Vor 30 Jahren Als Warmensteinach illegal Feiertag hatte

Der Marienaltar in der katholischen Kirche von Oberwarmensteinach. Vor 30 Jahren war Mariä Himmelfahrt zum letzten Mal Feiertag in der Gemeinde Warmensteinach. Ganz legal war das damals schon nicht mehr.Foto: Archiv/
Hildegard Heser

WARMENSTEINACH. Die einen müssen arbeiten, die anderen haben frei – so ist es wieder am Donnerstag, 15. August, Mariä Himmelfahrt. Abhängig davon, ob es eine Mehrheit an Katholiken in der Gemeinde gibt. In Warmensteinach war vor genau 30 Jahren das letzte Mal ein Feiertag an Mariä Himmelfahrt. Illegal. Das hängt zusammen mit einem gewieften Bürgermeister. Und der letzten großen Volkszählung in Deutschland.

1978 schlossen sich Warmensteinach und Oberwarmensteinach im Zuge der Gemeindegebietsreform zu einer Gemeinde zusammen. Die „Iwastoinicher“ brachten in die Ehe eine große Zahl Katholiken ein, einen volkstümlichen und beliebten Bürgermeister: Josef Prechtl. Und einen zusätzlichen Feiertag: Mariä Himmelfahrt.

Markante Veränderungen

Warmensteinach war die größere der beiden Gemeinden gewesen und fast ausschließlich evangelisch. Doch der Zuzug von – meist katholischen – Vertriebenen nach dem Krieg sorgte in der nunmehrigen Großgemeinde für eine Mehrzahl an Katholiken: Die Voraussetzung für den Feiertag in der ganzen Gemeinde war erst mal erfüllt. 1987 fand eine Volkszählung statt. Und brachte das staatliche Datenmaterial seit vielen Jahren auf einen aktuellen Stand. Mit teils markanten Veränderungen. Zum Beispiel, dass es in Warmensteinach 22 mehr Protestanten als Katholiken gab – der knappste Abstand aller bayerischen Kommunen.

Folgen hatte das zunächst keine. 1988 war Feiertag in Warmensteinach an Mariä Himmelfahrt. Und 1989 auch. Doch zwischenzeitlich waren zwei Dinge geschehen. Im Herbst 1988 war Reinhard Jaresch aus dem Landratsamt Bayreuth als neuer Geschäftsleitender Beamter ins Warmensteinacher Rathaus gekommen. Jaresch – er war selbst von 1996 bis 2008 Bürgermeister – erinnert sich heute: „Ich habe den Prechtl’s Sepp darauf aufmerksam gemacht, dass es Probleme mit dem Feiertag geben könnte.“

Prechtl rechnete anders

Doch Prechtl – er war von 1960 bis 1996 Bürgermeister erst von Oberwarmensteinach, dann der fusionierten Großgemeinde – habe eine eigene Rechnung aufgemacht, so Jaresch: Wenn man die Konfessionslosen, die Altkatholiken und die Muslime in der Gemeinde rausrechne, dann hätten die Katholiken immer noch die Mehrheit. Und er habe ihn gefragt: „Willst Du, dass die Leute ihren Feiertag verlieren?“

1989 schließlich hatte der Radiosender Antenne Bayern das Thema entdeckt. „Ob denen jemand was gesteckt hat oder ob sie einfach selbst die Daten der Volkszählung ausgewertet hatten, das weiß ich nicht“, blickt Jaresch zurück. Jedenfalls lag das Thema nun auf dem Tisch. Und nun gab es auch im Gemeinderat warnende Stimmen: Wenn der Feiertag nicht auf rechtlich sicheren Füßen stehe, drohe die Gemeinde in Regress genommen zu werden von den damals noch zahlreichen großen Arbeitgebern in Warmensteinach.

1990 abgeschafft

Der Feiertag wurde still und heimlich abgeschafft. Seit 1990 müssen die Warmensteinacher an Mariä Himmelfahrt arbeiten. Und auf Sicht wird sich das auch nicht ändern. 2017 hatte Warmensteinach laut Statistischem Landesamt 2197 Einwohner. 831 davon waren katholisch.

Grenzen als Tourismuswerbung

Aufmerksam geworden auf die 30 Jahre alte Geschichte ist der Leiter der Tourismuszentrale Ferdinand Reb. Er plant dieses und nächstes Jahr das Thema „Grenzen“ in der Werbung für die Region zu thematisieren. Dann geht es um 30 Jahre Mauerfall (1989), 30 Jahre Wiedervereinigung (1990). Aber eben auch um jahrhundertealte Grenzen in der Region, wie eben die Sprach- und Konfessionsgrenze, die sich bis heute durch die Gemeinde Warmensteinach zieht. Die früher auch mal eine politische Grenze war. Und einem Ortsteil bis heute den Namen gibt: Grenzhammer.

 

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