Volkstrauertag Friedensappell als Premiere

Haben einen Friedensappell geschrieben, den sie am Sonntag bei der Gedenkfeier zum Volkstrauertag vortragen werden: Soraya Iacono und Pia Klüpfel (rechts) vom Graf-Münster-Gymnasium. Foto: Eric Waha

BAYREUTH. Das Gedenken an die Opfer der Kriege am Sonntag, am Volkstrauertag, wird bei der zentralen Veranstaltung der Stadt am Schützenplatz eine Premiere erleben: Soraya Iacono und Pia Klüpfel aus der zwölften Klasse des Graf-Münster-Gymnasiums (GMG) werden einen Friedensappell sprechen.

Der Volkstrauertag ist seit Jahrzehnten ein Treffen derer, die es als Verpflichtung sehen, der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft zu gedenken. Eine Veranstaltung, die Menschen besuchen, die mit dieser Verpflichtung alt geworden sind.

Eine Verpflichtung allerdings, die heute aktueller denn je ist. Nicht nur, weil es auf der ganzen Welt Kriege gibt. Ständig. Überall. Sondern weil bei vielen die Gründe für den letzten großen Krieg immer weiter in den Hintergrund geraten. Verdrängt werden. Ja, sogar geleugnet werden.

Diejenigen, die gedenken, sind alt geworden

Beim Volkstrauertag in Bayreuth im vergangenen Jahr hat einer, der seit rund 30 Jahren immer da ist, den Stadtrat und SPD-Fraktionsvorsitzenden Thomas Bauske angesprochen. Ihn, Christopher Süss vom Jungen Bayreuth und Tim Pargent von den Grünen. "Weil er uns als Jüngere erkannt hat", sagt Thomas Bauske im Gespräch mit unserer Zeitung.

Der Mann, der immer da ist, ist Oberst Heinz-Gerhard Schröder, einst Kommandeur der Bundeswehr in der Markgrafenkaserne. "Er hat gesagt, die Menschen, die hierher kommen zum Gedenken, sind mit ihm immer alt geworden. Ich habe erwähnt, dass ich Lehrer bin - und dass man da vielleicht was ändern kann", sagt Bauske, der am GMG unterrichtet, in direkter Nachbarschaft des Kriegerdenkmals.

Ein eigener Appell wird schnell beschlossen

Die Sozialkunde-Kurse haben in der zwölften Klasse "Frieden und Sicherheit als Aufgaben der internationalen Politik als Thema, das beinhaltet der Lehrplan", sagt Bauske. Deshalb hat Bauske den Oberst Schröder in die Klassen eingeladen, um in Sozialkunde zu berichten. Über sich, seinen Werdegang, über Kriege, über Frieden. Und es entstand die Idee, dass zwei Schülerinnen beim Volkstrauertag einen Appell sprechen könnten.

"In Absprache mit der Stadt und der Schulleitung", sagt Bauske, hätten die 17-jährige Soraya Iacono und die 18-jährige Pia Klüpfel den Auftrag bekommen, eingebettet in die Gedenkfeier und nach der Rede von Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe einen eigenen Appell auszuarbeiten und vorzutragen.

Kurz, interessant, informativ

Während der Platz rund um das Denkmal am Schützenplatz von Mitarbeitern des Stadtgartenamts vom Laub befreit und der Platz vorbereitet wird für die Feierlichkeit am Sonntag um 11 Uhr, haben Soraya Iacono und Pia Klüpfel am Donnerstag ihre Rede fast komplett fertig geschrieben, die sie der Oberbürgermeisterin vorab noch schicken werden.

Sie wollen nicht lange reden, sagen die beiden, die an der Schule schon Theater-Erfahrung gesammelt haben, die mit Sprechen vor vielen Leuten keine Probleme haben. "Zwei bis drei Minuten wollen wir sprechen, aktuelle Themen mit einbringen", sagt Pia Klüpfel. "Es soll kurz und interessant sein. Und informativ, dass uns jeder zuhört", ergänzt Soraya Iacono. Das, was Oberst Schröder vor den Schülern über das Thema Kieg und Frieden gesagt habe, "hat uns bewegt", sagen sie.

Generell dürfe niemand die Augen vor dem verschließen, was in der ganzen Welt und auch in Deutschland passiert. Sie sei, sagt Soraya Iacono, die aus Italien stammt, "enttäuscht von den Menschen, dass so viel den Bach runter geht. Es ist so wichtig, Frieden zu schließen".

Hetze gegen das Multi-Ethnische

Krieg kennen die beiden Jugendlichen vorwiegend aus den Medien und aus Erzählungen, etwa von der italienischen Uroma, die sieben Kinder durchzubringen hatte, "die immer angefangen hat zu weinen, wenn sie von der Grausamkeit der Menschen erzählt hat". Oder von Pia Klüpfels Gesprächen mit Menschen aus Syrien, die vor dem Krieg dort geflüchtet sind.

Für sie und ihre Generation sei es wichtig, sich mit den Themen zu befassen, "genauso sollten junge Leute zu solchen Veranstaltungen kommen, weil sonst irgendwann mit der Generation, die sich darum kümmert, das Gedenken ausstirbt", sagt Klüpfel. Und: Die junge Generation, sagt Soraya Iacono, interessiere sich zwar für Politik, es gebe aber viele, "die gegen das multi-ethnische hetzen. Deshalb ist es wichtig, darauf hinzuwirken, dass so etwas, was passiert ist, nie mehr passiert."

Gedenkfeier beginnt am Sonntag um 11 Uhr

Am Ehrenmal am Schützenplatz beginnt die städtische Gedenkfeier am Sonntag um 11 Uhr. Das Blechbläser-Ensemble der Städtischen Musikschule und die Gesangvereine Meyernberg sowie Concordia 1851 umrahmen die Veranstaltung.

 

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