Untreue-Prozess: Chefin der NKD-Asien-Tochter hatte bei Millionenzahlungen ein „Störgefühl“ Liebesgrüße aus Hongkong

Von Manfred Scherer

Sie ist die Hauptzeugin der Anklage im NKD-Prozess. Die Geschäftsführerin der in Hongkong sitzenden NKD-Tochter Sunfortune hat im Prozess um die verschwundenen NKD-Millionen bestätigt: Sie sei von den Angeklagten, dem Ex-Geschäftsführer Michael Krause und dem damaligen Prokurist Uwe K. angewiesen worden, trotz eigener Zweifel insgesamt 3,7 Millionen Euro an eine Beratungsfirma in Zypern zu zahlen. Krause und Uwe K. liegt deshalb schwere Untreue zur Last.

3,7 Millionen überwies die NKD zwischen April 2012 und Oktober 2012 erst an die Auslandstochter nach Hongkong. Von dort wurde das Geld an eine Firma in Zypern wietertransferiert. Die Staatsnwaltschaft sieht den ungeklärten Geldfluß als Untreue an. Foto: Ritter Foto: red

Zweimal war die 45-jährige Elena L. schon zu dem Prozess angereist, zweimal musste sie unverrichteter Dinge wieder heimfliegen. An diesem Dienstag, dem 16. Verhandlungstag, sagt sie endlich aus und macht kein Hehl aus ihrer Abneigung gegen die Angeklagten. Sarkasmus schwingt in ihrer Stimme, als sie von den beiden „Superherren in Bindlach“ spricht: „Es wurde so viel auf mich drauf gedroschen. Herr Krause hat mir ja gezeigt, wie man wirklich Geschäfte macht.“ Aus der Sicht von Elena L. waren die 3,7 Millionen Euro, die zwischen dem April 2012 und dem Oktober 2012 in mehreren Tranchen aus dem Unternehmen NKD auf das Konto einer Beratungsfirma namens Zarando in Zypern flossen, „ihr“ Geld: Für den Transfer an die Zarando wurde nämlich das Provisionskonto der NKD-Tochter Sunfortune verwendet. Zunächst kam das Geld als Zahlung auf Provisionsforderungen aus Bindlach, danach musste Elena L. als zweite Berechtigte neben dem Prokuristen Uwe K. die Rechnungen der Zarando begleichen. Sie sagt, sie habe dies bei jeder Zahlung mit Widerwillen getan: „Ich hatte bei der Zarando-Sache ein ständiges Störgefühl.“

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Elena L. sagt kontrolliert aus: Neben ihr sitzt ein Rechtsanwalt, ein Zeugenbeistand. Elena L. hat sich, wie viele andere mittelbar an den fraglichen Transaktionen Beteiligte, firmeninternen Ermittlungen stellen müssen und vor dem Hintergrund möglicher Schadenersatzforderungen eine eidesstattliche Versicherung abgeben müssen.

Dieser 16. Verhandlungstag ist auch der Tag, an dem der Vorsitzende Richter Siegbert Übelmesser sein Können zeigt: Stundenlang, seitenweise arbeitet er Aktenbestandteile durch, hält der Zeugin Dokumente, Gesprächsnotizen vor. Seine Wirtschaftsstrafkammer möchte nachvollziehen, wie es zu den Zahlungen kam und was dabei nicht nach den Regeln seriösen kaufmännischen Handelns abgelaufen sein könnte. Das Gericht interessiert etwa die Frage, wie die Sunfortune-Chefin die Berechtigung der Zahlungen geprüft hatte. Die Antwort: Sowohl Geschäftsführer Krause als auch Prokurist Uwe K. hätte die Zahlungen begründet, dass mit dafür eingekauften Preisinformationen viel Gewinn gemacht werde. Nachdem das Geschäftsmodell angelaufen war, wurde Elena l. bedeutet: „Wir schwimmen im Geld. Die NKD hat ein Luxusproblem.“

Doch von den Leistungen, die die Zarando erbrachte, und mit denen angeblich die Einkaufspreise in Schnitt um 20 Prozent gesenkt worden waren, will Elena L. nie selbst etwas schwarz auf weiß gesehen haben. Als sie Unterlagen haben wollte, um sich auf anwaltlichen Rat selbst abzusichern, hieß es sowohl von Krause und Uwe K.: „Mädel, du musst doch sehen, was wir für Gewinne machen.“ Und das räumt die Zeugin ein: „Ja, wir haben gespürt, dass wir besser einkaufen.“

Wie mehrfach berichtet, behauptet der Angeklagte Krause, er habe im Geheimen Industriespionage eingefädelt, mit der er an überlegene interne Informationen über Preiskalkulationen bei Textilherstellern in Asien kam. Die Staatsanwälte glauben, Zarando sei eine Tarnfirma, hinter der angeblich Krauses Jugendfreund Michael J. steckt. Er saß vor einer Woche noch in Dubai in Auslieferungshaft, wann und ob er beim Prozess aussagen wird, ist unbekannt.

Die Zeugin Elena L. trieb ihr Störgefühl dennoch gewaltig um, und auch die Ankündigung Krauses, sie werde von Zarando noch weitere Rechnungen in Höhe von fünf bis zehn Millionen Euro erhalten. Sie stellte Material zu den schon erfolgten Zarando-Zahlungen zusammen. Am 3. Dezember 2012 präsentierte sie das am Frankfurter Flughafen dem damaligen Firmeninhaber Claas Daun: „Er ist fast vom Stuhl gefallen und sagte: Das ist ein Fall für den Staatsanwalt.“ Am 7. Dezember, wurde Krause bei der pompösen NKD-Weihnachtsfeier als Retter gefeiert und auch Claas Daun soll gegenüber Elena L. seine Ansicht revidiert und gesagt haben: „Krause, das ist der Mann! Wir machen so viel Gewinn.“ Die Zeugin: „Da bin ich fast vom Stuhl gefallen.“

Die Befragung von Elena L. wird heute fortgesetzt.