Von verfärbten Haaren und der Suche nach Kurzatmigen Die Nachwehen des Holi-Fests: Blond ist ungünstig

Von Frank Schmälzle

4500 junge Leute hatten am Sonntag Spaß beim Holi Open Air auf dem Volksfestplatz. Am Tag danach waren nicht mehr alle glücklich: Was am Sonntag noch farbenfroh war, war am Montag nur noch nervig. Hätten sich doch alle am indischen Ursprung des Fests orientiert und wären sie währenddessen in den Fluss - in diesem Fall der Main, nicht der Ganges - gestiegen, findet Kurier-Redakteur Frank Schmälzle.

Mund zu, wenn die Farbe kommt - an diese Empfehlung hielten sich nicht alle Besucher des Holi Open Airs am Sonntag. Einige klagten am nächsten Tag über Atemwegsprobleme. Foto: Harbach Foto: red

Hätten es nur alle so gemacht, wie die Schlauen unter den 4500 Besuchern des Holi-Festivals am Sonntag auf dem Volksfestplatz. Wären sie doch alle mal zwischendurch drüben am Flößanger in die Fluten des Roten Mains gestiegen. Gerade so, wie es die Inder, von denen das Farbenfest geklaut ist, an ihrem heiligen Fluss Ganges tun. Vielleicht hätten sie sich dann gestern nicht ganz so sehr darüber gewundert, dass Farbe bunt ist und das sogar noch am nächsten Tag. Vielleicht hätte sie der Rote Main reingewaschen von den Spuren des Festivals, die ihnen wohl auch heute noch anhaften.

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Besonders hart, so war aus den sozialen Netzwerken und von betroffenen Kolleginnen zu erfahren, die natürlich aus rein dienstlichen Gründen an der Riesensause teilgenommen hatten, haben die Blonden unter der Farbe zu leiden. Der Kontrast ist gut erkennbar, die Blonden sind immer noch rosa und grün und blau auf dem Kopf, tragen wider Willen eine Erinnerung an die Sonntagsparty mit sich herum und spüren die fragende Blicke. Punk? Nein, Holi-Festival. Es sei denn sie suchten gestern einen Friseur zum Nachblondieren der verfärbten Haare auf. Kein Scherz, das kam tatsächlich vor – und wir lernen daraus: Farbe bekämpft man mit Farbe.

Andere klagten am Tag nach dem Holi-Festival über Ernsteres als ein paar Verfärbungen auf dem Kopf – wobei das für die zwischen Wut und Verzweiflung schwankende Kurier-Reporterin, die am Sonntag berichtete, durchaus schon ernst genug ist. Manche klagten über Atembeschwerden, die ja wohl nur von der farbgeschwängerten Luft kommen könnten – besonders hoch dosiert zu jeder vollen Stunde, wenn ein paar tausend junge Menschen gefärbtes Maismehl über sich, ihren Nächsten und den ganzen Volksfestplatz verteilten.

Eine sofort eingeleitete Kurier-Recherche hat ergeben: Es können nicht allzu viele gewesen sein, die den Tipp des Veranstalters („Mund zu,wenn die Farbe kommt") nicht mitbekommen, sich eine kräftige Prise Maismehl reingezogen haben und seither kurzatmig sind. Dr. Ingo Rausch ist Sprecher der Hausärzte und sagt, er könne sich auf den „Buschfunk" unter Kollegen verlassen. Und dieser Buschfunk gibt Entwarnung. In den Wartezimmern der Bayreuther Ärzte saßen gestern keine atemlosen Holi-Opfer.

Eine andere Spur erschien bei den Nachforschungen heißer: Im Klinikum, so erfuhr der Kurier, war tatsächlich eine Festivalteilnehmerin gestrandet. Und sie litt auch tatsächlich unter Atemnot. Das konnte aber auch daran liegen, dass sie 1,8 Promille hatte, hieß es.

Hartnäckig wie die Flecken im Haar hält sich die Meinung von Festivalteilnehmern und deren Friseuren, das am Sonntag verstreute Pulver müsse ein ganz besonderes gewesen sein. Ganz bestimmt nicht das, was bei anderen Festivals dieser Art im Einsatz ist und sich so leicht wieder rauswaschen lässt. Veranstalter Frank Mittasch schwört indes Stein und Bein: Mit dem Maismehl ist alles in Ordnung. Dasselbe lag bei Festivals in Erfurt, Gera und Dresden in der Luft und niemand habe sich beschwert. Mittasch bemüht sogar das Ordnungsamt der Stadt Bayreuth als Kronzeugen. Dem Amt liege ein Gutachten über die Unbedenklichkeit des Pulvers vor, sagt der Veranstalter und versteht die Welt nicht mehr: „Solche Beschwerden hatten wir noch nie." Wenn es denn Beschwerden sind. „Bei uns ist bis jetzt nichts aufgeschlagen", hieß es gestern aus dem Ordnungsamt.

So bleiben also ein paar Flecken, die wohl auch irgendwann vergehen werden. Und eine bunte Geschichte.

Und was sagen die jungen Leute, die auf dem Holi Open Air waren? Und die, die nicht dort waren? Bei Facebook hat unsere Frage eine Flut an Kommentaren provoziert.