Wenn man in die Münzgasse schaut mit dem Iwalewahaus auf der einen Seite, der frisch restaurierten Synagoge auf der anderen und auf der Ecke dem Redoutenhaus, das mit dem Weltkulturerbe zusammengewachsen ist. Wer sich nach rechts umdreht, schaut hinauf zur Schlosskirche, die wiederum das Alte Schloss im Rücken hat. Kaum vorstellbar, dass die Pracht auf einem Gelände steht, das einmal nicht mittendrin in der Stadt war, sondern vor den Mauern lag.

Das spannende Graben in der Geschichte

Es ist spannend, in der Geschichte Bayreuths zu graben. Zu versuchen, die Fäden der Vergangenheit zu greifen. Denn es sind vergleichsweise kurze Stückchen. "Über viel muss die Archäologie Auskunft geben. Unterlagen über die Stadtgeschichte sind im Stadtarchiv wegen des Hussitensturms von 1430 nur in Ausnahmefällen vorhanden", sagt Norbert Hübsch, der Geschäftsführer des Historischen Vereins, der sich für den Kurier auf Spurensuche in der Opernstraße begeben hat. Dazu kommt, sagt Hübsch, dass "nur etwa fünf Prozent der Archivbestände des Markgraftums aus dem geheimen Hausarchiv und dem Archiv der Plassenburg ins Staatsarchiv gelangt sind. Der Rest ist wohl als Altpapier verwertet worden."

Der Archäologe findet seine Quellen im Boden

Auf Papier braucht Hartmut Endres nicht zu warten. Der Archäologe, der seit vielen Jahren die Bauarbeiten in der Fußgängerzone - auch in der Opernstraße - durch seine archäologischen Voruntersuchungen und Grabungen begleitet hat, findet seine Quellen im Boden. Wie Endres im Gespräch mit unserer Zeitung sagt, "sind die Schriftquellen für die Zeit vor der Errichtung des Opernhauses nicht sonderlich ergiebig". Aber auch für den Bau selber gibt es, wie Hübsch sagt, wenige Unterlagen. Was Endres aber bei den archäologischen Grabungen gefunden hat, spricht dafür tatsächlich Bände. Bevor das Opernhaus gebaut wurde, gab es eine Vorläuferbebauung. Natürlich nicht in kulturell-künstlerischer Hinsicht, sondern in ganz anderer: "Mit Beginn des 15. Jahrhunderts müssen dort schon die ersten Fachwerkhäuser gestanden haben", sagt Endres. Man vermutet eine Handwerkersiedlung vor den Toren und dem Graben der Stadt. Eine Siedlung, der kein langer Bestand beschieden gewesen sein muss, denn: Sie ist drei Mal abgebrannt", sagt Endres. Das haben die Brandhorizonte eindeutig ergeben, die Endres und seine Mitarbeiter vor rund zwei Jahren gefunden haben.

Steuerlisten helfen weiter

Und hier greifen dann wieder die Zahnräder der Geschichte ineinander, denn: Hübsch hat die Literatur zu den Steuerlisten durchforstet, die 1444, also kurz nach dem Einfall der Hussiten, ersten Aufschluss über die Anzahl der Häuser geben. "Vor dem Oberen Tor, also im Bereich der heutigen Opernstraße, der Richard-Wagner-, der Ludwig- und der Badstraße müssen rund 60 Häuser gestanden haben, was eine stattliche Zahl ist", sagt der Heimatforscher. "Allein in der heutigen Opernstraße, die im 16. Jahrhundert als Schlossgasse und ab dem 17. Jahrhundert als Münzgasse bezeichnet wurde, die ja später um die Ecke gewandert ist, können wir etwa 17 Häuser greifen." Horst Fischer, der verstorbene Apotheker hat hier mit seinem Bayreuther Häuserbuch wichtige Forschungsarbeit geleistet, sagt Hübsch.

