Vor letzter Aufführung Festspiele zum Anfassen

BAYREUTH. Endspurt bei den Bayreuther Festspielen: am Montag gab’s den letzten „Parsifal“, an diesem Mittwoch steht zum letzten Mal „Tristan und Isolde“ in der Inszenierung von Katharina Wagner auf dem Spielplan. Und am Samstag konnten die Besucher in den „Meistersingern“ einen Meister-Einspringer erleben.

„Parsifal“: 26 Vorhänge und 15 Minuten Applaus – so lautet die Bilanz nach der „Parsifal“-Aufführung am Montag im Festspielhaus. An diesem Tag stand das Bühnenweihfestspiel in der Inszenierung von Uwe Eric Laufenberg zum letzten Mal auf dem Spielplan der Festspiele. Vier Jahre lang hat sich die Produktion aus dem Jahr 2016 im Repertoire gehalten, die vor allem im Premierenjahr in zweifacher Hinsicht für Schlagzeilen sorgte.

Zum einen hatte der vorgesehene Dirigent Andris Nelsons wenige Wochen vor Festspielbeginn völlig überraschend das Staberl hingeschmissen, so dass Hartmut Haenchen nicht minder überraschend zu seinem Bayreuth-Debüt kam. Der aus Dresden stammende Dirigent sah sich einer, wenn man so will, historisch informierten Aufführungspraxis verpflichtet, der eine akribische Quellenarbeit zugrunde liegt. Für sein Dirigat wurde Haenchen in einer Kritikerumfrage zum „Dirigenten des Jahres“ gewählt.
Für Schlagzeilen in ganz anderer Hinsicht sorgte diese Produktion schon vor der Premiere, da plötzlich das Gerücht einer möglicherweise „islamfeindlichen Inszenierung“ die Runde machte – was sich dann allerdings als haltlos erwies. Dennoch: Diese Diskussion sei in gewisser Weise Mitauslöser für das erweiterte Sicherheitskonzept der Festspiele gewesen, wie Pressesprecher Peter Emmerich sagt. Die Folge: Taschenkontrollen, die Sperrung der Allee für den Verkehr, eine veränderte Zufahrt und erhöhte Polizeipräsenz. Verbürgt ist auch der kuriose Vorfall, dass der „Parsifal“-Sänger Klaus Florian Vogt im Opernkostüm von der Polizei abgeführt wurde.

Pause im „Tannhäuser“: Am Sonntag waren all diejenigen Bayreuther noch einmal auf ihre Kosten gekommen, die sich für das Geschehen rund um den Grünen Hügel zwar interessieren, aber nicht unbedingt einen halben Tag im Festspielhaus verbringen möchten. Die Pausenshow am Teich im Festspielpark nach dem ersten Aufzug im „Tannhäuser“ ist Teil der Inszenierung des Regisseurs Tobias Kratzer und lockte an diesem Sonntagnachmittag eine Besucherschar im niedrigen dreistelligen Bereich an das Gewässer. Festspiele zum Anfassen sozusagen. „Come closer“, lautete denn auch die Aufforderung der Dragqueen Le Gateau Chocolat an die Besucher, die hier unter anderem den 30er-Jahre-Song „Smile“ und die Hallen-Arie der Elisabeth mit abgedunkelter, männlich-kerniger Stimme zu hören bekamen. Die Stimmung war entspannt. Interessierte Bayreuther und Festspielgäste im Anzug standen dicht an dicht und genossen das Spektakel. Neben Le Gateau Chocolat waren auch der Oskar-Darsteller Manni Laudenbach und die Venus der Aufführung, Elena Zhidkova, zu erleben.

„Meistersinger“: Bekanntlich hat Johannes Martin Kränzle als Beckmesser in der aktuellen „Meistersinger“-Produktion Maßstäbe gesetzt. So war es zunächst enttäuschend für die Besucher der Aufführung am Samstag im Festspielhaus, als Sprecher Peter Emmerich vor den Vorhang trat und krankheitsbedingt eine Umbesetzung in der Rolle des Merkers ankündigte. Vom Publikum gab’s ermunternden Beifall für den Einspringer, schließlich weiß das Wagner-Publikum um die enormen Anforderungen dieser Partie, zumal in dieser besonders ausgefeilten Inszenierung von Barrie Kosky. Wie zu erfahren war, hatte Martin Gantner kaum mehr als ein Tag für szenische Proben zur Verfügung gestanden. Umso überraschender das Ergebnis: Auch wenn er – was nun wirklich nicht zu erwarten war – Kränzles Fußstapfen nicht komplett ausfüllen konnte, so fügte sich der aus Freiburg stammende Sänger doch nahtlos in die Inszenierung ein. Ein Meister-Einspringer eben.

„Tristan“: Heute ist Schluss: Zum letzten Mal steht an diesem Mittwoch Katharina Wagners Inszenierung von „Tristan und Isolde“ auf dem Spielplan. Auch im fünften Jahr zeichnet sich die Besetzung durch hohe Konstanz aus: Es singt der Premieren-Tristan Stephen Gould, am Pult des Festspielorchesters steht, wie in allen Jahren seit 2015, Christian Thielemann.

 

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