Vorschlagsliste Hier könnten in Weidenberg neue Windräder kommen

Der Marktgemeinderat Weidenberg beschließt eine Vorschlagsliste an den Regionalen Planungsverband. Zuvor debattiert er staatstragend über Sinn und Nebenwirkungen erneuerbarer Energien.

Sechs Gebiete für mögliche Windkraftanlagen wurden im Gemeinderat Weidenberg vorgestellt. Foto: Marktgemeinde Weidenberg

Die einen halten Stromerzeugung mittels Windkraft für einen Segen in der Energiekrise, die anderen für einen viel zu hoch gelobten Trend mit schlimmen Nebenwirkungen. So breit ist die Meinungsvielfalt am Montagabend (5. Dezember 2022), als es im Marktgemeinderat darum geht, wo in ein paar Jahren Windräder gebaut werden könnten.

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Anlass ist eine Anfrage des Regionalen Planungsverbandes Oberfranken-Ost. Er hat Weidenberg und viele andere Kommunen gebeten, Vorschläge einzureichen. Hintergrund: Im Zuge gesetzlicher Änderungen auf Bundes- und Landesebene – etwa der Lockerung der 10H-Abstandsregel zu Siedlungen – sollen mehr Windräder gebaut werden. So zumindest der Wunsch.

Die Entscheidungsgewalt haben andere

„Was wir heute einreichen, hat aber keine durchschlagende Wirkung“, betont Bürgermeister Hans Wittauer (FWG). Die Entscheidung liegt beim Regionalen Planungsverband, einer 1973 eingeführten Körperschaft des öffentlichen Rechts. Oberfranken-Ost, eine von 18 bayerischen Planungsregionen, umfasst die kreisfreien Städte Bayreuth und Hof sowie die 99 Kommunen der Landkreise Bayreuth, Kulmbach, Hof und Wunsiedel und die Stadt Waldershof im oberpfälzischen Kreis Tirschenreuth. Verbandsvorsitzender ist Oliver Bär (Landrat Hof/CSU), Stellvertreter sind Klaus Peter Söllner (Landrat Kulmbach/FW) und Michael Schreier (Bürgermeister Bischofsgrün/SPD).

„Die Flächen, die wir melden, kommen sicher unter die Lupe. Andere Flächen werden aber bestimmt auch geprüft“, sagt der Weidenberger Geschäftsstellenleiter Klaus Bauer. „Ich bin ja schon froh, dass der Planungsverband überhaupt fragt. Vor 20 Jahren wurden FFH-Gebiete ausgewiesen ohne zu fragen.“ Bauer betont: „Bauleitplaner der Anlagen ist am Ende die Kommune.“

Sechs Gebiete wurden vorgeschlagen

Für die Sitzung am Montag sollten die Fraktionen und Gruppierungen Vorschläge einreichen. Sechs Gebiete kamen dabei heraus (siehe Karte oben): der Höhenweg Bocksleite (Vorschlag UW und FWG), das Waldgebiet Pensen (CSU, SPD und FWG), das Gebiet Ochsenhut an der B 22 bei Lehen (FWG), der Sophienthaler Forst sowie die Waldgebiete Kattersreuth und Gossenreuth (jeweils SPD).

Stefan Lauterbach, Weidenberger Bauamtsleiter, hat sie geprüft. Trotz aufgeweichter 10H-Regel müssen sie gewisse Abstände zur Bebauung einhalten, die Windstärke muss hoch genug sein und sie dürfen nicht im Wasserschutzgebiet liegen. Landschaftsschutzgebiete würden nicht bevorzugt, seien aber nicht mehr ausgeschlossen. „Alle Gebiete sind möglich, keine K.-o.-Kriterien“, sagt Lauterbach. Auch die nördlichen Gebiete, die teilweise Landschaftsschutzgebiete und zum Großteil Besitz der Staatsforsten sind. Hermann Hiery (FDP) ist im Fall des Höhenwegs Bocksleite anderer Meinung. Er erinnert: Vor einigen Jahren gab es dort schon eine Anfrage aus der Bürgerschaft auf Errichtung von Windrädern. „Damals ist es vom Landratsamt abgelehnt worden. Ich kann nicht erkennen, warum das hier reinkommen sollte.“ Gegenrede von Bürgermeister Wittauer: „Inzwischen sind gewisse Kriterien überholt. Der Windertrag ist dort auf jeden Fall erfüllt, die anderen Kriterien muss der Planungsverband prüfen. Ich finde, man sollte das mit auf die Reise schicken.“

Einer hat grundsätzliche Bedenken

Grundsätzliche Bedenken äußert Jürgen Raab (UW), von Beruf Landwirt. Er sagt: Wo Windräder stehen, fällt weniger Regen, beruft sich auf Studien aus den USA. „Ich weiß nicht, ob ich recht habe. Aber mein Gefühl zeigt es. Schnabelwaid war immer total nass, jetzt zählt es zu den trockensten Orten im Landkreis.“ Raab findet: „Wir profitieren von dem bisschen Windstrom nicht genug, um so viel Zerstörung von Umwelt und Tierwelt zu rechtfertigen.“ Während Bürgermeister Wittauer ihm teilweise zustimmt („Untersuchungen werden totgeschwiegen“), widerspricht Martin Lochmüller (BF) grundlegend: „Wenn man seriöse Wissenschaftler liest, ist das nicht haltbar und in den Bereich der Verschwörungstheorien einzuordnen.“

SPD-Fraktionsvorsitzender und Dritter Bürgermeister Matthias Böhner macht indes Werbung für Windkraft – und erinnert an einen SPD-Antrag aus dem Juli, in dem ein Konzept für mehr Energiemix in Weidenberg gefordert wird. „Meine Vision ist, dass wir für den Markt Weidenberg etwas generieren. Es wäre ein Standortvorteil für die Gemeinde, wenn wir eigene Energie erzeugen.“ Unterstützung von Cornelia Angerer-Daum (CSU): „Viele Bürger haben Interesse. Weidenberg war bisher zu langsam.“ Auch Klaus Trautner, der eine andere Meinung als UW-Kollege Raab hat, nennt Windkraft „Wertschöpfung für die Kommune“.

Mehrheit will Windenergie

Am Ende steht eine Mehrheit für alle sechs Gebiete. Raab ist immer dagegen, andere nur gegen einzelne. Die meisten Gegenstimmen gibt es bei 16 anwesenden Räten für das Waldgebiet Kattersreuth (vier) und den Höhenweg Bocksleite (sechs).