Viktor Lukas an der Stadtkirchenorgel

Von Frank Piontek

Viktor Lukas’ gibt ein Benefizkonzert für die „Musica Bayreuth“ in der Stadtkirche. Und zeigt , wo die Vorzüge der restaurierten Stadtkirchen-Orgeln liegen.

Der Beifall galt den Werken und ihrem Interpreten: Viktor Lukas in der Stadtkirche. Foto: Andreas Harbach Foto: red

Am Ende lassen sich die Bayreuther fast zu Ovationen hinreißen, ja: es klingen sogar ein oder zwei „Bravos“ in den Raum. Befänden wir uns in einer weltlichen Konzerthalle, würden sich die Zuhörer kaum so zurückhaltend benehmen. In der Stadtkirche aber gelten andere Regeln. Dabei war die Begeisterung unüberhörbar – und völlig verständlich. Denn wieder einmal galt es einen Bayreuther Musiker zu feiern, den man schon oft mit dem Wort „Doyen“ bezeichnet hat: Viktor Lukas dieser Doyen, ein „Ältester“, der auf einem bestimmten Gebiet hervorragt. Und dies nicht nur, weil ihm der liebe Gott der Musik bis ins hohe Alter die manuelle (und peduelle) Fähigkeit belassen hat, auf jenem Instrument komplexe Werke zu spielen, an dem er viele Jahre lang gelehrt und musiziert hat. Lukas also schenkt der Musica Bayreuth ein Benefizkonzert – und den Bayreuthern für die irdische Gegengabe weniger Euro ein gleichsam himmlisches Konzert.

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Glänzende Festmusik

Die Vorzüge der restaurierten und erweiterten Orgeln der Stadtkirche sind bekannt: ein klarer, sauberer Klang, die Möglichkeiten vieler Farbgebungen, eine Dynamik, die selbst im Fortissimo nicht gellt. Nur muss der rechte Mensch am Manual (und Pedal) sitzen, um diese Vorzüge wachzurufen. Dass Lukas sein Benefiz-Konzert, in dem zugleich er und die Musik im Mittelpunkt stehen, mit einem Werk beginnt, das erst vor wenigen Tagen an der Goll-Orgel der Hochschule für evangelische Kirchenmusik erklang, ist ein schöner Zufall. Bachs Präludium und Fuge BWV 552 in der heiteren, heiter verarbeiteten Mozart-Tonart Es-Dur könnte sich kaum besser als Ouvertüre eignen: eine „glänzend strahlende Festmusik“, wie Lukas im Standardwerk seines Reclam-Orgelmusikführers einst schrieb. Das Konzert gilt auch dem realen Gottvater der abendländischen Kirchenmusik. Am 28. Juli starb Bach, dem Lukas die dunkle Choralbearbeitung „Vor deinen Thron tret ich hiermit“ BWV 668 aus Bachs Sterbejahr widmete. „Greisenavantgardismus“, wie Adorno einmal über die Partitur des „Parsifal“ schrieb.

Lukas ist ein älterer Herr, aber kein Greis; seine Interpretationen der französischen Klassiker der französischen Moderne (Messiaens Liturgie der schwebenden Akkorde im „Banquet Céleste“, Jehan Alains fröhliche, den Jahrmarkt des Lebens nicht verleugnende „Litanies“ und Maurice Duruflés gläsern virtuose Alain-Variationen op. 7) sind unter seinen Händen (und Füßen) keine Musik von gestern. Sie sind die pure Musik für die „Musica“ und die Musikliebhaber von heute.

„Etwas schräg“, denkt man in der neunten Reihe, nachdem Regers d-Moll-Fantasie und Fuge op. 135B verklungen ist, zu Recht: das zweite und letzte relativ dunkle Stück dieses Abends, Regers „weitaus geschlossenstes“ Orgelstück dieser Art, wie Lukas mal bemerkte, ist ein Werk der Weltkriegsmoderne von 1915. Doch noch im d-Moll regt sich das bewegte, fast heitere Leben, vom Organisten glänzend und kontrastreich instrumentiert, souverän interpretiert, vor allem aber kurzweilig. Wie wäre es also, wenn man einmal ein Werk mit dem Titel „Präludium und Fuge über den Namen LUKAS“ schreiben würde? Es könnte ja noch zu Lebzeiten des Geehrten erklingen.