Experte sieht absolute Ausnahme
Polizeiwissenschaftler Rafael Behr bezeichnete den Einsatz als absolute Ausnahme. "Diese Form von Schusswaffengebrauch, also flüchtenden Autos hinterher schießen, kommt in der Realität sehr selten vor." Solche Verfolgungsfahrten gehörten "zum absoluten Worst-Case-Szenario im Polizeidienst". Sie setzen mitunter eine gewisse Dynamik in Gang, die im Nachhinein schwierig zu beurteilen sei, sagte Behr, der bis 2024 Professor für Polizeiwissenschaften an der Akademie der Polizei Hamburg war.
Behr sagte, dass eine Analyse des konkreten Falls wegen vieler fehlender Informationen und der laufenden Ermittlungen schwierig sei. Laut dem Experten würde es beispielsweise einen großen Unterschied machen, wenn das Auto auf einen zufahre und Notwehr bestehe - oder wenn das Auto wegfahre.
Fall Lorenz: 21-Jähriger Ostern 2025 erschossen
2025 Jahr hatte die Polizei bundesweit im Einsatz 17 Menschen erschossen, wie aus einer Auflistung der Fachzeitschrift "Bürgerrechte & Polizei/Cilip" hervorgeht, die vom Institut für Bürgerrechte und öffentliche Sicherheit herausgegeben wird. Tödlich verletzt wurde vor einem Jahr auch ein junger Mann in Niedersachsen. In der Nacht zu Ostersonntag 2025 erschoss ein Polizist in Oldenburg den 21 Jahre alten Lorenz.