Rücktritt kam völlig überraschend
Seine Entscheidung war ungeachtet der erneuten Zuspitzung der Ereignisse am Dienstag völlig unabsehbar. Nur wenige Medienvertreter hatten es überhaupt zu der Pressekonferenz in Zürich geschafft, nachdem sie gut eine Stunde vor dem geplanten Beginn erst angekündigt worden war. Nach einer dreiviertelstündigen Verspätung hatte Kommunikationschef Walter De Gregorio das Wort an Blatter übergeben.
Generalsekretär Valcke im Visier der Ermittler
Viele hatten schon damit gerechnet, dass die Zukunft von Generalsekretär Jérôme Valcke bei der Fifa gefährdet wäre. Die „New York Times“ hatte am Dienstag berichtet, dass die US-Ermittler der Ansicht seien, Valcke sei „der hochrangige Fifa-Offizielle“, der 2008 zehn Millionen Dollar von einem Fifa-Konto in der Schweiz auf ein US-Konto überwiesen habe.
Jack Warner ist gegen Kaution wieder auf freiem Fuß
Das Geld landete auf Konten, die vom früheren Fifa-Vizepräsidenten und Concacaf-Chef Jack Warner kontrolliert worden sein sollen. Warner wird organisierte Kriminalität, Korruption und Geldwäsche vorgeworfen. Der Funktionär war in seinem Heimatland Trinidad und Tobago in der vorigen Woche nach einem Gerichtstermin gegen eine Kaution von 2,5 Millionen Dollar auf freien Fuß gesetzt worden. Das US-Justizministerium hat seine Auslieferung beantragt.
Fifa dementiert Mitwissen
Laut der „New York Times“ sei in der Anklage der US-Justiz allerdings nicht die Rede davon, dass der Offizielle gewusst habe, dass das Geld für Bestechung verwendet worden sei, hieß es weiter. Valcke sei auch nicht als Mitbeschuldigter genannt. Weder Valcke noch andere aktuelle Mitglieder der Fifa-Führung seien „an der Initiierung, der Bewilligung und Ausführung“ beteiligt gewesen, teilte die Fifa mit.
Südafrika weist Bestechungsvorwürfe zurück
Südafrika hatte im Zusammenhang mit der Zahlung Bestechungsvorwürfe rund um die Vergabe der WM 2010 vehement zurückgewiesen. Die Fifa erklärte zudem, die Überweisung der zehn Millionen Dollar sei vom damaligen Vorsitzenden des Finanzkomitees, des mittlerweile gestorbenen Argentiniers Julio Grondona, genehmigt und gemäß der eigenen Regularien vorgenommen worden. Dass Valcke von dem Vorgang gewusst habe, sei ein normaler Vorgang, erklärte ein Fifa-Sprecher.
Die Zahlung von zehn Millionen Dollar sei von der Regierung Südafrikas und vom südafrikanischen Fußball-Verband genehmigt worden, um ein Projekt für die Unterstützung der afrikanischen Diaspora in der Karibik zu finanzieren, hieß es in einer Mitteilung.
Mehrheit hält die Fifa und Blatter für korrupt
Unabhängig von neuen Enthüllungen oder Dementis: Das öffentliche Bild der FIFA bleibt verheerend. 88 Prozent der Deutschen halten Korruption im Weltverband für „wahrscheinlich“. 81 Prozent davon sind überzeugt, dass FIFA-Präsident Joseph Blatter persönlich verwickelt ist oder war. Das ist das Ergebnis einer yougov-Umfrage unter 1006 Teilnehmern, die von Freitag bis Sonntag durchgeführt wurde. Nun hat Blatter den Weg für eine neue Zukunft der FIFA freigemacht.
Kurzporträt Joseph Blatter
– geboren: 10. März 1936 in Visp/Schweiz
– diplomierter Volkswirt
Funktionen in der FIFA:
– 1975-1981 Technischer Direktor
–1981-1998 Generalsekretär
–seit 1998 Mitglied des Exekutivkomitees
–seit 1998 Präsident, erst am Freitag für eine weitere Amtszeit bis 2019 wiedergewählt
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dpa