Vögel bremsen Windpark

Von Heike Hampl

Vogelherd - der Name verrät es schon. Dort, wo zwischen Eckersdorf und Thurnau ein Windpark entstehen soll, sind viele Vögel heimisch. Die Landratsämter wollen die Vögel schützen und deswegen den Betrieb der acht Windräder stark beschränken. Der Betreiber klagt dagegen. Vor Gericht endet das in einem Streit der Naturschutz-Experten - und der Windpark liegt auf Eis.

Baumfalken setzen sich in gemachte Nester, sie bauen keinen eigenen Horst. Deswegen schlagen Vogelschützer vor, den Falken mit solchen Körben vom Windpark wegzulocken. Andere Experten bezweifeln, dass das funktioniert. Foto: Klaus Dietrich Fiuczynski/dpa Foto: red

Wie oft fliegt der Wespenbussard über den Vogelherd? Wie oft würde er so nah an den acht geplanten Windrädern vorbeifliegen, dass sein Leben in Gefahr wäre? Lässt sich ein Schwarzstorch erfolgreich vom Vogelherd weglocken? Und wie gefährdet ist der Baumfalke, der seine Beute im schnellen Flug in der Luft schlägt?

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Es sind noch viele Fragen offen beim geplanten Windpark zwischen Eckersdorf und Thurnau. Acht Windräder plant die Firma Primus aus Regensburg dort. Die beiden zuständigen Landratsämter in Kulmbach und Bayreuth haben die Anlagen zwar genehmigt. Doch sie haben den Betrieb streng reglementiert. So dürfte manches Windrad nur sechs Monate pro Jahr laufen, um die Vögel zu schützen. Das wäre unwirtschaftlich, sagt Primus.

Also hat Primus gegen die Auflagen geklagt. Am Donnerstag hat das das Verwaltungsgericht kein Urteil gesprochen. Das Verfahren ruht jetzt. Grund: Die Vogelschutz-Experten sind sich nicht einig. Allein sieben Gutachten befassen sich mit dem Artenschutz, zum Teil mit völlig unterschiedlichen Ergebnissen.

Auf der einen Seite stehen die Naturschutzbehörden. "Das Wort der Fachbehörden hat ein höheres Gewicht", sagt Richter Otto Schröppel. Auf Juristendeutsch heißt das Einschätzungsprärogative. Das Gericht unterstellt den Fachbehörden, dass sie aufgrund jahrzehntelanger Beobachtungen über besonders gute Kenntnis der Örtlichkeiten verfügen. Die Fachbehörde, auf deren Urteil sich das Landratsamt verlässt sagt: Der Betrieb der Anlagen muss stark eingeschränkt werden.

"Allerdings sitzen auf Seiten des Klägers hochkarätige Vogelschutzleute", sagt Schröppel. Die beiden Experten haben eigene artenschutzrechtliche Prüfungen durchgeführt. Und sie kommen zu anderen Ergebnissen als die Naturschutzbehörden. Sie sagen: Es würde helfen, Biotope in der Nähe anzulegen und die Tiere damit wegzulocken, also vom Vogelherd zu vergrämen. "Es ist ein Streit unter Fachleuten. Ich weiß auch nicht recht, wie wir das lösen sollen", sagt Schröppel.

Primus will den Windpark bauen. Deswegen macht der Betreiber vor Gericht ein Angebot: "Wir stellen 180.000 Euro zur Verfügung, Geld, das komplett in den Artenschutz vor Ort investiert wird", sagt Rechtsanwalt Christian Wenzel. Geschenkt gibt es das Geld aber nicht. Stattdessen würde Primus darauf verzichten, die Masten dunkel zu streichen. Das würde genau 180.000 Euro kosten. Der dunkle Anstrich soll vor allem Singvögel eigentlich davor bewahren, sich am Mast das Genick zu brechen. Die Wirkung ist in der Fachwelt umstritten.

Primus wird dem Landratsamt bald genaue Maßnahmen vorstellen, die das Unternehmen mit seinen 180.000 Euro leisten will. Dann muss das Amt entscheiden, ob es seine Auflagen mindert. Oder ob der Streit in einigen Monaten wieder vor Gericht landet. Dann wohl mit noch mehr Gutachten auf dem Tisch.

Am Donnerstag hat das Verwaltungsgericht auch diese Klage einer Thurnauerin gegen die Windräder verhandelt. Das Urteil wird das Gericht am Freitag bekanntgeben.