Vorbildliches Ehrenamt Gelassener durch den Alltag

Monika Müller mit ihrer Handpuppe Lucie. „Sie kann lachen, traurig sein, Nase bohren und noch viel mehr“, zählt die ehrenamtliche Hospizbegleiterin. Dadurch bekomme sie oft einen Zugang zu den Kindern. Foto:  

Monika Müller war unzufrieden, wie Pflegekräfte Sterbende im Krankenhaus begleiten können. „Das war mir zu wenig“, begründet die 59-jährige Kinderkrankenschwester ihren Entschluss, die Hospizbegleiterqualifizierung zu machen. Die Pegnitzerin ist außerdem Stillberaterin, bietet Babymassagen und Wasserflohkurse an.

Pegnitz - „Es muss noch andere Wege geben, sterbende Menschen in dieser außergewöhnlichen Situation zu begleiten“, habe sie sich damals gesagt. „Was soll ich sagen? Wie gehe ich mit Angehörigen um?“ Diese Fragen hätten sie im Berufsalltag regelrecht gequält. Hier hatte sie mit Totgeburten und Sterbefällen jeden Alters zu tun. Die Fragen seien geblieben. Ausschlaggebend sei zudem der Tod des eigenen Vaters gewesen.

Seit 2014 für den Hospizverein unterwegs

Monika Müller machte sich auf den Weg und betont, dass die Familie immer hinter ihr gestanden sei und noch stehe. 2014 begann sie, die Hospizbegleiterkurse des Hospizvereins Bayreuth zu belegen. In verschiedenen Modulen und Wochenendseminaren absolvierte sie den anspruchsvollen Grund- und Aufbaukurs. 2016 bildete sie sich auch in der Kinderhospizbegleitung weiter. Seit dieser Zeit arbeitet sie für den Hospizverein Bayreuth ehrenamtlich im Gebiet um Pegnitz und Plech. „Jede Begleitung ist anders. Manchmal bin ich nur für die Sterbenden da, oft aber auch für die Angehörigen. Ich komme in die Familien und wir besprechen gemeinsam, wie ich mich einbringen kann.“

Wenn ein Kind sterbe, sei die Situation noch mal eine andere. Oft seien Geschwisterkinder da, mit denen sie sich beschäftige. „Die kommen in dieser Ausnahmesituation häufig zu kurz.“ Oft wird Monika Müller dabei mit Fragen konfrontiert. Warum darf das Kind nicht älter werden? Warum haben wir ein krankes Kind? „Auf diese Fragen gebe es keine Standardantworten. „Es gibt keine Antwort auf das Warum. Das versuche ich auch den Eltern zu vermitteln. Es ist einfach nur wichtig, dass ich da bin und unterstütze“, erklärt sie ihren Hospizalltag.

In dieser Phase des Lebens hätten die Eltern oft wenig Zeit für die Geschwisterkinder. Dann hilft Monika Müller. „Wichtig ist, dass man die Geschwister entsprechend ihres Alters einbindet, sie gegebenenfalls etwas machen lässt und sie mit in das Abschiednehmen einbezieht“, erzählt die feinfühlige Frau. „Sie können zum Beispiel für ihr todkrankes Geschwister etwas gestalten oder eine Kiste mit Erinnerungsstücken packen. Manchmal ist es aber auch nur ein Besuch auf dem Spielplatz, der den Kindern einen Moment der Normalität ermöglicht.“ Dann komme auch mal Lucie ins Spiel. Lucie ist eine Handpuppe, die die Schwellenangst nehmen könne. „Sie kann lachen, traurig sein, Nase bohren und noch viel mehr“, zählt Monika Müller auf. Oft bekommt die Hospizbegleiterin dadurch einen Zugang zu den Kindern. Jede Begleitung sei anders.

Neben Kindern begleitet sie auch Menschen in der Palliativstation, in Seniorenheimen oder zuhause in der letzten Lebensphase. Das bringe ihr auch persönlich sehr viel. „Für mich ist der Tod nichts, das man totschweigen muss. Auch das Sterben des eigenen Vaters konnte ich so besser verarbeiten“, gesteht sie. „Heute weiß ich, dass man sich Hilfe holen kann, um einen sterbenden Menschen bestmöglich zu begleiten.“ Auf die Möglichkeit einer Hospizbegleitung weise sie deshalb auch manchmal die Angehörigen im Krankenhaus hin.

Bei den Begleitungen von Sterbenden und mit deren Angehörigen seien eine Reihe guter und berührender Gespräche entstanden. „Für viele war es beruhigend, wenn ich mich zu ihnen ans Bett setzte und einfach nur da war“, erzählt Monika Müller. „Die Sterbenden merken, wenn jemand für sie da ist. Durch meine Anwesenheit hatte ich immer das Gefühl, auch den Angehörigen etwas Gutes zu tun“, sagt die engagierte Kinderkrankenschwester. „Ich begleite die Menschen in einem gewissen Zeitraum – so lange sie es brauchen.“ Mit dem Tod endet die Hospizbegleitung. Wenn Monika Müller merkt, dass noch weitergehende Hilfe nötig ist, verweist sie die Hinterbliebenen auf die Kontakte zu professionellen Trauerbegleitern, die es auch beim Hospizverein Bayreuth gibt.

„Ich arbeite in einem helfenden Beruf und wollte die Hospizarbeit unbedingt machen“, betont sie. Was für sie selbstverständlich ist, ist für manche Menschen undenkbar. So wird Monika Müller ab und zu gefragt: „Dass du das machen kannst. Das könnte ich nicht.“ Der Tod werde meist verdrängt. „Aber ab einem gewissen Alter rücken das Sterben und der Tod schon etwas näher. Die eigenen Eltern sterben. Das macht vielen Menschen Angst und sie verdrängen es.“

Im Hospizverein Bayreuth sind derzeit circa 75 ehrenamtliche Hospizbegleiter tätig. Ohne dieses Ehrenamt gäbe es keine Hospizarbeit. Die Hospizbegleiter kommen aus den unterschiedlichsten Berufsbereichen und Altersgruppen. Jährlich werden neue Hospizbegleiter qualifiziert. Seminare, Vorträge, Weiterbildungen und Supervisionen unterstützen die verantwortungsvolle Arbeit. „Für mich war es die richtige Entscheidung. Meine berufliche Tätigkeit erlaubt mir das Engagement in diesem Ehrenamt und es gibt mir auch selbstverständlich persönlich sehr viel. Eigene Probleme sehe ich nun aus einem anderen Blickwinkel. Die Hospizarbeit hat mich im Alltag gelassener gemacht“, gesteht die 59-Jährige. „Ich bin mir bewusst, dass es mir gut geht. Das macht mich auch dankbar für alles, was ich selbst habe.“

In ihrer Freizeit liest sie gerne Bücher über Schicksale, nimmt daran teil und macht sich Gedanken darüber. „Da ich noch berufstätig bin, arbeite ich in der Hospizarbeit noch mit angezogener Handbremse – doch wenn ich in Rente bin, möchte ich mich noch mehr einbringen“, ist sich die Pegnitzerin sicher.

 

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