Vor vier Jahren übernahm Peter Piroska den Gasthof seines Vaters Im "Piroska Csarda" in Neudrossenfeld gibt's ungarische Spezialitäten

Von Sarah Bernhard

Wissenschaftler, Wirte, Politiker und Verbandsvertreter haben sich überlegt, wie die fränkischen Wirtshäuser zukunftssicher werden können. In einer Serie sprechen wir mit Wirten aus der Region darüber, wie gut diese Ideen sind. Heute mit Peter Piroska vom "Piroska Csarda" in Neudrossenfeld. Seine These: Es kommt auf das Gesamtpaket an.

Schon mit 13 Jahren schenke Peter Piroska Bier aus, vor vier Jahren übernahm er den ehemaligen Gasthof seiner Eltern. Foto: Sarah Bernhard Foto: red

Das "Piroska Csarda" in Jöslein gibt es schon so lange, dass das ungarische Restaurant zu Neudrossenfeld quasi dazugehört. Peter Piroska (35) hat dort seine Jugend verbracht – und kam nach seinem Studium der Agrarwissenschaften wieder dorthin zurück, um das Gasthaus, das von 1994 bis 2004 seinen Eltern gehörte, zu übernehmen.

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2011 war das, seitdem hat er sich mit ungarischen Gerichten und dem weiterhin jährlich stattfindenden ungarischen Volkskunstmarkt einen Namen gemacht. Beim Gespräch über zehn Punkte zur Rettung der fränkischen Wirtshäuser ärgert ihn vor allem, dass jeder, der drei Würstchen gekauft hat, Gastronom werden kann.

 

Extravagante Gerichte

Peter Piroska: „Wir haben viele ungarische Gerichte auf der Karte, zum Beispiel Racponty, also Karpfenfilet in würzigem Paprikamehl, dazu gibt es Kartoffeln, selbstgemachten Speck und Sauerrahm-Creme. Ungarisches Essen ist gehaltvoll und würzig, das kommt den Franken ja entgegen. Manche Leute kommen aber und erwarten Dinge wie Manjok-Wurzeln oder Krokodilfleisch, aber Ungarn liegt doch auch in Europa. Wir benutzen die gleichen Zutaten und Gewürze, der Unterschied liegt vor allem daran, wie wir sie einsetzen. Ansonsten machen wir viel Buffet-Aktionen, die Leute mögen das im Moment.“

 

Unterhaltungsmöglichkeiten

Piroska: „Wir haben einen großen Spielplatz, ansonsten soll die Natur überzeugen. Der Limmersdorfer Forst ist gleich nebenan, viele Leute nutzen das auch und gehen nach dem Essen noch eine Weile spazieren.“

(Musik)Veranstaltungen

Piroska: „Wir haben wiederkehrende Aktionen, zum Beispiel bieten wir an jedem letzten Mittwoch im Monat Langos und es gibt den Vielfraß-Donnerstag. Und natürlich gibt es den Volkskunstmarkt immer vier Tage ab Christi Himmelfahrt. Da verkaufen Handwerker ihre Waren und aus Budapest kommt extra eine Zigeuner-Musikgruppe. Das sind Freunde von uns. Während der Festspiele kommen sie nochmal.“

W-Lan

Piroska: „Das hatten wir am Anfang, aber dann hat man mich über die rechtliche Situation aufgeklärt und ich habe es abgeschaltet. Außerdem sollen sich die Gäste aufs Essen konzentrieren.“

Online-Werbung

Piroska: „Wir machen sehr viel mehr Werbung als mein Vater früher. Unsere Homepage und die Facebook-Seite sind tagesaktuell, auch, weil wir eine wöchentlich wechselnde Karte haben. Vielleicht ist deshalb unser Publikum etwas jünger, als es noch bei meinem Vater war.“

Zusammenarbeit mit der Kirche

Piroska: „Die gibt es eigentlich nicht. Aber der evangelische Pfarrer ist Stammgast bei uns.“

Gemeinsamer Mindest-Bierpreis

Piroska: „Ich denke nicht, dass uns das vorwärts bringt. Der Bierpreis ist nur ein Faktor unter vielen, tatsächlich geht es darum, dass das Paket passt. Jeder muss an seinem Standort sein eigenes Konzept finden. Ich setze auf Qualität,  frische Zutaten und einen lustigen Wirt.“

Absprachen mit Vereinen

Piroska: „Die Vereine kommen oft zu Besprechungen und Festen zu mir, da findet ein reger Verkehr statt. In dieser Richtung habe ich also kein Problem.“

Bessere Ausbildung

Piroska: „Ein Elektriker braucht einen Meister, um sich selbstständig zu machen. Wirte müssen einen Dreivierteltag zur Schulung, dann kaufen sie ein paar Würstchen und machen ein Lokal auf. Ich selbst habe auch keine gastronomische Ausbildung, aber in meiner Küche stehen zwei ausgebildete Köche. Ich finde, es müsste vorgeschrieben werden, dass zumindest ein Mitarbeiter eine gastronomische Ausbildung hat, damit ein gewisser Hygienestandard gewährleistet ist. In Ungarn sind die Standards viel höher, da wird man nur mit Leidenschaft Wirt. Dann könnte man sich auch diese ganzen Schulungen sparen, die man jährlich machen muss, zum Beispiel zur Hygiene. Ein Elektriker bekommt doch auch nicht jedes Jahr gesagt, dass es Plus- und Minusanschlüsse gibt.“

Bürokratie-Abbau

Piroska: „Es muss Regelungen geben, deswegen verstehe ich den bürokratischen Aufwand schon. Aber man müsste ihn vereinfachen, insbesondere, weil vieles sehr schwammig ist. Am Anfang hieß es, man muss die Arbeitszeit-Listen unterschreiben, jetzt muss man das doch nicht mehr. Am Anfang mussten sie tagesaktuell sein, jetzt hat man eine Woche Zeit. Das ist nervig.“

Und zum Schluss: Ist das Piroska Csarda zukunftssicher?

Piroska: „Das weiß ich nicht, wir sind ja noch in der Etablierungsphase. Ein Problem ist, dass sich das Publikum sehr stark auf Feiertage, Wochenenden und bestimmte Wochen konzentriert. Das zu kalkulieren ist schwierig. Außerdem müssen wir schauen, ob die ganzen All-you-can-eat-Sachen uns auf dem Land das Wasser abgraben. Auch von der anderen Seite bekommen wir Druck: Mit den inhabergeführten Gasthäusern der Fränkischen Schweiz können wir preislich nicht mithalten. Aber wir haben viele treue Stammgäste, deshalb blicke ich optimistisch in die Zukunft.“

Das "Piroska Csarda"

Sitzplätze: 60 innen, 100 außen

Bier: Schnupp (Altdrossenfeld)

Preis für ein Seidla: 2,50 Euro

Klientel: bunt gemischt

Über die zehn Punkte zur Rettung der fränkischen Wirtshäuser haben bereits Kathrin und Wolfgang Sponsel vom Gasthof "Zur alten Eisenbahn" in Wadendorf sowie Daniela Böttger vom "Waldrasthaus Karches" in Bischofsgrün mit uns gesprochen.