Viele stecken Tausende Euros in ihr Hobby 90 Modell-Piloten gehen beim Flugplatzfest in Buchau an den Start

Von Maximiliane Rüggeberg
Volle Konzentration: Wenn Robert Sixt (39) seinen Helikopter steigen lässt, kann ihn nichts ablenken. Die Rotorblätter erreichen bis zu 400 Km/h. Wer da nicht aufpasst, kann schnell jemanden verletzten. Foto: Münch Foto: red

Schauspiel am Himmel: Rund 90 Modell-Piloten haben am Pfingstwochenende in Buchau ihre Helikopter, Doppeldecker und Sportflieger starten lassen. Die jährliche Veranstaltung des Modellflugclubs Pegnitz lockt Liebhaber des Sports aus der ganzen Region in den Pegnitzer Stadtteil. Unter ihnen war dieses Mal sogar ein ehemaliger deutscher Meister. 

 
Schließen

Diesen Artikel teilen

Robert Sixt ist ein Mensch, der keine Fehler machen darf. Der kleinste Patzer kostet ihn schnell mehrere tausend Euro. Der 39-Jährige ist Modellflieger und steuert gerade seinen Miniatur-Helikopter über den Flugplatz in Buchau. Volle Konzentration ist gefragt, damit die gewagten Flugmanöver nicht in einer Bruchlandung enden. Wenige Meter entfernt verfolgen Dutzende Zuschauer gespannt die Kunststücke des Rosenheimers beim Modellflugplatzfest - trotz schweißtreibender Temperaturen von 30 Grad im Schatten.

Helikopter kann zur Mordwaffe werden

Robert Sixt rinnen bereits die Tropfen die Stirn runter. Aber er lässt sich nicht ablenken. Sein kleiner Helikopter sieht zwar aus wie ein Spielzeug, „aber er kann zur Mordwaffe werden, wenn man nicht aufpasst“, sagt der 39-Jährige. Die Rotorblattspitzen erreichen schnell Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 400 Km/h. Sixt musste viel üben, bis er seinen Flieger voll unter Kontrolle hatte. „Und früher gab es noch keine Simulatoren oder Computerprogramme.“ 1993 hat ihn die Leidenschaft fürs Modellfliegen gepackt.

Viele Titel hat er seitdem bei Wettbewerben abgeräumt. Den letzten erst im vergangenen Jahr beim Speed-Fliegen in Siegen. Vor einigen Jahren hat Sixt sogar die deutsche Meisterschaft gewonnen. Der 39-Jährige opfert viel Zeit und Geld für seine Leidenschaft. Unter der Woche schraubt er an seinen Helikoptern, die Wochenenden verbringt er auf dem Flugplatz. Wie viele Stunden Sixt schon in sein Hobby gesteckt hat, kann er gar nicht sagen. Es gilt das Motto: Je mehr, desto besser.

Diese Einstellung hat auch Peter Finsterwalder. Der 73-jährige Ostfriesländer ist schon länger Modellflug-Fan, als es Robert Sixt überhaupt gibt. Um genau zu sein 60 Jahre. Schon als kleiner Junge hat er Modell-Flugzeuge geliebt. Von Spitzengeschwindigkeiten und Hochleistungs-Akkus war man 1954 natürlich noch weit entfernt. Peter Finterwalder baut damals schon seine Flugzeuge selbst, aus Holz und Metall. Mit den Jahren wurde er immer geschickter, die Technik immer besser. „Aber in den Siebzigern, da waren die Sender immer noch so groß“, sagt der 73-Jährige, lacht und hält seine Hände weit auseinander. Mittlerweile ist er im Rentenalter, doch er reist mit Ehefrau Lisa und Mischlings-Dame Lilli immer noch zu Flug-Tagen in ganz Deutschland. Seine gesamte Garage steht voll mit Modellen. Alle Eigenarbeit.

Bruchlandungen gehören dazu

Genau wie der orange-farbene Doppeldecker, mit dem er in Buchau an den Start geht. Zwei Jahre Arbeit und 10 000 Euro stecken in dem 25 Kilo schweren Modell. Allein der Motor kostet 4000 Euro. Der Jungfernflug hat den Rentner Überwindung gekostet. „Ich hätte mir bald in die Hose gemacht“, sagt der 73-Jährige. Schon zu oft hat er erlebt, wie eins seiner liebsten Stücke wegen eines Fehlers vom Himmel gestürzt ist. „Das passiert leider immer mal“, sagt Finsterwalder. „Aber es spornt auch wieder unheimlich an.“

An diesem Tag geht alles gut. Sein Doppeldecker startet brummend gen Himmel und zieht dann weite Kreise über den Flugplatz. Am Ende ist Peter Finsterwalder zufrieden. Genau wie die rund 90 anderen Modell-Piloten, die zum Flugplatzfest angereist sind. Die jährliche Veranstaltung des Modellflugclubs Pegnitz lockt Liebhaber des Sports aus der ganzen Region nach Buchau. Das komplette Pfingstwochenende verbringen die Modell-Piloten dort, viele haben ihren eigenen Wohnwagen dabei. Auch Peter Finsterwalder hat es sich in einer Flug-Pause unter der Markise seines Wohnwagens bequem gemacht. Der 73-Jährige will noch etwas Kraft tanken, bevor er seinen Doppeldecker wieder abheben lässt. Sein Hobby aus Altersgründen an den Nagel zu hängen, kann er sich beim besten Willen nicht vorstellen. Es gibt schließlich immer einen nächsten Start.