Viele lachen, einige schütteln die Köpfe 1. Bayreuther Zombie Walk: Untote erobern die Innenstadt

Von Eyke Swarovsky

Da sag' noch mal einer, in Bayreuth sei nichts los. Neben der großen Modenschau trafen sich Samstagnachmittag am Neptunbrunnen rund 40 Leute, die so gar nichts mit der neuen Herbstmode zu tun hatten. Im sozialen Netzwerk Facebook wurde zum ersten Bayreuther Zombiewalk aufgerufen. Die 130, die sich dort angekündigt hatten, kamen nicht. Aber die, die durch die Fußgängerzone liefen, waren eine große Attraktion für alle Passanten.

Es fließt Blut am Neptunbrunnen um kurz vor vier Uhr am Samstag - Kunstblut. Etwa 20 Menschen stehen um den Brunnen herum und ziehen die Blicke auf sich. Sie sehen übel zugerichtet aus. Aber genau das ist es, was den Flashmob ausmacht. Im Jahr 2001 fand im US-amerikanischen Sacramento der erste Zombiewalk statt, seitdem findet die gruselige Spaßveranstaltung immer mehr Nachahmer.

Nach der Werbung weiterlesen

Die Idee, einen Zombie Walk in Bayreuth zu veranstalten hatte Jacks The Ripper. Ihren echten Namen nennt sie nicht. Es ist der Kunstname, den sie auch auf Facebook benutzt. Auch bei ihrem Alter spielt sie nicht mit offenen Karten: "Ich bin ewige 22", sagt sie. Dabei schaut sie durch weiße Kontaktlinsen. Ihr Gesicht ist so geschminkt, als hätte sie gerade eine Explosion aus nächster Nähe miterlebt. Die Kehle ist durchgeschnitten, überall ist Blut. Dazu trägt sie eine alte, zerfetzte Polizeiuniform. Man kann Angst bekommen, wenn man sie so sieht. "Der Zombie Walk ist mittlerweile in Deutschland angekommen, aber in unserer Region hat es das noch nicht gegeben. Da habe ich mir gedacht, ich schaue mal bei Facebook, wie viele Leute bei so etwas mitmachen würden", sagt sie. Dass der Umzug parallel zur Modenschau stattfindet, hatte sie nicht geplant. "Ich habe es aber bewusst in die Festspielzeit gelegt."

Fast alle machen Fotos

Schon als die Truppe nur beisammen steht und auf weitere Untote wartet, bleiben viele Leute stehen, zücken ihre Smartphones und schießen Fotos. Ein älterer Mann geht zu einem Zombie und fragt ihn: "Was machen Sie hier?" Der Untote antwortet freundlich: "Wir laufen gleich durch die Stadt. Das ist der Zombie Walk." "Achso", sagt der Mann, dreht sich um und geht weg.

Auch Michael Angerer, der die Modenschau mit veranstaltete, kam kurz zu den Gruselgestalten hergelaufen. Es schien, als hätte er ein wenig Angst, dass die Zombies der Modenschau die Show stehlen könnten. Alles aber halb so wild. Die Zombies hatten eine andere Route, die erst einmal vom Stadtparkett in die Von-Römer-Straße wegführte. Angerer kam noch eine Idee: "Wenn ihr zwischen viertel vor Fünf und Fünf wieder hier seid, könnt ihr auch über den Laufsteg gehen."

Riesen Gaudi

Zora Köllmayr ist eine der Untoten. "Ich habe da bislang noch nicht viel von gehört, aber finde es cool und es macht einfach Spaß", sagt die 17-Jährige. Sie ist unter anderem mit ihrer Freundin Gina Rose dabei. Auch sie ist 17 Jahre alt. Etwa eine halbe Stunde hat sie benötigt, bis sie wie ein Zombie aussah. "Es ist einfach eine riesen Gaudi", sagt sie.

Alles genehmigt und abgesichert

Die Verantalterin ging auf Nummer sicher, als sie den Zombiewalk plante. "Ich habe mich an die Polizei gewandt, um alles anzumelden", sagt sie. Die haben sie jedoch weitergeleitet an das Ordnungsamt. Dort sollte sie die geplante Route vorlegen. "Die sagten mir, dass ich eine Genehmigung bräuchte, wenn ich auf öffentlichen Straßen laufen möchte und das wäre mit viel Geld verbunden gewesen." Also plante sie um und legte eine neue Route vor, die nur durch die Fußgängerzone führte. "Dafür brauchte ich dann keine Genehmigung mehr", sagt sie. Trotzdem bat sie alle Zombies, einen Euro in ihre Spendendose zu schmeißen. Denn Auslagen gab es auch ohne Genehmigung. "Ich habe eine Versicherung für bis zu 500 Personen abgeschlossen, falls sich jemand nicht benommen hätte und irgendwas kaputt gegangen wäre.

Doch es ging nichts kaputt. Alle hielten sich an die Regeln - "Kein Müll, nicht randalieren und keine Kinder und alte Leute erschrecken", hieß es zu Beginn. Während viele Passanten Fotos von der Truppe machten, schüttelten auch einige - zumeist Ältere - den Kopf. "Was ist denn hier los", dachte Gabriele Stolz, als die zerfetzte Polizistin als Erste der Gruppe um die Ecke bog. "Ich war ein wenig schockiert", sagt sie. "Ich dachte schon, es wäre etwas passiert." Auch Marga Gutbrud hatte sich erst erschrocken, bekam dann aber ein Grinsen aufs Gesicht. "Ich habe dann gemerkt, dass das eine Veranstaltung ist und dass nichts passiert ist. Das ist dann schon in Ordnung, dass man so etwas einfach zum Spaß macht", sagt sie.

Nach nicht ganz einer Stunde kommen die Zombies wieder am Stadtparkett an und Michael Angerer hält sein Versprechen. Und welches Lied passt besser zu Monstern auf dem Laufsteg als Michael Jacksons "Thriller"? Gäste applaudieren. "Ey Alter, du hast ein Auge verloren", sagt der Moderator ins Mikro. Ausgelassene Stimmung und tanzende Zombies. Ein gelungener Abschluss für Bayreuths ersten Zombie Walk.

Fotos: Harbach