Vor dem Ausbildungsjahr Noch jede Menge freie Lehrstellen

Kfz-Unternehmer Stefan Wedlich schaut seinem Auszubildenden Robert Gluch über die Schulter. Auch in sogenannten Modeberufen wie Kfz-Mechatroniker wird es immer schwieriger, die offenen Ausbildungsstellen zu besetzen. Foto: Ralf Münch

BAYREUTH. Keine drei Wochen mehr, dann fällt der offizielle Startschuss zum neuen Ausbildungsjahr. Doch immer noch suchen viele Unternehmen in der Region nach Nachwuchs. Ihr Problem: Die Zahl der offenen Stellen übersteigt die der noch nicht versorgten Bewerber deutlich. Jugendliche ohne Ausbildungsvertrag in der Tasche haben deshalb auch jetzt noch gute Chancen unterzukommen.

Ausgelernte Fachkräfte sucht Stefan Wedlich sowieso oft vergebens. Doch mittlerweile wird es auch immer schwieriger, in seinem Betrieb die Ausbildungsstellen zu besetzen. Dabei bietet er einen sogenannten Modeberuf an – Kfz-Mechatroniker. Er steht nicht alleine da, denn im Stadtgebiet Bayreuth waren Ende Juli nach Angaben der Agentur für Arbeit Bayreuth-Hof noch 23 solcher Stellen zu haben. Platz zwei hinter den Einzelhandelskaufleuten (28).

Trend zum Studium

Zwei Mechatroniker-Stellen hatte Wedlich dieses Jahr in seinem 30 Mitarbeiter starken Kfz-Betrieb zu besetzen, eine konnte er mittlerweile vergeben. Für die andere gibt es immerhin noch einen aussichtsreichen Bewerber, verrät er dem Kurier. Das Problem: „Der Trend zum Studium oder zumindest einem Büroberuf nimmt weiter zu. Viele wollen sich die Finger nicht mehr schmutzig machen“, sagt Wedlich: „Aber ihr Auto reparieren soll natürlich trotzdem noch jemand.“

Mittlerweile ist er bereit, bei den Anforderungen etwas herunter zu gehen. Die schulischen Noten stünden beim Abschlusszeugnis nicht mehr im Vordergrund, schon eher die Bemerkungen der Lehrer. Wenn sich ein Bewerber dann beim Probearbeiten noch ordentlich anstelle, bekomme er die Lehrstelle.

Ordentliche Bezahlung

Am Geld könne der Bewerbermangel jedenfalls nicht liegen, meint Wedlich. Schließlich steige ein Kfz-Mechatroniker mit mehr als 750 Euro im Monat in die Lehre ein, im dritten Ausbildungsjahr seien es dann mehr als 900 Euro.

Beträge, die etwa auf dem Bau noch locker überboten werden, wissen, Bernd Rehorz, Leiter des Bereichs Berufliche Bildung bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Oberfranken (Bayreuth), und Peter Liewald, Ausbildungsberater bei der Handwerkskammer (HWK) Oberfranken. Doch gerade hier sei die Not groß, außerdem in den Bereichen Verkehr, Gastronomie und Einzelhandel.

522 Stellen, 223 Bewerber

Insgesamt waren Ende Juli nach Angaben der Arbeitsagentur Bayreuth-Hof in ihrem Bereich noch 1616 Ausbildungsstellen unbesetzt – davon 522 in Stadt (303) und Landkreis (219) Bayreuth, denen wiederum 223 unversorgte Jugendliche gegenüberstanden. Jeder von ihnen kann also rein rechnerisch unter gut 2,3 Lehrstellen auswählen.

Ganz so einfach ist es zwar nicht, sagt Thomas Oetter, Bereichsleiter bei der Arbeitsagentur. Aber wie die beiden Experten der Kammern betont er, dass im Ausbildungsmarkt noch viel Bewegung sei – erfahrungsgemäß sogar bis Jahresende. Auch deshalb, weil manche Auszubildende wie Arbeitgeber noch während der Probezeit merken, dass es doch nicht so passt. Diese frei werdenden Stellen würden möglichst zeitnah nachbesetzt.

Jugendliche müssen aktiv werden

Allerdings müssten Jugendliche, die noch eine Lehrstelle suchen, jetzt auch aktiv werden und schnellstmöglich mit den Berufsberatern der Arbeitsagentur oder auch den Kammern Kontakt aufnehmen. Oetter sagt: „Es gibt noch viele attraktive Angebote, wenn auch vielleicht nicht den Wunschberuf an jedem Ort. Aber mit ein bisschen Flexibilität ist noch viel zu machen.“

Ausbildungsbegleitende Hilfen

Was allerdings auch für die Arbeitgeber gilt. Allgemein sei zu beobachten, dass sie bei den Noten der Bewerber zunehmend ein Auge zudrücken und eher auf den Eindruck bei Probearbeit oder Praktikum vertrauen. Rehorz spricht von Klebeeffekt. Außerdem gibt es ausbildungsbegleitende Hilfen der Arbeitsagentur. Oetter nennt Nachhilfe, Stützunterricht oder auch sozialpädagogische Unterstützung: „Diese Hilfen sind für den Auszubildenden kostenlos, aber keinesfalls umsonst.“

Peter Liewald von der HWK betont, dass es im Handwerk sowieso schon immer einen gewissen Prozentsatz an Lehrlingen ohne Schulabschluss gegeben habe, mit denen man dann eben etwas geduldiger sein musste. Für die sei auch eine Einstiegsqualifizierung eine Möglichkeit.

INFO:Weitere Informationen und Links zu noch offenen Ausbildungsstellen in der Region gibt es im Netz unter:

www.ihk-lehrstellenboerse.de; www.hwk-oberfranken.de; www.arbeitsagentur.de

Berufsberatung bei der Arbeitsagentur kann auch kurzfristig vereinbart werden unter Telefon 08 00/4 55 55 00 oder per Mail an Bayreuth-Berufsberatung@arbeitsagentur.de

 

0 Kommentare

Kommentieren

  1. Passwort vergessen?
  2. * = Pflichtfeld
Sie haben noch keinen Benutzer-Zugang? Jetzt registrieren!

Wenn Sie einen Kommentar verfassen, so wird dieser unter Ihrem Klarnamen, also dem von Ihnen angegebenen Vor- und Nachnamen veröffentlicht. Sollte Ihr Kommentar nicht sofort erscheinen, bitten wir Sie um etwas Geduld. Wir behalten uns vor, Kommentare vor der Veröffentlichung zu prüfen. Bitte beachten Sie hierzu auch unsere Netiquette.

loading