Der Metro-Konzern will die Real-Kette verkaufen. Die Mitarbeiter leiden unter der Ungewissheit und bangen um ihre Arbeitsplätze. Doch Informationen fließen spärlich.

Bayreuth/Kulmbach/Coburg - Der Frust unter den mehr als 700 Beschäftigten in den sieben oberfränkischen Real-Märkten und dem zum Bezirk gehörenden Markt in Weiden wächst. Seit mehr als einem Jahr wissen die Mitarbeiter, dass ihr Arbeitgeber, die Metro AG, sich von der Supermarkt-Kette trennen will. Doch welche Zukunft sie erwartet, das bleibt weiter offen.

Angela Schirmer, Betriebsratsvorsitzende bei Real in Kulmbach und Bundesvorsitzende für den Fachbereich Handel bei der Gewerkschaft Verdi, hat, wie viele ihrer Kollegen, kein Verständnis für das Verhalten ihrer Konzernspitze. "Keiner von uns weiß, ob er eine Zukunft hat oder nicht", kritisiert Angela Schirmer. Sie verweist darauf, es wäre nicht das erste Mal, dass die Belegschaft Informationen über die Medien statt direkt von ihrem Arbeitgeber bekommt.

Die Hoffnung ruht jetzt auf einer für den 14. Februar anberaumten Aufsichtsratssitzung. "Wir hoffen, dass wir dann aus irgendeiner Quelle etwas erfahren, aber wir fürchten, es wird auch diesmal wieder nicht unsere eigene Geschäftsführung sein."

Seit etlichen Monaten bereits ist klar: Die Metro will sich von der Real-Kette trennen und sucht Käufer für die bundesweit 277 Märkte mit rund 34 000 Beschäftigten. Jetzt kam, nicht zum ersten Mal, erneut die Meldung, Verkaufsverhandlungen stünden kurz vor dem Abschluss. Doch auch wenn Verträge tatsächlich in den kommenden Tagen unterzeichnet werden sollten, wird es, das berichten Insider aus dem Metro-Konzern, wohl noch Monate dauern, bis der Deal zwischen Metro und einem Konsortium um den Finanzinvestor SCP und den Immobilieninvestor X+Bricks tatsächlich perfekt ist. Unter anderem muss auch das Kartellamt zustimmen. Es sei gut möglich, dass sich selbst bei optimalen Bedingungen der Verkauf bis in den Herbst hinein hinziehen werde.

Bis dahin heißt es für die Real-Belegschaft: zittern um den Arbeitsplatz. "Wir wissen bis heute nicht, wer wo wie landet", sagt Angela Schirmer. Sie erzählt von ihren Kolleginnen und Kollegen, die von Ängsten geplagt sind. "Die Zitterpartie läuft nun schon weit über ein Jahr und man lässt uns noch immer am Schnürchen hängen." Es sei weiterhin noch völlig offen, welcher Markt einen neuen Käufer findet, welcher unter denen ist, die unter dem Namen Real weiterbetrieben werden sollen und welcher zu denen zählt, die geschlossen werden. Etwa 60, vielleicht auch 100 Märkte sollen unbestätigten Informationen zufolge weiterbetrieben werden, zwischen 30 und 40 seien von der Schließung bedroht, der Rest stehe zum Verkauf.

Zwei Märkte jeweils in Bamberg und Bayreuth, je einer in Kronach, Kulmbach und Coburg und einer in Weiden gehören unmittelbar zu dem Verdi-Bezirk, in dem Angela Schirmer tätig ist. Natürlich mache man sich Gedanken, sagt sie. Etwa den, dass es in den sehr modernen und großen Real-Märkten in Bamberg und Bayreuth wohl weitergehen könnte. "Aber was zum Beispiel bei uns in der Kleinstadt Kulmbach wird, das ist völlig offen." Über mehr als 700 Beschäftigten hänge ein Damoklesschwert.

"Sie sollen es uns halt einfach sagen, dann haben wir es wenigstens hinter uns", macht Angela Schirmer ihrer Verzweiflung Luft. "Nerventerror hoch drei" sei das, was der Metro-Konzern mit der Belegschaft bei Real macht. Es müsse ja irgendwo eine Liste geben, auf der die Planungen für die einzelnen Märkte zusammengefasst sind. "Sonst könnten sie das ja nicht zum Verkauf anbieten", erklärt Angela Schirmer.

Viele Beschäftigte, darunter auch Angela Schirmer, sind schon seit vielen Jahren bei Real. Darunter seien, wie die Gewerkschafterin erklärt, auch zahlreiche Alleinerziehende. Für sie sei es besonders unerträglich, nicht zu wissen, ob sie in wenigen Monaten noch einen Arbeitsplatz haben. In Hallstadt bangen rund 130 Mitarbeiter um ihren Job, in Bamberg zirka 50, in Coburg knapp 120, in Kulmbach rund 110, in Bayreuth an einem Standort mehr als 130, am anderen mehr als 80, in Kulmbach sind es etwa 70.

Vom Verhalten ihrer Konzernspitze ist Angela Schirmer mehr als enttäuscht. Man zwinge die Belegschaft in die Spekulation. "Wir sagen, was wir wollen, aber es hört keiner drauf. Wie man so mit Menschen umgehen kann, verstehe ich nicht." In der kommenden Woche gebe es auch eine Sitzung auf Bundesebene bei Verdi. Natürlich stehe das Thema Real dabei ganz oben auf der Agenda, sagt Angela Schirmer. Doch sie fürchtet, dass mehr als Spekulation auch dabei nicht herauskommen wird. Für Metro-Chef Olaf Koch und seine Informationspolitik hat sie eine klare ansage: "So motiviert man Leute bestimmt nicht."

Edeka und Kaufland seien als Käufer im Gespräch. Doch am Beispiel Kulmbach könne man gut klarmachen, wie wenig diese unbestätigten Mitteilungen helfen. "Edeka gibt es in Kulmbach bereits und Kaufland hat die Stadt vor Kurzem verlassen. Was sollen wir da denken?", fragt sich die Betriebsratsvorsitzende.