VBW-Neujahrsempfang Wirtschaft fürchtet Rezession

THURNAU. Es ist ein Wort, das Wirtschaftsvertreter nur ungern in den Mund nehmen: Rezession. Dass Thomas Kaeser, Bezirksvorsitzender der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (VBW), zum Neujahrsempfang des Verbands auf Schloss Thurnau gleich eingangs seines Rückblicks auf das vergangene Jahr das wohl schärfste Schwert der wirtschaftlichen Rhetorik wählt, zeigt, in welch unruhigen Fahrwassern sich die Industrieunternehmen der Region derzeit bewegen.

Schon im fünften Quartal infolge lag die Industrieproduktion im dritten Quartal 2019 nach Angaben Kaesers im Minusbereich, zuletzt „um über drei Prozent unter Vorjahresniveau“. Besonders stark sei die Automobil- und Zulieferindustrie betroffen, „mit zum Teil zweistelligen Rückgängen“.

Die gute Konjunktur habe die vorhandenen strukturellen Standortnachteile lange überdeckt, ergänzte er. Nun würden die Folgen immer sichtbarer, auch bei der Beschäftigung. „In einigen Unternehmen hat der Stellenabbau begonnen“, sagte Kaeser.

Kritik übte der Wirtschaftsvertreter dabei vor allem an aktuellen Vorhaben der Politik: Einer Politik, „die mit einer Vermögensteuer unsere Unternehmen schwächt“, die „die Tarifautonomie untergräbt“, die „mit immer mehr Bürokratie lähmt“ und die „mit einer massiven Beschränkung der Befristung von Arbeitsverhältnissen unseren Betrieben die Flexibilität raubt“. 

Stattdessen forderte Kaeser: „Wir brauchen eine Agenda gegen den Abschwung.“ Kaeser, der als Vorstandsvorsitzender bei Kaeser Kompressoren in Coburg selbst Unternehmer ist, sieht den Industriestandort Bayern und „den Wohlstand unseres Landes“ in Gefahr, wenn die Politk in der nächsten Zeit nicht deutlich umsteuert.

„Wir müssen uns wieder darauf besinnen, dass eine gute Wirtschaftspolitik schon immer die beste Sozialpolitik war“, mahnte er. Für die Zukunft forderte er deshalb deutliche steuerliche Impulse. Ihm geht es dabei vor allem um die Unternehmenssteuern, bei denen andere Länder bereits reagiert hätten. Deutschland dürfe hier „nicht nur mitziehen“, sondern müsse Vorreiter sein.

Auch der Solidaritätszuschlag ist dem VBW-Bezirksvorsitzenden ein Dorn im Auge. Dessen Abschaffung würde „Personengesellschaften entlasten und die Konjunktur stützen“. Außerdem brauche es einen kräftigen Impuls bei den Investitionen, vor allem, was die Digitalisierung betrifft. Und letztlich belasten auch Stromsteuern die Unternehmen, deren „Absenkung ein erster Schritt wäre“ um international bei Energiepreisen wettbewerbsfähig zu sein.

Trotz aller Widrigkeiten ist Kaeser überzeugt, diese Herausforderungen zu meistern. Doch: „Der Einsatz, das Können und der Wille jedes Einzelnen sind dabei gefragt.“

Tipps, wie die Unternehmer sich auch persönlich dafür wappnen können, hatte Joey Kelly, Extremsportler und Mitglied der Kelly Family, bei seinem Festvortrag im Gepäck. Wie Kaeser betonte, haben die Anforderungen des Extremsports ihn gelehrt, seine Ziele mit absoluter Disziplin und großem Ehrgeiz zu verfolgen.

 

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