Verteidiger-Offensive vor dem Prozess gegen Michael Krause: Für die 3,7 Millionen Euro gab es Gegenleistung Ex-NKD-Manager als „Sündenbock“

Von Manfred Scherer

Ist er ein Krimineller oder sitzt er zu Unrecht seit acht Monaten in U-Haft? Der wegen Millionenuntreue angeklagte ehemalige NKD-Geschäftsführer Michael Krause hat sich vor seinem am Dienstag in Hof beginnenden Prozess erstmals indirekt öffentlich geäußert: Seine Verteidiger erklärten auf Kurier-Anfrage, Krause halte sich für unschuldig. Die Anwälte wollen beweisen, dass der Manager unternehmensintern zum „Sündenbock“ gemacht worden sei.

Der ehemalige NKD-Chef Michael Krause steht ab Dienstag, 18. März, in Hof vor Gericht: Er ist wegen Untreue in Millionenhöhe angeklagt. Kurz vor dem Prozess hat er über seine Verteidiger die Vorwürfe zurückgewiesen. Foto: Archiv Foto: red

Wie berichtet, wirft die Wirtschaftsstaatsanwaltschaft in Hof Krause und dem früheren Prokuristen Uwe K. gemeinschaftliche Untreue in vier besonders schweren Fällen vor. Die zwei Angeklagten sollen zwischen April und Oktober 2012 in vier Teilbeträgen 3,7 Millionen Euro über eine Tochtergesellschaft in Hongkong an eine Gesellschaft in Zypern transferiert haben.

Nach der Werbung weiterlesen

Der Einschätzung der Anklage, die Zahlungen seien ohne Rechtsgrund und sonstige Verpflichtungen erfolgt, treten Krauses Verteidiger, die Bayreuther Anwälte Volker Beermann und Tobias Liebau, vehement entgegen. Beermann: „Das Geld floss mit Wissen und Wollen des damaligen Eigentümers Claas Daun.“ Mit den 3,7 Millionen Euro habe die NKD eine tatsächliche Leistung eingekauft – nämlich eine Liste mit Informationen über Einkaufspreise. Mit den Informationen, die Brancheninsidern zufolge mit Hilfe von Korruption bei den Herstellern zustande gekommen sein könnte, habe das Unternehmen bei Textilherstellern in Asien die Einkaufspreise um etwa 30 bis 40 Prozent „gedrückt“. Die Folge: NKD habe in den Büchern einen um zirka 20 Millionen Euro erhöhten Bruttogewinn ausweisen können.

Nach Ansicht der Anwälte diente die „nachweisbare Ertragssteigerung“ einem Zweck: Der damalige Eigentümer Daun & Cie. habe „die Braut NKD hübsch machen wollen“, um den Bindlacher Textiler möglichst mit Gewinn zu verkaufen. Daun & Cie. habe Krause im Dezember 2011 als Geschäftsführer geholt, um den wirtschaftlichen „Turnaround“ zu schaffen, also wieder in die Gewinnzone zu kommen.

Der 37-jährige Krause galt schon früh als Top-Manager, er war bei der Post, bei Karstadt, Siemens und bei Peek & Cloppenburg. Unter Krauses Führung expandierte NKD stark – das Filialnetz wurde erweitert, NKD kaufte Läden der insolventen Drogeriekette Schlecker. Für den Versuch des „Turnarounds“ hatte Daun & Cie. eine externe Gesellschaft ins Boot geholt, die Firma Inverto. Sie ist spezialisiert auf „Prozessoptimierung“ und habe, so sagen die Anwälte Beermann und Liebau, die Senkung der Einkaufspreise vorgegeben.

Da diese Maßnahmen erst später greifen konnten, habe sich laut Krauses Anwälten die wirtschaftliche Lage verschlechtert: „NKD wurde für Daun ein Klotz am Bein.“ In den vom Eigentümer Claas Daun angepeilten Verkauf der NKD brachte Krause sich selbst als Käufer ins Gespräch, erklärt Anwalt Beermann: „Mein Mandant hatte bereits eine Finanzierung festgemacht. Als er merkte, dass Daun mit unseriösen Zahlen arbeitete, kam es zum Zerwürfnis.“

Das war im Februar 2013, und in der Folge wurde Krause „zum Sündenbock gemacht“, behaupten die Anwälte. Auf eine anonyme Anzeige hin ermittelte die Bayreuther Kripo gegen Krause, knapp ein Jahr, nachdem die Asien-Einkaufsgesellschaft der NKD, die Firma Sun Fortune, mit dem Transfer der 3,7 Millionen an die zypriotische Firma Zarando begonnen hatte. Im Mai 2013 wurde Krause gefeuert, am 10. Juli wurden die Geschäftsräume in Bindlach durchsucht, gegen Krause erging tags darauf Haftbefehl. Der Haftbefehl gegen den mitangeklagten Prokuristen Uwe K. ist außer Vollzug gesetzt.

Im November 2013 kaufte der Finanzinvestor Opcapita die NKD. Im Januar 2014 kündigte die NKD eine Restrukturierung an, rund 100 Filialen sollten geschlossen werden. In der Bindlacher Zentrale wurden knapp 100 Mitarbeiter entlassen.

Sollte die Verteidigungsstrategie, Krauses Unschuld zu beweisen, fehlschlagen, droht dem Manager Gefängnis: Untreue im besonders schweren Fall ist mit einer Haftstrafe von bis zu zehn Jahren bedroht.

Bei Daun & Cie. in Rastede hieß es auf Kurier-Anfrage zu den von den Anwälten geäußerten Hintergründen: Auskunftsberechtigt sei nur Claas Daun persönlich. Der heute 71-jährige Multimillionär befinde sich zurzeit in Südafrika und sei nicht zu sprechen. Schon als NKD noch ihm gehörte, habe Daun sich nicht zu der Sache geäußert.