„Zuerst hat es geheißen, die Sanitäranlagen müssen geschlossen bleiben. Dann kam am Dienstag die Info, dass es doch nicht so ist“, sagt Bianka Langer, die gemeinsam mit ihrem Mann den Campingplatz am Fichtelsee betreibt. Deshalb orientieren sie sich bislang an den Vorgaben, die auch für die Gastronomie gelten. „Wir haben Spender mit Desinfektionsmittel an den Sanitärgebäuden und an der Rezeption. Dort ist auch eine Schutzwand angebracht.“

Seitdem die Information über die Öffnung der Campingplätze bekannt ist, können sich die Langers vor Anfragen kaum retten. „Alle wollen raus“, sagt Bianka Langer. Ständig klingelt das Telefon, allein von Dienstag auf Mittwoch hätten sie 92 E-Mails erhalten, die sie nun abarbeiten müsste. „Bislang reservieren wir aber nur unter Vorbehalt.“ Eine klare Zusage könne sie – unter den jetzigen Begebenheiten – leider noch keinem Gast geben. Vorsorglich hat sich auch erst die Hälfte ihrer 118 Stellplätze belegt.

Lange sei die Camping-Situation unsicher gewesen. Nach dem Lockdown Mitte März habe man erst einmal abgewartet. „Dann haben wir zu Ostern, dem Mai-Feiertag und über Christi Himmelfahrt nach und nach alles storniert“, sagt Langer.

Auch auf dem Campingplatz müssen unterschiedliche Haushalte und Familien an Pfingsten und darüber hinaus ausreichend Abstand einhalten: „Deswegen nehmen wir keine Gruppen-Buchungen an.“ Die einzelnen Parzellen seien im jedem Fall groß genug. Allerdings rät die Campingplatz-Betreiberin von einer „Fahrt ins Blaue“ dringend ab, das sei wegen der Auflagen nicht möglich; außerdem wolle man eine hohe Fluktuation vermeiden. „Die Anmeldung soll im Vorfeld soweit wie möglich vorbereitet sein, damit die Gäste nach der Anreise nur noch unterschreiben müssen.“ Bei der Buchung werde vom Namen über Adresse und Passnummer bis hin zum Kennzeichen von Wohnmobil beziehungsweise Auto und Wohnwagen bereits alles erfasst.

Die Öffnung der Campingplätze zu Pfingsten hält Bianka Langer für ungünstig: „Da sind von jetzt auf gleich zu viele Leute auf den Beinen“, sagt sie. Eine Woche früher hätte sie für passender gehalten, dann hätte das Geschäft langsamer anlaufen können – zumal es ja noch keinen Maßnahmenkatalog gebe. Die bislang fehlenden Regelungen zu den Toiletten und Duschräumen treffe vor allem Familien, die mit dem Zelt oder einem kleinen Bus unterwegs seien. Diesen könne sie deshalb noch keinen Platz anbieten. „Aber wir freuen uns, dass wir endlich wieder öffnen dürfen. Wir sind gerüstet.“

Georg Spätling, Präsident des Landesverbands der Campingwirtschaft in Bayern, hat bereits eine Anfrage an das Wirtschafts- und Staatsministerium gestellt. „Seit Montag hängen wir wieder in der Luft.“ Die Aussage, die nach Kabinettssitzung am Montag getroffen worden war, sei reichlich schwammig: „Die Wohneinheiten verfügen über eine eigene Sanitäreinheit“, hieße es da. Spätling selbst betreibt den Campingplatz Fränkische Schweiz in Pottenstein. „Die Stellplätze sind groß genug, aber mit dieser Formulierung nimmt man den bayerischen Familien die Chance auf einen Urlaub. Sollen sie etwa zu Hause sitzen bleiben?“ Er hofft auf eine baldige Antwort aus dem Ministerium und damit Sicherheit für Campingplatz-Betreiber wie Gäste.

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INFO: Der Reisemobil-Stellplatz an der Lohengrin Therme kann ab 1. Juni wieder angefahren werden. Denn Reisenden stehen dort eine Ver- und Entsorgungsanlage zur Verfügung. Weil die Therme geschlossen hat, ist dort bis auf Weiteres auch keine Nutzung der Sanitäranlagen möglich, sagt Jan Koch, Pressesprecher der Stadtwerke. Es sollen regelmäßige Kontrollen stattfinden, ob die Corona-Regeln eingehalten werden.