Unvollendete Mission Medi-Team kämpft um Platz im FEC

Weite Reisen: Unsere Grafik veranschaulicht, dass es für ein Turnier mit diesen fünf Mannschaften ein paar geografisch sinnvollere Austragungsorte gegeben hätte, als Sibiriens drittgrößte Stadt Krasnojarsk. Foto: HCSB

In den kommenden Tagen entscheidet sich, ob Medi Bayreuth in dieser Saison auf internationaler Ebene vertreten sein wird. In Krasnojarsk kämpft der Basketball-Bundesligist um die Qualifikation zum Fiba-Europe-Cup.

Basketball - In der vergangenen Saison stand Medi Bayreuth schon kurz vor dem Ziel, doch jetzt muss der Bundesligist einen neuen Anlauf ganz von vorn beginnen: Im fernen Krasnojarsk in Sibirien kämpft die Mannschaft von Trainer Raoul Korner ab morgen um die erneute Qualifikation für den Fiba-Europe-Cup – jenen europäischen Wettbewerb also, in dem sie im März das Halbfinale erreicht hatte, das dann jedoch pandemiebedingt ersatzlos abgesagt worden ist.

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Der Modus: Fünf Mannschaften treten in Krasnojarsk an, von denen drei bereits für das Halbfinale am Mittwoch gesetzt sind. Der dortige Gegner von Medi Bayreuth wird am Dienstag in einer Vorrunde ermittelt, das Endspiel folgt am Freitag. Wegen der Zeitverschiebung um fünf Stunden beginnen alle Begegnungen zu ungewohnten mitteleuropäischen Uhrzeiten, das Bayreuther Halbfinale um 12 Uhr MESZ (17 Uhr Ortszeit), das Finale um 14.30 Uhr (19.30 Uhr).

Drei entsprechende Qualifikationsturniere werden zeitgleich in Groningen (Niederlande), Sofia (Bulgarien) und Pärnu (Estland) ausgetragen. Nur für die vier Gesamtsieger war ursprünglich ein Platz unter den 32 Teams in der ersten Gruppenphase des Fiba-Europe-Cups (FEC) mit acht Vierergruppen reserviert. Aus den Ergebnissen der Qualifikation zur übergeordneten Champions League haben sich aber zwei zusätzliche freie Positionen ergeben, die an zwei Endspiel-Verlierer vergeben werden. Nach welchen Kriterien das geschieht, ist laut Raoul Korner allerdings „ein gut gehütetes Geheimnis“. Einer dieser „Lucky Loser“ wird in der regulären Saison des Wettbewerbs dann der Gruppe A zugeordnet, in der neben Kapfenberg Bulls (Österreich) und London Lions (Großbritannien) auch der Sieger des Turniers von Krasnojarsk spielen wird. Er nimmt dort den Platz des rumänischen Vertreters UBT Cluj ein, der den Sprung in die Champions League geschafft hat. Der andere Nachrücker gehört der Gruppe B an mit BC Kiew (Ukraine), BC Samokov (Bulgarien) und Hapoel Eilat (Israel).

Die Gegner: Medi Bayreuth wird im Halbfinale in jedem Fall auf einen Europapokal-Neuling treffen, denn beide Kontrahenten im Viertelfinale am Dienstag waren noch nie in einem solchen Wettbewerb vertreten. TFT Skopje hat die vergangene Saison in Nordmazedonien auf dem siebten Platz abgeschlossen, während SZTE Szeged in Ungarn als Tabellendritter und Halbfinalist auf das mit Abstand erfolgreichste Jahr der Klubgeschichte zurückblickt.

Im Kader der Magyaren stehen zwei Akteure, die einen Teil der vergangenen Saison in der Bundesliga verbracht haben: US-Guard Tayler Persons konnte sich zu Beginn in Würzburg nicht etablieren und zog weiter nach Gliwice (Polen), während der australische Power Forward Jesse Hunt in Vechta nachverpflichtet wurde, aber mit 7,9 Punkten und 5,9 Rebounds im Schnitt den Abstieg nicht abwenden konnte.

Auch im anderen Halbfinale steht mit Hapoel Haifa ein Klub ohne Erfahrung auf europäischer Ebene, aber der fünfte Platz der vergangenen Saison als Neuling in der israelischen „Winner League“ konnte sich sehen lassen. Zum aktuellen Team gehören gleich drei Amerikaner mit BBL-Referenzen aus der zurückliegenden Spielzeit. 2,08-m-Center James Thompson sammelte pro Spiel 7,1 Punkte und 6,2 Rebounds für die Baskets Bonn, und der im Sommer zunächst als Neuzugang der Riesen Ludwigsburg gemeldete Power Forward Scottie James gehörte mit 11,0 Punkten und 5,9 Rebounds zu den Aktivposten des sportlichen Absteigers Gießen 46ers. Flügelspieler Will Rayman konnte sich dagegen bei der BG Göttingen nicht durchsetzen und wechselte während der Saison zu BK Ventspils nach Lettland.

Nicht ganz so aktuell sind die Verbindungen nach Deutschland im Aufgebot des Turnier-Gastgebers Enisey Krasnojarsk. Der aus Sydney gekommene US-Spielmacher Casper Ware (31; 178 cm) war in der Saison 2014/15 mit einem Schnitt von 13,2 Punkten immerhin der Topscorer der Baskets Oldenburg, und der mittlerweile 34 Jahre alte serbische 2,10-m-Center Boris Savovic spielte 2013/14 für München (7,3 Punkte / 4,1 Rebounds) sowie in der folgenden Saison für Ulm (11,3 / 3,6). Zu beachten sind zudem amerikanische Flügelspieler Rion Brown von Olimpija Ljubljana, der vor seinem Wechsel nach Krasnojarsk mit Ratiopharm Ulm in Verbindung gebracht worden war, und der russische Olympia-Teilnehmer Mikhail Kulagin im Spielaufbau.

Vor allem aber hebt sich Enisey Krasnojarsk durch die internationale Erfahrung von den anderen möglichen Bayreuther Gegnern ab. Der Tabellenelfte der über die russischen Ländergrenzen hinausreichenden VTB-Liga stand schon 2016 im Halbfinale des FEC und ein Jahr später im Viertelfinale. Das folgende Gastspiel in der Champions League war als Gruppenletzter mit 3:11 Siegen nicht sehr erfolgreich, ehe nach der Rückkehr in den FEC 2019/20 als Gruppenzweiter der zweiten Phase das Viertelfinale knapp verpasst wurde.

Die Chancen: „Wir fahren nicht auf Urlaub nach Sibirien, da gibt es angenehmere Ziele“, sagt Medi-Trainer Raoul Korner, der seinen Klub im Fiba-Europe-Cup nach dem Abbruch der vergangenen Saison auf einer unvollendeten Mission sieht. „Wir haben einen klaren Auftrag, wissen aber auch, dass es extrem schwierig wird. So eine Reise mit der Zeitumstellung ist für uns komplettes Neuland, aber es gilt auch für die Gruppe, in die wir gelost wurden.“

In der Vorbereitung haben sich die Bayreuther mit allen Mitbewerbern gleichermaßen beschäftigt. Eine Prognose wagt der Coach aber trotzdem: „Als unseren ersten Gegner erwarte ich die Ungarn, die wirken auf dem Papier etwas stärker. Und im anderen Halbfinale darf man wohl erwarten, dass sich die Gastgeber durchsetzen.“

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