Viel Prominenz hat sich eingetragen Ein Stück Heimatgeschichte

Der weltberühmte Clown Oleg Popov (Mitte) kam 2005 nach Auerbach. Er ist einer der bekanntesten Persönlichkeiten, der in der Stadt zu Gast war und lebte zeitweise in der Fränkischen Schweiz. Herausragender Besuch war der von Nobelpreisträger Günter Grass, der 2003 zur Lesung bei „Kultur in Auerbach“ war. Foto: Fotos:Brigitte Grüner

Ein Blick in das Goldene Buch der Stadt ist wie eine spannende Reise in die Vergangenheit

Auerbach - Im Goldenen Buch der Stadt werden nicht nur viele Unterschriften geleistet; es wird auch Heimatgeschichte geschrieben. Viele Ereignisse, Feste, Einweihungen, aber auch traurige Momente kommen beim Durchblättern zurück in die Erinnerung.

Bürgermeister Fritz Finsterer hat das erste „Goldene Buch“ der Stadt Auerbach im Januar 1958 mit den Worten „Möge dieser alten Stadt in Frieden eine sichere Zukunft beschieden sein.“ eingeleitet. Das Stadtwappen auf dem Umschlag des dicken Lederbandes zeigt noch das frühere Motiv mit den weiß-blauen bayerischen Rauten und dem kleinen Fluss, der durch eine grüne Au fließt. Dieses Wappen war 1819 eingeführt worden, weil der damalige Bürgermeister nicht neben einem Ochsen unterschreiben wollte. Erst 1963 durfte der Auerochse wieder in das Wappen der Stadt zurückkehren. Auf dem zweiten „Goldenen Buch“ Auerbachs, das seit Februar 2009 verwendet wird, ist ein in Gold geprägter Auerochse zu sehen.

Walter Lee Cherry war überwältigt

Unzählige Gäste der Stadt haben sich mit ihrer Unterschrift in den beiden Büchern verewigt. Hochrangige Politiker und Kirchenvertreter gehören dazu, aber auch Künstler, Sportler und Ehrenbürger. In den vergangenen Jahren sind auch die Gäste der Besten-Ehrungen der Stadt – die erste fand 2011 statt – nachzulesen. Viele guten Wünsche, aber auch Versprechen wurden hinterlassen. Am 12. September 1974 verewigte sich der Firmengründer und spätere Ehrenbürger Walter Lee Cherry. In jenem Jahr hatte Cherry ein 20 000 Quadratmeter großes Grundstück im Industriegebiet-Süd gekauft mit dem Ziel, dort ein Werk zu errichten. In seinem Gästebuch-Eintrag zeigt sich der Amerikaner überwältigt von der Aufrichtigkeit und Freundlichkeit, die er in der „lovely city“ erfahren durfte. Es sei Hoffnung und Versprechen, der Stadt mehr zurückzugeben als er erhalten habe. Im Juli 1986 wurde Walter Lee Cherry vom Stadtrat zum Ehrenbürger ernannt. Ebenso wie sein Nachfolger in der Firma und Sohn Peter B. Cherry. Die Festsitzung am 26. Oktober 2006 ist im Goldenen Buch mit einer ganzen Seite voller Unterschriften dokumentiert.

Immer wieder kamen kirchliche Würdenträger in die Stadt und trugen sich ein. Häufig waren es die Erzbischöfe aus Bamberg, am 8. November 2015 war sogar ein Kardinal zu Gast. Seine Eminenz Joachim Kardinal Meisner verewigte sich mit „Gott alleine genügt – span. Dios solo basta. Für Auerbach sollte ab heute gelten: Gott und basta!“

