Die Bäckerei Lang, einer von sechs Innungsbetrieben in der Stadt Bayreuth, wird in diesem Jahr an Heiligabend geschlossen bleiben. "Es gibt heutzutage genug Möglichkeiten, sich an diesem Tag seine Brötchen selbst zu machen", sagt Inhaberin Alexandra Zimmer. Sie findet, dass sich die Menschen, die sonst immer an Heiligabend arbeiten müssen, einen freien Tag verdient haben. "Wir freuen uns schon riesig darauf, einmal normal Weihnachten feiern zu können", sagt sie. Das heißt ohne Müdigkeit. Denn der Bäcker beginnt bekanntlich nicht morgens mit dem Backen, sondern nachts. Und wer um 3 Uhr loslegt, ist abends zur Bescherung natürlich nicht fit. "Da schläft der Bäcker halb unter dem Weihnachtsbaum ein", sagt Zimmer. Neben der Bäckerei Lang haben auch die Bäckerei Nitschke und die Bäckerei Fuhrmann geschlossen.

Bäcker entscheiden selbst ob sie öffnen

Eine bundesrechtliche Verordnung regelt die Öffnungszeiten für Bäcker an Sonntagen. Da Heiligabend kein Feiertag ist, gilt diese auch in diesem Jahr. Diese Verordnung besagt, dass Bäcker drei Stunden öffnen dürfen. In welchem Zeitraum diese drei Stunden liegen, legt jede Kommune selbst fest. "Im Bayreuther Stadtrecht steht, dass Bäcker an Sonntagen in der Zeit von 7 Uhr bis 17 Uhr öffnen dürfen", erklärt Kerstin Dettlaff-Mayer, Pressesprecherin der Stadt Bayreuth. Wann und ob sie an einem Sonntag backen entscheiden die Bäcker im Grunde selbst - auch in diesem Jahr an Heiligabend.

Cafés dürfen länger öffnen

Die Bäckerei-Konditorei Gottfried Hulinsky öffnet kommenden Sonntag von 8 bis 11 Uhr, die Geseeser Landbäckerei von 7 bis 10 Uhr. Beide bieten die Waren aber nur auf Vorbestellung an. Wer spontan ein Brötchen kaufen will, guckt in die Röhre. Bei der Bäckerei Zollinger sieht es anders aus. Da ein Café dabei ist, darf sie länger öffnen: von 8 bis 12 Uhr. Vorbestellungen sind deshalb nicht nötig. Das gilt auch für die Fränkische Dorfbäckerei. Die Bäckerei Schaller öffnet von 8 bis 11 Uhr. Geschlossen bleiben an Heiligabend hingegen die Filialen der Bäckereien Fuchs, Kutzer und Brunner.

Gewerkschaft übt Kritik

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten in Oberfranken kritisiert die Öffnung der Bäckereien an Heiligabend und fordert die Bäcker auf, ihre Entscheidung zu überdenken. „Das ist auch Wertschätzung, die man seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entgegen bringt“, sagt Gewerkschaftssekretär Tim Lösch. Die Öffnung der Filialen an Heiligabend bedeute zwar für die Bäckereien in der Regel hohe Einnahmen, da die Kunden an diesen Tagen Zeit und Muße haben, um ihre Einkäufe zu erledigen, heißt es in einer Pressemitteilung. Da jedoch der Tag vor Heiligabend ein Samstag ist, biete dieser zumindest den meisten Menschen die Möglichkeit, für die Feiertage einzukaufen. „Da wo es möglich ist, sollten die Geschäfte zum Wohle der Beschäftigten geschlossen bleiben, und das können wir als Konsumenten beeinflussen“, sagt Lösch.