Allein die Kulmbacher Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner habe ihn gefühlt unzählige Male darauf angesprochen. Auch dank des Engagements von Emmi Zeulner habe der Bund ein Programm für den barrierefreien Ausbau von Bahnhöfen zwischen 1000 und 4000 Zustiegen pro Tag aufgelegt.

Das passe auf Kulmbach, aber auch auf 69 weitere Bahnhöfe in Bayern mit ähnlichen Voraussetzungen und Problemen. Sein Ministerium habe sich aber vorgenommen, einige ausgesuchte Bahnhöfe nach Berlin zu melden, versprach Reichhart. Kulmbach soll einer davon sein.

Mit der versprochenen Meldung für das Programm ist Kulmbach allerdings noch nicht auf der sicheren Seite, sagt der Minister: „Was am Ende dabei herauskommt, hängt auch von den finanziellen Mitteln ab und davon, dass wir vor Ort kofinanzieren müssen. Das ist ein Punkt, über den man auch mit den Kommunen reden muss.“

Dennoch: Jeden möglichen Cent wolle die Staatsregierung in dieser Sache nach Bayern holen. Kulmbach bleibe im Fokus, auch weil Emmi Zeulner das Thema nicht in Vergessenheit geraten lasse.

Die Stadt fühlt sich bei diesem Thema von der Bahn im Stich gelassen. Zahllose Versuche, den Bahnhof zu sanieren und endlich barrierefrei zu gestalten, sind ins Leere gelaufen. Oberbürgermeister Henry Schramm erinnert an die vielen entsprechenden Vorstöße der Stadt. Ganze Ordner fülle der Vorgang inzwischen.

Bislang ohne Erfolg. Wäre die Stadt nicht eingesprungen und hätte eine Toilettenanlage auf eigene Kosten am Bahnhof gebaut, gäbe es seit vielen Jahren dort nicht einmal mehr ein „Örtchen“. Auch die Rampe, die zum Bahnhofsgebäude führt, hat die Stadt selbst finanziert. Damit seien die Möglichkeiten der Kommune ausgeschöpft, sagt Schramm und bittet Reichhart, Zeulner und Landtagsabgeordneten Martin Schöffel um Unterstützung.

Sie arbeite daran, die Zusage für eine barrierefreie Gestaltung des Kulmbacher Bahnhofs zu erhalten, betonte Zeulner. Die Tatsache, dass Kulmbach ein Universitätsstandort wird, spiele dabei nun auch eine Rolle. „Da bekommen wir richtig neuen Schwung.“

Den kann der Bahnhof brauchen. Da ist zum einen das heruntergekommene und ungepflegte Gebäude, in dem es längst keinen Bahnservice mehr gibt. Da ist vor allem aber die Tatsache, dass Menschen mit einer Gehbehinderung, junge Eltern mit Kinderwagen, aber auch Reisende mit schwerem Gepäck in Kulmbach vor Unterführungen zu den Bahnsteigen stehen, die nur über Treppen zugänglich sind. Für manche macht das die Nutzung der Bahn unmöglich. Ganz abgesehen davon, dass man sich in der meist schmutzigen, muffig riechenden Unterführung gruselt.

Etwa 1550 von rund 5400 Bahnhöfen in Deutschland sind nach Angaben der Bahn stufenfrei. Dass Kulmbach nicht dazugehört, liegt auch daran, dass er bislang nie ins Raster der Ausbaupläne gepasst hat. Während beispielsweise Marktschorgast oder Untersteinach von einem Programm für kleine Bahnhöfe profitieren, war Kulmbach dafür zu groß, für andere Programme aber zu klein.

Für eine Umgestaltung muss viel Geld in die Hand genommen werden. Eine Machbarkeitsstudie, die allerdings schon vor Jahren erstellt worden ist, ging von rund neun Millionen Euro aus. Das dürfte mittlerweile wohl lange nicht mehr ausreichen.


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