer neu. So dürfe sich dieser vor der Taufe nicht setzen, nichts essen oder trinken und müsse sich sogar den Inhalt der Taufpredigt merken, damit der Täufling intelligent werde und ein erfolgreiches Leben führen könne.

Besonders erheiterte die Schilderung der Bräuche rund um das Liebeswerben und die Hochzeit, wobei viele Stolperfallen auf dem Weg in eine glückliche Ehe zu umgehen waren. Beispielsweise durfte der Weg zur Kirche nie an einem offenen Grab vorbeiführen – es sei denn, ein Lebender legte sich vorübergehend hinein. Einen Hinweis auf die Herkunft eines Zukünftigen konnte man in der Andreasnacht (30. November) erhalten, wenn nach dem Schütteln eines Apfelbaumes Hundegebell aus dieser Richtung ertönte.

Beim Umgang mit Sterbenden und Toten führten wichtige Regeln zur Gewissheit, dass der Verstorbene im Jenseits ankomme und dort seine ewige Ruhe finde. Wenn ihm dies nicht gelänge, könne er sich in den Raunächten zwischen Weihnachten und Neujahr – der Zeit des „Vergehens und Werdens“ – ins Diesseits zurückverirren und sich in den aufgehängten Wäschestücken verheddern. Womit nun die anfangs gestellte Frage geklärt wäre. Mit einem historischen Haussegen des Feilenhauers von Weißdorf und einem „Gschichtla – über die Urne vom Heiner“ beendete Adrian Roßner seinen Vortrag.

 

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