Verteilaktion in Bayreuth Kinderleicht Ukrainisch lernen

Eine Familie als Autor: Theresa Meixner mit ihren Kindern Romina und Leopold, die den Anstoß zum deutsch-ukrainisch-englischen Kinderwörterbuch gaben. Bei der Realisierung halfen sie kräftig mit. Foto: red

Kinder brauchen nicht viele Worte, um sich zu verstehen. Ein paar aber doch. Um geflüchteten ukrainischen Kindern die Verständigung im Gastland zu erleichtern, hat eine Unterfränkin auf Anregung ihrer eigenen Kinder ein deutsch-ukrainisches Wörterbuch geschaffen. Auch in Bayreuth wird es gerade verteilt.

Wie sagt man auf Ukrainisch „Guten Tag“? Wie können ukrainische Kinder sich auf Deutsch verständlich machen? Am besten mit Hilfe eines deutsch-ukrainischen Bilderbuchs, das die wichtigsten Begriffe erklärt und übersetzt. Als man solche Bücher in diesem Frühjahr in Deutschland wegen der Flucht ukrainischer Familien vor dem Krieg plötzlich brauchte, gab es sie erst mal nicht. Theresa Meixner, eine junge Mutter aus Kahl am Main, hat das geändert. Ihr neues Bilderbuch ist inzwischen bundesweit verbreitet und auch in Bayreuth angekommen.

Ein Erstlingswerk

Theresa Meixner hat noch nie ein Buch veröffentlicht. Die 40-jährige Unterfränkin arbeitet als selbstständige Grafikerin, hat schon für Zeitschriften gearbeitet. Der Anstoß für ihr deutsch-ukrainisches Erstlingswerk kam von ihren eigenen Kindern Leopold (7) und Romina (11), erzählt sie dem Kurier. „Die Nachrichten vom Krieg in der Ukraine haben Romi sehr mitgenommen. Sie war viel traurig und hat sich große Sorgen gemacht, dass sich die nach Deutschland geflüchteten Kinder in der Schule und in der Kita nicht verständigen können. Und dann sagte sie zu mir: Mama, mach doch ein Kinderbuch, damit sie unsere Sprache besser lernen können.“

„Die Welt ist schön, weil DU mit drauf bist“

Und die Mama machte. In nur drei Tagen entstand ein 40-seitiges Büchlein mit dem Mutmachtitel „Die Welt ist schön, weil DU mit drauf bist!“. Es enthält viele bunte Illustrationen, die wichtige Begriffe aus dem Alltagsleben erklären: Aus den Bereichen Familie, Schule, Essen und Trinken, Natur, Tiere oder Konversation. Dazwischen immer wieder Bastelbögen zum Ausschneiden oder Ausmalen. Über eine Freundin fand Theresa Meixner einen ukrainischen Arzt in Nürnberg, der die Begriffe für sie übersetzte. Und zwar nicht nur in die kyrillische Schriftsprache, sondern auch in Lautsprache, sodass auch Deutsche mit Hilfe des Buches ukrainische Wörter aussprechen können. Zusätzlich sind die Begriffe ins Englische übersetzt.

Kostenlos an Kinder verteilt

Auch bei der Produktion des Buches halfen die Meixner-Kinder mit. Mal fanden sie die von Mama ausgewählte Illustration nicht lustig oder bunt genug, mal gaben sie Anregungen, welche Themen noch aufgenommen werden müssten. Am Ende entstand das Büchlein, gedacht für die Altersgruppe von etwa drei bis acht Jahren. Theresa Meixner weiß aber auch von Lehrern, die das Buch nutzen, damit sie ukrainische Wörter sprechen können. Sehr schnell fand sie Sponsoren, damit es mit einer Auflage von zunächst 20.000 gedruckt und im Landkreis Aschaffenburg, zu dem Kahl gehört, kostenlos an die Kinder verteilt werden konnte.

500 Hefte für Bayreuth

Meixner verschickte Probeexemplare an alle deutschen Landkreise und an Städte – und die Resonanz übertraf alle ihre Erwartungen. Mittlerweile sind weitere 50.000 Exemplare gedruckt, 5.000 bestellte allein die sächsische Staatsregierung. Zu den Kunden zählen auch die Landkreise Coburg, Kronach, Hildburghausen und Sonneberg. Auch die Stadt Bayreuth hat auf Veranlassung von Sozialreferentin Manuela Brozat 500 der Hefte geordert, bezahlt von Spendengeldern. Der Bayreuther Integrationslotse Ibukun Koussemou verteilt sie gerade kostenlos an ukrainische Kinder in den diversen Unterkünften.

Fortsetzung folgt

Überwältigt von der Nachfrage auf ihr Erstlingswerk hat Theresa Meixner bereits eine Fortsetzung fertiggestellt, mit weiteren Vokabeln und neuen Themen. Der hilfreiche Arzt in Nürnberg hat inzwischen auch seinen in der Ukraine lebenden Vater mit in die Übersetzung eingeschaltet. Wann das Büchlein erscheinen kann, ist aber unsicher. „Ich habe so viel mit der Bearbeitung der immer noch eingehenden Bestellungen zu tun“, sagt sie. Schon gebe es auch Anfragen, ob sie solche Büchlein nicht auch für arabische oder afrikanische Sprachen entwerfen könnte. „Das hat so riesig Spaß gemacht, warum eigentlich nicht“, sagt sie und wünscht einen guten Tag – auf ukrainisch „dobrij den‘“.


Wer an dem Heft interessiert ist, kann sich wenden an den Integrationslotsen der Stadt Bayreuth, E-Mail: ibukun.koussemou@stadt.bayreuth.de; Telefon 0921/ 0921/251740; Mobil: 0151/16997074; Die Autorin ist zu erreichen per Mail an theresa@einzigartige-medien.de.

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