Verein eröffnet am Samstag in neuen Räumen in der Ludwigstraße 24 Transition-Haus: Jetzt geht es weiter

Von Katharina Wojczenko

Das Transition-Haus hat eine neue Bleibe in der Bayreuther Innenstadt - und einen prominenten Nachbarn. Für den Verein endet eine monatelange Suche. Am Sonntag ist Eröffnung.

Das Projekt, das Bayreuther Initiativen Raum gegeben will, ist neben die Regierung von Oberfranken gezogen. In der Ludwigstraße 24 streichen Helfer die letzten Ecken, der neue Boden liegt unter Folie. Durch die Glasfront sehen sie ein Bayreuther Postkartenmotiv: das neue Schloss. Direkt nebenan residiert die Regierung von Oberfranken.

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"Es ist schön, dass wir wieder öffentlicher werden, und so viele Passanten vorbei kommen", sagt Michael Cormann vom Verein. "Ich hoffe, dass unsere Idee hier mehr Leute erreicht und wächst." Die Idee, dass man einander  - basisdemokratisch und überparteilich - helfen kann, um Verschwendung zu beenden und die Gesellschaft zu verändern.

Jeden Tag offen für alle

Ab Sonntag sollen in einen Raum die Fahrradwerkstatt Flickwerk, der Umsonstladen, das Nähcafé, das Reparatur-Café und ein Foodsharing-Verteiler ziehen. Im zweiten Raum ist Platz für ein Café und die Volxküche. Feste Preise gibt es nicht, alles läuft auf Spendenbasis. Bisher hat das geklappt. Jeden Tag soll das Transition-Haus von 14 bis 20 Uhr offen sein, für jeden. So der Plan. "Das läuft alles auf ehrenamtlicher Basis", sagt Cormann. Den Schlüssel zum Aufsperren deponiert der Verein im Dritte-Welt-Laden. Dort ist hinterlegt, wer ihn abholen darf. "So haben wir das schon gehandhabt, als wir in der Dammallee waren."

Fünf Monate war der Verein, der seit kurzem gemeinnützig ist, praktisch von der Bildfläche verschwunden. Von September bis Dezember hatte in der Dammallee 4 bis 6 das erste Transition-Haus eröffnet. "Ein paar hundert Leute" nutzten das Angebot in dieser Zeit, schätzt Cormann. Heute befindet sich dort ein Tattoo-Studio. Das Programm "Demokratie leben" übernahm in dieser Zeit Miete und Unkosten. Danach traf sich der harte Kern weiter wöchentlich - und suchte ein neues Zuhause.

Nur Nebenkosten, keine Miete

Vor drei Wochen hat der Verein den Nutzungsvertrag für die Ludwigstraße 24 unterschrieben. Eine Galerie und ein Lampengeschäft waren zuletzt darin. Bis Ende Mai 2017 darf das Transition-Haus die Räume mietfrei nutzen. Nur Nebenkosten verlangt der Eigentümer. Mit der Presse wolle dieser nicht über seine Motive sprechen, sagt Transition-Haus-Initiatorin Anja Zeilinger. "Er will nicht in der Öffentlichkeit stehen." Das Projekt will er unterstützen. Hinzu kommt, dass er das Haus derzeit umbaut. "Wegen der Arbeiten wären die Räume kaum zu vermieten gewesen", sagt Cormann. Der Verein hingegen freut sich, Lärm und Dreck stören ihn nicht.

Einfach war die Suche nach neuen Räumen nicht, auch wenn das Leerstandsmanagement in der Wirtschaftsförderung der Stadt Bayreuth ebenfalls die Augen offen gehalten hatte. "Leerstehende Ladengeschäfte eignen sich für eine solche Zwischennutzung nicht, weil Vermieter die nötigen Einbaumaßnahmen scheuen", teilt Pressesprecherin Kerstin Dettlaff-Mayer mit. In der Ludwigstraße verlegt der Vermieter sogar extra eine Wasserleitung für die Küchenzeile - die Kosten dafür übernimmt der Verein.

Stadt: Transition-Haus ist gut für die Innenstadt

Die Stadt findet das Transition-Haus gut: "Die Einrichtung trägt zur Belebung des Umfeldes bei, bereichert das kulturelle Leben der Stadt und fördert den Austausch verschiedenster Personengruppen jeglichen Alters und Nationalität", sagt Dettlaff-Mayer. Das „Hausprobieren 2.0“ in der Dammallee sei gelungen. Um das Quartier nachhaltig zu verändern, sei die Probephase allerdings zu kurz gewesen. Das könnte sich in der Ludwigstraße 24 ändern.

"Der Ort ist ein Zeichen, dass wir mitten in der Stadt angekommen sind", sagt Michael Cormann. "Und vielleicht schaut die Regierungspräsidentin mal auf einen Kaffee vorbei und sieht selbst, was ehrenamtliches Engagement bewegen kann."

Hintergrund: Transition-Haus

Hinter dem Wort Transition (englisch für Übergang) und Transition Towns verbirgt sich eine Bewegung, die sich für eine Stadt im Wandel einsetzt. Sie begann 2008 in Irland. Angesichts von Klimawandels und  zu Neige gehenden Rohstoffen propagiert die Bewegung einen nachhaltigen Lebenswandel. Sie will in Gemeinschaftsprojekten lokale Intiativen stärken und den Konsum reduzieren.