Für sportlich Interessierte ist das Goldene Buch ebenfalls eine aufschlussreiche Lektüre. Nicht nur, weil Fußballteams aus Brasilien oder bekannte Kicker aus der Bundesliga in der Gemeinde waren. Auch die Aufstiege und sportlichen Leistungen der Fußballer und Handballer sind ersichtlich. Bei jedem nennenswerten Aufstieg wurden die Mannschaften in das Rathaus eingeladen und beglückwünscht, und durften sich mit ihrer Unterschrift verewigen. Das Goldene Buch zeigt auch, wie erfolgreich vor Jahrzehnten die Sparte Faustball des ASV Auerbach war. In den vergangenen 20 Jahren machten in regelmäßigen Abständen die Handballer von sich reden. Mal waren es Jugendteams, mal die erste Mannschaft, die 2012 erstmals den Sprung bis in die dritte Bundesliga schaffte. Dem Erfolg des Teams um Trainer Tobias Wannenmacher war auch ein Freundschaftsspiel gegen die Bundesligamannschaft der Füchse Berlin zuzuschreiben. Im Juli 2014 kamen die Spieler unter Trainer Dagur Sigurdsson unter anderem mit Nationaltorwart Silvio Heinevetter nach Auerbach und trugen sich im Goldenen Buch ein.

In den beiden Büchern lohnt auch der Blick zurück. Besonders in den Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Auerbach zahlreiche Einweihungen: Einweihung des Erweiterungsbaues der Volksschule in Auerbach am 3. September 1959; Einweihung des neuen Kreiskrankenhauses am 30. Januar 1960; Richtfest für die biologisch-chemische Zentralkläranlage am 17. Oktober 1963; Richtfest für das Beckenbad am 21. November 1963; Einweihungsfeierlichkeiten am 12. Dezember 1964 (Feuerwehrgerätehaus, Kläranlage und Turnhalle). Die Liste zeugt von der kontinuierlichen Verbesserung der Infrastruktur in Auerbach.

Viele nette Eintragungen finden sich bei Besuchen der Freunde und Paten aus Schlaggenwald, Laneuveville oder von den Seeleuten der Patenschiffe „Neptun“ und „Auerbach/Opf.“. „Ich komme immer mit viel Vergnügen. Auerbach ist meine zweite Heimat. Glück Auf!“, schrieb Stadtrat Georges Maucourt. „Für mich ist dieser Tag einer der schönsten in meinem Marineleben“, war der spätere Ehrenbürger Joachim Rehberg von der Feier „50 Jahre Patenboot“ im Juli 2013 begeistert. Auch Gäste aus Siassi in Papua-Neuguinea, Musiker des Boston-High-School-Orchesters, Geologen aus Russland oder ein japanischer Generalkonsul besuchten Auerbach. Höhepunkte für die Stadt waren die Besuche ganz berühmter Zeitgenossen. Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass war am 18. Dezember 2003 auf Einladung des Vereins „Kultur im Keller“ in Auerbach. Im September 2005 war der berühmte russische Clown Oleg Popov im historischen Sitzungssaal zu Gast. Liedermacher Konstantin Wecker folgte im Sommer 2014 anlässlich eines Konzerts zum Stadtjubiläum.

Erinnerung an herausragende Persönlichkeiten

Auch Bürgermeister Joachim Neuß hat schon im Goldenen Buch geblättert. Es habe ihn interessiert, wer in den letzten 50 Jahren vor seiner Amtszeit die Stadt besucht hat und welche Eindrücke diese Gäste niedergeschrieben haben. „Zudem wecken viele Personen, die sich im Goldenen Buch verewigt haben, immer auch geschichtliche Erinnerungen.“ Viele Besucher empfinden es als eine Wertschätzung, wenn sie um einen Eintrag gebeten werden, hat er festgestellt. Entsprechend gerne wird im Buch unterschrieben.

Für Joachim Neuß sind mit dem Goldenen Buch Erinnerungen an herausragende Persönlichkeiten wie Günter Grass oder Landes- und Bundespolitiker verbunden. Aber auch die Verleihung von Ehrenbürgerwürden sowie Vereinsjubiläen oder sportliche Erfolge, Empfänge zu besonderen Feierlichkeiten wie dem Stadt- oder Klosterjubiläum sowie Treffen mit Paten und Partnern bleiben im Gedächtnis. Die Bitte um den Eintrag in das Goldene Buch sei immer ein Zeichen der Ehrerbietung, dokumentiere aber auch einen Teil der Geschichte. „In diesem Sinne ist mir das Goldene Buch sehr wichtig.“

 

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