Vier Geschichten von seltsamen Dingen Klangtherapie: Menschen mit verrückten Gegenständen

Von Heike Hampl

Scherleithen hat seine wilden Tage hinter sich: Am Wochenende sind rund 3500 Feierende zum Musikfestival Klangtherapie in die Nähe von Plankenfels gekommen. Viele von ihnen haben seltsame Gegenstände mitgebracht. Vier Geschichten von Dingen mit Bedeutung.

Menschen bringen die seltsamsten Gegenstände mit zum Festival: warum eigentlich? Foto: Andreas Harbach Foto: red

Mülleimer und Fahne: Ein guter Zweck
 

Ein Besucher aus Bamberg steht vor dem Sandpalast, in dem die Menschen barfuß auf Sand zur Live-Musik tanzen. Mit der linken Hand streckt er eine Fahne in die Luft, mit der rechten klammert er sich an einem Mülleimer mit Loch im Deckel fest. Was hat es damit auf sich? "Ich sammle Spenden", sagt er. Viva con agua heißt die Organisation, der Verein setzt sich dafür ein, die Trinkwasserversorgung in Entwicklungsländern zu verbessern. "Die Besucher können ihren Pfandbecher in meinen Mülleimer werfen und damit Gutes tun", sagt der Ehrenamtliche. Dabei will er die Feiernden nicht nerven oder mahnen. "Ich halte mich im Hintergrund und erkläre denjenigen, die mich ansprechen, worum es uns geht." Allerdings: Bei der Klangtherapie sammelt er weniger Geld als bei anderen Festivals. Das liege nicht am Geiz der Besucher. "Hier wird einfach nicht so viel Bier getrunken."

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Das Wespen-Hass-Schild: Eine schnelle Rache

Eigentlich wollte Leo Henssler aus Bamberg zum Bienenvortrag bei der Klangtherapie gehen. Also etwas lernen über Bienen und deren Rolle in der Natur. Gemeinsam mit Freundin Katja Mayer aus Regensburg hat er zwei Schilder gebastelt: Eines, auf dem steht "Bienen sind voll cool". Und eines, auf dem steht "Wespen sind voll doof". Das allerdings haben die beiden schnell bereut. Eine Wespe stach Katja Mayer am Hals, Leo Henssler hat es am Oberschenkel erwischt. "Die habens sich offenbar für unser Schild gerächt", sagt der 21-Jährige. Die beiden haben die Attacken aber gut überstanden. Ihr Anti-Wespen-Schild haben sie trotzdem den ganzen Abend dabei.

Brennende Poi: Ein heißes Spektakel

Eberhard Wolter aus Roth hat als Flammenartist ein Poi dabei. Die Enden der Metallketten bestehen aus Kevlar. Das ist ein Material, das selbst nicht brennt. Erst, wenn Wolter die Enden seines Poi in Lampenöl taucht, können sie brennen. "Dabei ist mir der Umweltschutz am wichtigsten", sagt er. Wolter achtet penibel darauf, keinen Tropfen Öl in der Erde versickern zu lassen. Das erfordert Übung und Geschick. Die Manege, in der beim Klangtherapie Festival Feuerkünstler auftreten, ist stets gut besucht. Feuer fasziniert. Bis auf Brandblasen hat Wolter sich in seiner Karriere noch keine schlimmeren Verletzungen zugezogen. "Respekt vorm Feuer gehört in dem Job dazu", sagt er. Und zu einem Festoval gehört für ihn eben immer ein brennender Poi.

Lorek der Drache: Ein ulkiger Kumpel

Lorek steht auf Glitzer. "Glitzer ist immer wichtig", sagt Benny Neumeyer aus Berching im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz. Lorek ist ein Drache Marke Eigenbau. Er besteht aus einer dekorierten Pool-Nudel. Schon seit einigen Jahren bringt Neumeyer den Drachen mit zu Musikfestivals. "Man kommt leicht mit Leuten ins Gespräch, wenn man etwas Kurioses dabei hat", sagt er. Noch ein Vorteil: Man verliert seine Freunde nicht so schnell, Lorek ragt nämlich über alle Köpfe. "Es kamen schon oft Leute auf mich zu, die Lorek kaufen wollten." Auf dieses Geschäft würde sich Neumeyer aber zu keinem Preis der Welt einlassen, sagt er. "Ich geb den Leuten dann immer mit auf den Weg, wie sie sich selbst einen Drachen basteln können."

Gesundheit und Sicherheit: Fazit der Einsatzkräfte

Rund 3500 Menschen haben von Donnerstag bis Sonntag gefeiert. Das Bayerische Rote Kreuz musste insgesamt 230 Patienten versorgen. Viele Feiernde wurden von Wespen gestochen. Aber auch Mischkonsum war ein Problem. „Die meisten wurden nach einiger Beobachtung wieder klar“, sagt Pressesprecher Tobias Schif. „Außerdem haben viele sogenannte Kräutermischungen geraucht und nicht vertragen.“ Sechs Patienten landeten mit dem Sanka im Krankenhaus. Ein Patient musste am Samstagabend mit dem Hubschrauber abtransportiert werden. „Es gab keinen einzigen Gewaltausbruch, das Publikum war überdurchschnittlich friedlich“, sagt Sergej Klauser von Intercept Security.  Der Einsatz läuft am Sonntag noch, die Polizei wird am Nachmittag ein Zwischenfazit ziehen.