Verfahren eingestellt Beim Geburtstags-Joint verhaftet

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BAYREUTH. Heroin und Crystal Speed, das sind die Schicksalsstoffe eines 43-Jährigen. Wie Rauschgift das Leben des in Russland geborenen Mannes bestimmt, zeigte sich nun zum wiederholten Mal vor Gericht.

Im Justizpalast ist der Mann ein alter Bekannter. Die Drogensucht hat den 43-Jährigen kriminell gemacht.

Wegen Geldwäsche verurteilt und untergetaucht

In seinem bislang letzten Prozess stand der Mann sogar vor dem Schöffengericht. Er hatte sich mit einer in Russland sitzenden Betrügerorganisation eingelassen, die im Internet Waren verkaufte, die nie geliefert wurden. Die Spur des Geldes verwischten die Hintermänner auf raffinierte Weise: Sie warben in Deutschland lebende Landsleute an, auf deren Konten die illegalen Gelder zwischengeparkt und dann – meist per Bargeldtransfer – nach Russland überwiesen wurden, wo das Geld nach der Abholung in dunklen Kanälen verschwand. Für 46 Fälle der Geldwäsche wurde der 43-Jährige zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt. Er blieb aber zunächst auf freiem Fuß und nutzte diesen Umstand, um unterzutauchen.

Polizist erkennt einen alten Bekannten

Wie der Mann im Justizpalast ein regelmäßiger Kunde ist, ist er auch bei der Polizei bekannt. Ein altgedienter Hauptkommissar der Stadtinspektion war am 6. Oktober 2018 auf dem Heimweg vom Dienst und sah in der Fichtestraße beim Vorbeigehen durch ein Fenster einen alten Bekannten. Der Hauptkommissar kennt den Mann so gut, dass ihm klar war, dass er zusammen mit drei anderen Kollegen am Folgetag den per Haftbefehl Gesuchten an dessen 42. Geburtstag festnehmen würde: „Zwei von uns gehen hinten rum, als er uns sieht, haut er ab. Nach 50 Metern holte der Kollege ihn ein.“

Polizei findet viel Diebesgut

Der Polizeibeamte berichtete weiter, man sei in der Wohnung zunächst einmal vor einer Wand aus Marihuana-Rauch gestanden. Als die Schwaden sich lichteten, fanden die Polizisten ein Sammelsurium verschiedenster Dinge vor – Gegenstände, die mutmaßlich aus Diebstählen oder Unterschlagungen stammten. In der Rauschgiftszene ist beispielsweise ein Handy bares Geld wert. Ein Ermittler der Stadtinspektion kämpfte sich durch eine lange Liste und stellte zuletzt fest: Drei in der Wohnung aufgefundene Handys waren aus einem Bayreuther Elektronikmarkt verschwunden und nie bezahlt worden, und auch ein Fahrrad war als gestohlen gemeldet.

Gestohlene Handys sollen vom Sohn sein

Deshalb wurde der vielfach Vorbestrafte nun wegen Hehlerei, Diebstahls und Unterschlagung angeklagt. Aus der Strafhaft für die Geldwäscheverurteilung vorgeführt, gab sich der Angeklagte einsilbig. Sein Verteidiger Stephan Schultheis erklärte: „Die Vorwürfe werden bestritten.“ Und er führte aus, dass der Sohn des Angeklagten, mittlerweile in gleicher Weise in der Drogenszene tätig wie sein Vater, den Angeklagten mehrfach in seinem Unterschlupf in der Fichtestraße besucht habe. Es könne sein, so legte Schultheis nahe, dass der Sohn die gestohlenen Handys seinem Vater zugesteckt habe. Aus familiären Gründen jedoch, so der Anwalt, werde man hierzu keine weiteren Erklärungen abgeben.

Er hat nicht bei mir gewohnt – er hat bei mir gehaust

Die 28-jährige Frau, bei der der Angeklagte im Oktober 2018 Unterschlupf gefunden hatte, sagte aus: „Nein, er hat nicht bei mir gewohnt – er hat bei mir gehaust.“ Sie bezeugte, dass der Sohn des Angeklagten damals mehrfach in der Wohnung gewesen sei. Und über die Fahrräder im Keller sagte sie: Die habe ihr Bruder damals, als sie selbst in die Fichtestraße zog, aus dem Keller ihrer früheren Wohnadresse mitgenommen. Der Bruder der Frau bestätigte das: „Ich habe meiner Schwester beim Umzug geholfen. Sie sagte: Alles aus dem Keller raus.“

Eine schwierige Beweislage also, die sich vielleicht durch die Befragung vieler weiterer Zeugen etwas hätte lichten lassen. Damit solche Fälle nicht ausufern, gibt es aber ein ökonomisches juristisches Mittel: Einstellung des Verfahrens, weil die zu erwartende Strafe im Vergleich zu der letzten großen Verurteilung nicht weiter ins Gewicht fällt.

 

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