Andreas Wellinger war schon im Sommer super, ist Deutscher Meister geworden. Allerdings hat man dann beim Weltcup-Auftakt gesehen, dass das deutsche Team ein Stück von der Weltspitze weg war. Bei Andreas hängt alles am Absprung. Wenn es am Tisch richtig passt, ist er bei Einzelsprüngen schon vorn dabei. Er muss das aber regelmäßig schaffen. Auf den Tag X zu hoffen, an dem der Knoten plötzlich platzt, ist keine gute Idee. Er muss da nach all seinem Verletzungs- und Krankheitspech langsam wieder reinwachsen in die Topleistungen.
Was ist das Problem bei Markus Eisenbichler?
Markus hatte diesmal einen anderen Aufbau und hat deutlich mehr Krafttraining gemacht. Deshalb fehlte zu Saisonbeginn noch das Feingefühl. Aber wenn das zurückkehrt, kann er gefühlt jederzeit zuschlagen.
Sie haben damals bei Ihrem Triumph vor 21 Jahren sehr viel Geld verdient. Heutzutage gibt es weniger als damals . . .
Im vergangenen Winter wurde das Preisgeld für den Gesamtsieger ja auf 100 000 Schweizer Franken aufgestockt. Das ist ein guter Schritt! Aber man kann die Zeit halt nicht zurückdrehen. Damals zu meiner Zeit waren die Einschaltquoten noch höher als heute. Trotzdem ist es nicht nachvollziehbar, dass es für einen Einzelsieg bei einem Tourneespringen das gleiche Preisgeld wie bei einem normalen Weltcup gibt. Schließlich ist der Stellenwert der Tournee deutlich höher.
Sie sind jetzt 48. Was passiert eher: Dass ein deutscher Skispringer die Tournee gewinnt oder Sie in Rente gehen?
Ich habe ja immer gesagt, dass wir in der Ära von Bundestrainer Horngacher einen deutschen Tourneesieger erleben werden. Ich bin von seiner Arbeit überzeugt. Es liegt definitiv nicht am Trainerteam! Stefan Horngacher hat es in seiner Zeit als Cheftrainer in Polen geschafft, einen Flieger wie Kamil Stoch zum Tournee-Gesamtsieger zu machen. Am Ende sitzen die Springer oben auf der Schanze und müssen es richten. Stef arbeitet akribisch, in jedem Bereich. Deshalb wird der deutsche Tourneesieg passieren, bevor ich in Rente gehe – deutlich davor.
Skisprungexperte
Ausnahmetalent
Sven Hannawald (48) gewann als erster Sportler 2002 alle vier Springen der Vierschanzentournee. Er ist zudem vierfacher Weltmeister und Olympiasieger im Team. 2005 beendete er seine Karriere, nachdem er an Burn-out erkrankt war.
TV-Experte
Seit dem Jahr 2016 arbeitet der gebürtige Sachse als Skisprungexperte fürs Fernsehen, zunächst für Eurosport, heute für die ARD.