Uschi Schricker wird 70 Rund um die Uhr im Einsatz für andere

Christl Schemm

Ursula Schricker engagiert sich seit Jahrzehnten in der Kommunalpolitik und im sozialen Bereich. Am heutigen Montag wird sie 70 Jahre alt. Besonders Frauen, Kinder, Senioren und Menschen am Rand der Gesellschaft liegen ihr am Herzen.

Frauen, Kinder, Senioren, Menschen, die nicht so viel Geld haben wie andere: Für sie Verbesserungen zu erreichen, ist der Antrieb für Ursula Schrickers politischen und zivilgesellschaftlichen Einsatz. Am heutigen Montag feiert die engagierte Kommunalpolitikerin und Ehrenamtlerin 70. Geburtstag. Foto: Sascha Fuchs

Ungerechtigkeiten sind Ursula Schricker ein Gräuel. So lange sie denken kann, war das ihr Antrieb, etwas an den politischen und sozialen Gegebenheiten zu ändern, Verbesserungen zu erzielen für jene Menschen, die das nach Meinung der Thiersheimerin verdient haben. Frauen zu einer gerechten Bezahlung und mehr Einfluss zu verhelfen, Kinder ans Lesen heranzuführen und ihnen so bessere Perspektiven zu eröffnen, Senioren die Teilhabe am sozialen Leben zu ermöglichen, Menschen mit wenig Einkommen mit Lebensmitteln zu unterstützen: Die Bereiche, in denen Ursula Schricker ihre Aufgaben sieht, sind vielfältig. Am heutigen Montag wird die Kommunalpolitikerin und Ehrenamtlerin 70 Jahre alt.

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Heimat in der Gewerkschaft und in der SPD

Bereits als junge Frau begann Ursula Schricker, die alle nur Uschi nennen, sich für andere Menschen einzusetzen. Ihre politische Heimat dafür fand sie bei den Sozialdemokraten und in der Gewerkschaft. Dass dem so ist, hat sie ihrem Vater zu verdanken. „Er war politisch aktiv, war im Gemeinderat und in der Gewerkschaft sowie Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Thiersheim“, blickt die Jubilarin im Gespräch mit unserer Zeitung auf ihre Wurzeln zurück. „Mein Vater wollte, dass Frauen aktiver werden. Er sagte: Ihr müsst das selbst machen. Das tut kein anderer für Euch.“ Würde er noch leben, hätte der Vater an seiner Tochter vermutlich seine helle Freude. Denn sie setzt nahtlos sein Engagement fort, zeigt dieselbe Haltung wie er.

„Wenn ich höre, dass Frauen immer noch durchschnittlich 20 Prozent weniger verdienen als die Männer, dann könnte ich in den Tisch beißen“, wettert Uschi Schricker gegen die Ungerechtigkeit, die heutzutage mit dem englischen Begriff „Gender-Pay-Gap“ beschrieben wird. „Alle rufen, dass wir die Frauen in den Unternehmen brauchen, und dann werden sie schlechter bezahlt. Und an den Arbeitszeiten und Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder hapert es auch.“ Die Plattform, den Kampf für Frauenrechte auszufechten, hat die Thiersheimerin bei der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) gefunden, deren Motor sie im Landkreis Wunsiedel ist.

Seit 1996 im Gemeinderat

In die Kommunalpolitik ging Uschi Schricker, als ihre Tochter fast erwachsen war. Seit 1996 sitzt die SPD-Frau im Gemeinderat. Schon vorher war sie aktiv im Ortsverein, dem sie als Vorsitzende zeitweise vorstand. Jetzt ist sie froh, mit Maria Röder eine junge Frau als Nachfolgerin gefunden zu haben. Zweimal kandidierte Schricker für das Bürgermeisteramt. Einmal gegen Amtsinhaber Adam Seyferth und einmal gegen Bernd Hofmann. Gegen ihn verlor sie 2008 denkbar knapp mit nur wenigen Stimmen Unterschied. „Daran habe ich schon einige Zeit geknabbert“, gesteht sie. „Denn ich hatte all die Jahre so viel in der Gemeinde getan, war in vielen Vereinen aktiv, und dann kommt jemand, der bis dahin noch nicht in Erscheinung getreten war, und gewinnt. Aber ich wollte mich nicht beleidigt in die Schmollecke verziehen, sondern wurde zweite Bürgermeisterin. Das bin ich heute noch.“

Auch außerhalb der Kommunalpolitik ist Uschi Schricker rund um die Uhr für andere Menschen unterwegs. Seit 2007 ist sie Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt und dort eine der wenigen, die noch sammeln gehen. „Ich habe selten erlebt, dass mir jemand die Tür vor der Nase zuknallt. Die meisten Menschen sind großzügig, sogar jetzt noch in diesen schwierigen Zeiten.“ Auch die Erfahrungen bei der Arbeit an der AWO-Tafel in Arzberg möchte die Jubilarin nicht missen. „Da kommen Menschen hin, von denen man das im Leben nicht gedacht hätte. Sie verstecken es gut, wie schlecht es ihnen geht“, vermutet Schricker. 2015 gründete sie zusammen mit ihrem Mann Peter, der ebenfalls in der Kommunalpolitik und im sozialen Bereich engagiert ist, die Seniorengemeinschaft Fichtelgebirge und ist seither dort im Vorstand. Uschi Schrickers Liste der Aktivitäten ist lang. Zu ihnen gehören auch die Mitarbeit beim Verein „Hilfe für Frauen in Not“ und die Tätigkeit als Vorlesepatin.

Die Enkel sind ihr Ein und Alles

Auch beruflich führte Uschi Schrickers Weg nach einigen Umwegen in den sozialpolitischen Bereich: zur Gewerkschaft, wo sie bis zum Eintritt in die Rente arbeitete. Neben Job, Politik und sozialem Engagement stand im Leben der Thiersheimerin immer die Familie im Mittelpunkt. „Mein Vater starb früh, meine Mutter war krank, also kümmerte ich mich um meine Geschwister“, berichtet sie. Heute sind ihre beiden Enkel ihr Ein und Alles. Entspannung gibt’s im Garten bei der Aufzucht und Pflege von Blumen und Gemüse sowie beim Lesen - meist Unterhaltsames, aber auch ernste Literatur, beispielsweise über den Zweiten Weltkrieg. Wenn sie daran denkt, kommen bei Uschi Schricker Sorgen hoch: wegen des Zulaufs zu den Neonazis, die eine Gefahr für die Demokratie seien. Und auch das gehört zu ihren Beobachtungen: „Der Zusammenhalt in der Gesellschaft bröckelt. Die Menschen werden immer egoistischer.“ Doch Uschi Schricker tut dagegen, was sie kann.