In der Nacht des 26. Januar stand Mohammed Ali K. vor der Diskothek „Fabrik“ und tippte auf einen Handykontakt, der unter „Cherry-Wine &Berry“ abgespeichert war,. Der Spitzname seines alten Kumpels Ali A., der Luftlinie 500 Meter weiter im Kreuz die Cherry-Shisha-Bar betrieb. K. hatte A. in der „Fabrik“ nicht angetroffen, obwohl beide verabredet waren. Beim dritten Versuch ging Ali A. um 3.36 Uhr ans Handy. Als Zeuge im Prozess gegen Ali A. um die mutmaßliche Vergewaltigung der 22-jährigen Nina U. sagt K. aus, was er erlebte: Nachdem Ali A. sich gemeldet hatte und auf die Frage „Wo bist du?“ geantwortet hatte: „Mit einem Mädchen in der Shisha-Bar, ich kann jetzt nicht...“, hörte K. Schreie: „Es hat sich angehört, als ob jemand Hilfe braucht.“
K. begann zu rennen. nach drei Minuten stand er vor der Shisha-Bar seines Kumpels: „Er hat wohl vergessen aufzulegen. Den ganzen Weg hörte ich das Schreien.“ Am Haus Kreuz 5 hörte K. das Schreien live, zunächst öffnete niemand die Tür. K. schlug so heftig gegen die Tür, dass eine Scheibe zerbracht. Ein Mitarbeiter der Bar, der öfter dort auch übernachtete, öffnete. In den Räumen der Bar fand K.: Nichts. Er ging die Treppen hinauf. Im Wohnzimmer sah er ein Mädchen am Boden hocken, mit halb herunter hängendem Shirt und BH, hochgeschobenem Rock, die Arme vor ihr Gesicht erhoben, weinend, schreiend. Vor ihr, niedergekniet, ein Mann, den K. als einen Bekannten namens Muhammad A. identifizierte, links daneben Ali A. K. packte den Knieenden und schleuderte ihn weg. Da sei ihm Ali A. wortlos an den Hals gegangen, so dass er seinem alten Freund eine „runtergehauen“ habe. K. wollte erst dem fliehenden Muhammad A. hinterher, aber: „Ich wollte das Mädchen nicht allein lassen.“ Als er nach weinigen Schritten wieder ins Wohnzimmer kam, sah er, wie das Mädchen sich auf Ali A. gestürzt hatte, ihn kratzte und auf ihn einschlug, schreiend: „I will kill you, i hate you“, zu deutsch: „Ich bring dich um, ich hasse dich.“
K. wollte das stark betrunkene Mädchen mitnehmen, sie wollte zuerst nicht. Ali A. stellte sich vor ihn und sagte: „Du bist schuld“ – da verpasste K. ihm einen Faustschlag, der Ali A. kurz ausknockte. Dem Mädchen gab K. seine Jacke, sagte in Englisch: „Wir gehen jetzt zur Polizei“, worauf Nina U. in Englisch antwortete: „Keine Polizei, bitte.“ Sie versuchte sogar nach K.’s Mobiltelefon zu schlagen. Schließlich ging Nina U. mit, etwa zehn Minuten waren vergangen, seit K. bei der Fabrik losgelaufen war. Die Polizei verständigte schließlich K.’s Bruder, den er um 3.58 Uhr angerufen hatte. In dem Notruf spricht sein Bruder davon, dass das Mädchen, das K. „rausgeholt hat“, „laut ihr“ vergewaltigt wurde.
K. sagte als Zeuge aus, es sei seine Annahme gewesen, dass dem Mädchen eine Vergewaltigung angetan worden sein könnte – gesehen hat er eine solche Tat nicht. Ali A. sagt, der Sex mit Nina U. habe zuvor stattgefunden, jedoch einvernehmlich. Ausgerastet sei Nina U. erst, als jener Bekannte, den de Retter K. vor Nina U. knieend vorfand, etwas gemacht habe, das er, Ali A. nicht gesehen haben will: Der Angeklagte will sich just in diesem Moment vor dem Wohnzimmer die Hose angezogen haben.
Der Prozess wird fortgesetzt.