Vor den Mauern der Stadt

Die Opernstraße war vor den Mauern der Stadt "der Weg runter an den Mühlbach, wo das Mühlenviertel begonnen hat", sagt Hübsch. Hinter der Herrenmühle, die zentral in etwa mitten auf der heutigen Kreuzung von Opernstraße und Münzgasse gestanden sein muss, habe sich "Richtung Münzgasse viele aufgereiht. 1466 findet sich die Herrenmühle in den Unterlagen. Mit einem Herrmann Mullner als Besitzer". Statt der Kunst frönte man der Handwerkskunst in der Schlossgasse: Der Häfner Contz Durnhöfer hatte hier seinen Betrieb, der Schmied Hans Adler, der Hufschmied Hans Model, der Bäcker Albrecht Lauterbach und der Seiler Heinz Schmidt. Außerdem gab es noch Riemenschneider - also Gürtelmacher -, einen Zirkelschmied, Metzger, Gerber, Büttner, Schuhmacher. Und den Gasthof Zur Traube, der ab dem 17. Jahrhundert im Bereich des Hotels Ankers erwähnt wird", sagt Norbert Hübsch.

Die ersten Münzen werden 1374 geprägt

Als Bayreuth im Jahr 1603 Residenzstadt wird, ändert sich die Struktur in der Schlossgasse, beziehungsweise Münzgasse: "Der eine oder andere Hofbedienstete lässt sich hier nieder. Zum Beispiel wissen wir von einem Kammerdiener Georg Hennnig, der hier wohnte. Ebenso wie der Hoforganist Tobias Droitlin, der in der Stadtkirche die Orgel gespielt haben muss. Doch nicht nur die Sozialstruktur ändert sich, es entsteht auch ein wichtiges Gebäude: ab 1620 steht hier die Markgräfliche Münze, die etwa im Bereich des ehemaligen Opern-Cafés gebaut wurde." Die ersten Münzen, sagt Hübsch, wurden 1374 in Bayreuth geprägt, die letzten im Jahre 1804. Die Münze brennt im 30-jährigen Krieg ab, wird in der Herrenmühle wieder eingerichtet und 1771 in die Münzgasse verlegt. In das Gebäude, das die jüdische Gemeinde bald zum Gemeindezentrum umbauen wird.

Kaum war die Residenz da, ging es schnell

"Es ging ab dem Zeitpunkt recht schnell mit der Residenz-Werdung", sagt Hübsch. An der heutigen Münzgasse wird das 1715 Commödien- und Redoutenhaus gebaut, das seit 1759 Synagoge ist. Praktisch die Mutter dessen, was heute als richtig große Tochter Weltkulutrerbe ist und am 12. April nach fünfjähriger Restaurierung wiedereröffnet wird. 1722 baut Johann David Räntz das Redoutenhaus, wie wir es heute kennen. Offensichtlich gibt das markante Gebäude auch die neue Baulinie vor, die bis heute Bestand hat: "Die Häuser, die davor dort standen, ragten weiter in die Straße rein. Das haben die archäologischen Untersuchungen belegt. Die Straße war deutlich schmaler." Und wohl vom Stadtgraben begrenzt, der dort verlief, wo heute der herrschaftliche Wittelsbacher Brunnen im Sommer plätschert. Nur die Häuser rechts Richtung Sternplatz stehen - wohl nicht in dieser Form - heute so wie schon im Mittelalter.

Der Schlosser hämmerte dort, wo später die Kunst der Markgräfin aufblühte

An der Stelle des Opernhauses muss ab 1541 das Wohnhaus mit Werkstatt eines Schlossers und Hufschmieds namens Ott Paris gestanden haben, "in dem später auch der Zirkelschmied Hans Buchta gearbeitet haben muss. Ein Handwerk für den gehobenen Bedarf der Herrschaft oder der Münze". In der benachbarten ehemaligen Sparkassen-Hauptstelle findet sich noch das historische Pflaster und Teil einer Schmiede samt einem gewaltigen Amboss, die Hübsch dem Schmied Sebastian Gödel - und dem Jahr 1739, also kurz vor Baubeginn des Opernhauses - zurechnet. Eine Bebauung, "die große Ausdehnung nach hinten - in Richtung des heutigen Münzparkplatzes - hatte, wie Funde unter dem Boden des Opernhauses belegen. Man hat dort unter anderem das Haus eines Färbers nachweisen können."