Tatsächlich darf ein Schutzschirm nur aufgespannt werden, wenn die Aussichten auf Rettung groß sind. Seit 1. Dezember erhalten die 220 Mitarbeiter der GmbH wieder ihren regelhaften Lohn, nicht mehr von der Arbeitsagentur. Schon durchgesickert ist, dass zwar sechs Mitarbeiter der Frühförderung gehen müssen, vier von ihnen aber wurde ein Job in einem anderen Bereich der Diakonie angeboten.
Auch vom eher positiven Gang der Handlung war der Verein ausgebootet. Sein Angebot, der insolventen gemeinsamen Tochter mit seinem Geld zu helfen kam zu spät: Die gerichtlich festgesetzte Frist war abgelaufen. Zwar hatte Vereinsvorsitzender Eberl auch schon vorher der Diakonie in Aussicht gestellt, Geld zu überweisen, was beide Seiten bestätigen, aber geknüpft an Bedingungen: Man wollte am Insolvenzplan mitstricken oder wenigstens wissen, was sich ändern solle. Beides rechtlich nicht möglich, allein der Plan-Ersteller hat dazu das Recht. Erst wenn der Plan vom Gericht genehmigt ist, dürfen alle reinschauen - und auch ihre Hilfe anbieten. Inzwischen gilt als sicher, dass sich die evangelische Landeskirche mit einem größeren Betrag an den nötigen 1,1 Millionen Euro beteiligt.
Entscheidung im Januar
Ob der Plan durchgeht, entscheidet das Amtsgericht Bayreuth im Januar. Gefragt werden allerdings erst einmal nur die Gläubiger – und wieder nicht der Verein. Denn ihm „schuldet“ die Diakonie-Tochter nichts. Die einzige Handlung, die dem Verein als Gesellschafter noch bleibt, ist: der Lösung dann zuzustimmen. Oder sie abzulehnen. Oder sich einer Meinung zu enthalten.
Wie es mit der zerrütteten Beziehung zwischen Verein und Diakonie weitergeht, darüber wird jetzt nicht gesprochen. Es gibt genügend Berührungspunkte zwischen beiden, die darauf hindeuten, dass sich das Verhältnis wieder bessern könnte: ein Wohnheim für behinderte Menschen in Laineck, der Elternbeirat der Schule im Heilpädagogischen Förderzentrum, die Kompetenz im Umgang mit den behinderten Menschen, die dann ganz im Schoß der Diakonie Bayreuth sind, die politische Bedeutung, die von einem 680 Mitglieder starken Verein ausgeht. Auf Entspannung deutet jedenfalls eine Aussage Sedlaks hin: „Wir werden nochmal miteinander sprechen.“
Wohin „verschwand“ das Geld der Diakonie-Tochter?
Die Millionen, die in der Hilfe für das behinderte Kind gGmbH „versickerten“, sind nicht im eigentlichen Sinne weg. Davon profitiert haben die behinderten Menschen. Der Streit geht nur darum, wie man in Zukunft wirtschaftlicher mit Geld umgeht, ohne die behinderten Menschen aus den Augen zu verlieren. Wolfgang Grießinger vom Bezirk Oberfranken: "Eklatante wirtschaftliche Fehler waren für den Bezirk nicht erkennbar.“
Die gGmbH hat einfach mehr Geld für die Menschen ausgegeben, als sie erhalten hatte. Vor allem die Personalkosten waren ausschlaggebend dafür. Dazu kamen zwei defizitäre „Außenstellen“ bei der Frühförderung in Pegnitz und Hollfeld, die inzwischen geschlossen sind. Dazu kamen Mieten, Investitionen, Instandhaltungskosten. Ein Wirtschaftsprüfer riet kurz vor der Insolvenz, die Frühförderung zu schließen. Inzwischen gibt es aber positive Signale. Am Mittwoch wird Franz Sedlak, Geschäftsführer der Diakonie und Sanierer, im Stadtrat über die Zukunft der Frühförderung sprechen.
Überleben konnte die gGmbH nur deswegen so lange, weil die Diakonie immer wieder Geld in das Unternehmen pumpte. Als die Diakonie aber auch in anderen Bereichen, etwa dem sozialpsychiatrischen Dienst, in Schieflage geriet, war das nicht mehr möglich. Aber auch der Bezirk hatte immer wieder ausgeholfen, etwa indem er etwa höhere Abschlagszahlungen überwies, sozusagen einen zinslosen Vorschuss gewährte.
Auch die Aktenführung bei der Diakonie war „rudimentär“, wie alle Beteiligten bestätigen. Der Gesellschaftervertrag zwischen Diakonie und Verein entspricht längst nicht dem heutigen Stand und war schon gar nicht für schwierige Zeiten gedacht. Daneben besteht noch ein Geschäftsbesorgungsvertrag zwischen den beiden Gesellschaftern. Vereinsvorsitzender Markus Eberl: „Für einen Laien ist ein wesentlicher Teil der Probleme eine gewisse Intransparenz der Strukturen.“
Kommentar: Konkurrenzkrampf